1. Saisonziel wohl verfehlt: Wie naiv ist BVB-Coach Bosz?

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München – Funktionäre, Spieler und zum Großteil die Berichterstatter haben bislang den neuen BVB-Trainer Peter Bosz in höchsten Tönen gelobt. Mit nur einem Spiel und einer haarsträubenden Taktik hat Bosz aber nun fast schon das erste Saisonziel der Dortmunder zunichte gemacht.

Schwache Defensive ebnet Tottenham den Sieg

1:3 verlor Borussia Dortmund gegen Tottenham Hotspur in der Champions League, die Niederlage hätte noch deutlich höher ausfallen können. Dortmund stürmte an, zeigte sich aber wenig effizient vor dem Tor (unabhängig von einem nicht-gegebenen Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang). Schlimmer noch: Die Defensive ließ sich mehrfach mit langen Bällen über die Flügel und schnellen Stürmern (Son, Kane) auskontern. Konzentration und körperliche Robustheit fehlten in den bedeutenden Momenten.

BVB unter Druck

Trainer Peter Bosz ist dafür bekannt, seine Teams offensiv spielen zu lassen. Aber in einer Gruppe, wo quasi Real Madrid als Gruppensieger feststeht und APOEL Nikosia als Gruppen-Vierter, ist der Niederländer wohl schlecht beraten gewesen, sein Team so offensiv aufzustellen. Schließlich muss Dortmund nun voraussichtlich mit zwei Toren Unterschied gegen Tottenham im Rückspiel gewinnen, um Rang zwei und damit den Einzug ins Achtelfinale zu sichern. Das Erreichen des Achtelfinals ist das erklärte Ziel der Dortmunder Führung. Der BVB steht nun fast unnötig unter Druck, weil der Coach sich in seiner Marschrichtung nicht flexibel zeigte. Diese offensive Strategie kündigte Bosz auch noch vor der Partie an – ein „gefundenes Fressen“ für Tottenham.

Bosz: „Wir haben gut gespielt“

So bleibt das BVB-Spiel in der Offensive schön anzuschauen, doch in der Defensive scheint Dortmund hohen internationalen Ansprüchen nicht zu genügen. Fatal ist dabei auch, dass Bosz im Anschluss von einer Notlage seines Teams in Sachen Champions League nichts wissen wollte. „Wir haben gut gespielt“, sagte Bosz, um fast schon nebensächlich anzufügen: „Wir waren in den entscheidenden Momenten nicht da.“ Erfahrene Coaches nutzen solche Spiele für einen Weckruf an das eigene Team, zumal zuvor schon in der Bundesliga gegen dezimierte Freiburger zwei Punkte verschenkt wurden. Fest steht jedenfalls: Die Vorschuss-Lorbeeren für Bosz dürften aufgebraucht sein.

Was Bosz nun nachweisen muss

Der Niederländer muss nun nachweisen, dass er sein Team taktisch flexibler agieren lassen kann – und zur Not auch Härte walten lässt. Das waren übrigens zwei Attribute, die Vorgänger Thomas Tuchel bestens vereinte. Er hatte seine Spieler zur richtigen Zeit öffentlich kritisiert – und für seine taktische Finesse wurde er bereits als deutscher Guardiola gerühmt. Für den BVB ist nun ein erster entscheidender Zeitpunkt in der Saison gekommen. Das Champions-League-Achtelfinale, so deutlich sollte man es aussprechen, ist mit dem 1:3 in London in weite Ferne gerückt.

Über Daniel Michel

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