International

Dubiose Geschäfte im Fußball

am

München – Seit November veröffentlicht Football Leaks geheime Dokumente und Verträge aus der Fußballwelt, um dubiose Machenschaften aufzudecken und mehr Transparenz für Fans zu schaffen. Aufgrund ihrer Enthüllungen wurde der niederländische Verein Twente Enschede bereits für drei Jahre für den Europapokal gesperrt. Im Interview mit dem Magazin 11freunde sprechen die Macher über die Praktiken von Investoren, Drohungen gegen sie und weiteren Veröffentlichungen.

Dokumente zum Bale-Wechsel online gestellt

Vor zwei Wochen machte Football Leaks weltweit Schlagzeilen, als sie Dokumente veröffentlichten, die zeigten, dass der Transfer von Gareth Bale von Tottenham zu Real Madrid 2013 der teuerste aller Zeiten war. Aber nicht nur astronomische Summen, auch illegale Machenschaften hat Football Leaks aufgedeckt. Ihr Ziel: mehr Transparenz im Fußball.

Auslöser Transfers in Portugal

Unser Projekt stellt gerade alles auf den Kopf, Sie können sich daher denken, dass wir einige mächtige Feinde im Geschäft haben. Und für diese Leute ist Transparenz ein Problem“, sagten die portugiesischen Macher im Interview mit dem Magazin 11freunde. Begonnen haben sie im September letzten Jahres. „Damals war unser großes Ziel, all die Lügen und Kontroversen der Vereine in Portugal offen zu legen“, sagten sie. Es habe rätselhafte Transfers gegeben. Sie wollten, dass die Menschen verstehen, was da vor sich ging. „Einige Vereine haben einfach keinen Respekt gegenüber den Fans, sie verheimlichen zu viel. Alles ist tabuisiert: Gehälter, Verträge, Klauseln, Vermittler.“ Die NBA sei ein gutes Vorbild für den Fußball, dort werden die Gehälter der Spieler und Trainer veröffentlicht. Die Blogger sind der Meinung: „Das braucht der Fußball auch.“

Einfluss von Investmentfonds schädlich für Vereine

Vor allem wisse man zu wenig über Investmentfonds und ihren Einfluss auf den Fußball. „Diese Fonds haben nur finanzielle Absichten, das führt zu einer schiefen Vertragslage zwischen Vereinen und Spielern“, beschreiben sie die Situation. Es bestehe das Risiko der Geldwäsche oder von Spielmanipulationen. Als Beispiel führen sie die Struktur der Doyen Sports Group an. „Was Doyen macht, ist kriminell und schädlich für die Vereine“, sagen sie und ergänzen: „Sie benutzen finanziell angeschlagene Vereine und stülpen ihnen unfaire Bedingungen über. Deshalb nennen wir sie Kredithaie.“ Außerdem verstößt das Vorgehen wohl gegen Fifa-Regeln. Viele dieser Vereine könnten Probleme bekommen und bestraft werden. Einen Klub hat es bereits erwischt. Twente Enschede aus den Niederlanden wurde wegen Verstößen gegen die Fifa-Richtlinien für drei Jahre für den Europapokal gesperrt.

70 Millionen Euro in fünf Jahren verdient

Die Praxis sieht meist so aus: Die Investoren platzieren die Spieler in bestimmten Vereinen mit dem Versprechen, sie ein oder zwei Jahre später weiter zu verkaufen. Das rentiert sich für den Investmentfonds und deren befreundete Berater. Doyen habe laut ihren Unterlagen durch Transferrechte in fünf Jahren 70 Millionen Euro verdient. Bei Twente hatte sich die Doyen Sports Group im Gegenzug für ihren Einstieg die Transferrechte mehrerer Profis gesichert. Dokumente auf Football Leaks bewiesen, dass Twente bei jedem Angebot für einen Spieler an Doyen zahlen musste – ob dieser Spieler wirklich verkauft wurde oder nicht.

Weitere Veröffentlichungen sollen folgen

Football Leaks ist laut eigener Aussage absolut unabhängig. „Wir haben keine Agenda, wir kämpfen lediglich für das Wohl des Sports.“ Das missfalle aber vielen. Es werde von mächtigen Leuten massiv versucht, die Arbeit der Blogger zu beenden. „Wir sind gerade großen Risiken ausgesetzt“, sagen sie. Schluss ist mit den Veröffentlichungen ist aber noch lange nicht. „Wir besitzen immer noch mehr als 500 Gigabyte an Dokumenten. Wir haben noch tausende Dokumente. Und wir prüfen weiter all die Informationen“, kündigen sie an. „Sie können mit weiteren Enthüllungen über Transfers und Investmentfonds rechnen.“

[dppv_emotions]

Über Carsten Ruge

Diesen Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.