Bundesliga plant große Reformen

München – „Zukünftige strategische Ausrichtung der Bundesliga“ – so heißt ein 16-seitiger Geheimplan der Liga, der bislang nur der BILD-Zeitung vorliegt.

In der Zukunft könnten die Regeln für den DFB Pokal stark verändert werden. (Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)
In der Zukunft könnten die Regeln für den DFB Pokal stark verändert werden. (Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Reaktion auf den TV-Vertrag in England

Über dieser Idee schwebt wie ein Damoklesschwert der neue TV-Vertrag der Premier League – 9,6Milliarden Euro sollen die zwanzig englischen Erstligisten erhalten in den kommenden drei Jahren erhalten. Peter Peters ist Vorstandsmitglied beim FC Schalke und Vize-Präsident des Ligaverbands. Der Verband ist der Zusammenschluss aller 36 Klubs der Bundesliga und 2. Liga, die DFL ist seine 100-prozentige Tochter. Der 53-jährige erklärte bei BILD: „Dieses Papier ist lediglich Ergebnis eines Meinungsaustausches von 16 Bundesligisten. Wir von Schalke 04 hatten dazu eingeladen, weil wir uns die strategische Ausrichtung der Bundesliga betreffend ein Meinungsbild der Klubs einholen wollten.“

Die Konkurrenzfähigkeit soll erhöht werden

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga soll weiter gesteigert werden. Die deutschen Klubs wollen sich im Kampf gegen die englische, spanische und italienische Liga weiter positionieren, wie Peters erklärt: „Grundsätzlich machen wir uns immer Gedanken, wie wir mit Blick auf die anderen internationalen Topligen wettbewerbsfähig bleiben können.“ Die Punkte besitzen eine große Brisanz und bilden einen Grundstock für heiße Diskussionen.

Revolution des DFB-Pokals

Geht es nach der neuen Idee, wären Pokalsensationen in den ersten Runden kaum noch möglich. Bislang ist das Prinzip ganz simpel: Aktuell starten die 36 Teams aus der 1. und 2. Bundesliga und 28 Amateurklubs gleichzeitig in Runde 1. Bei den Reformvorschlägen würdne die Europapokalteilnehmer zunächst entlastet werden.

Modell A: In einer sogenannten „Runde 0“ starten elf Bundesligisten, dazu die 18 Zweitligisten und 71 Amateurklubs. Von den 100 Vereinen bleiben in der 1. Runde 50 und in der 2. Runde 25 Vereine übrig. Zu denen stoßen die sieben Europapokalteilnehmer. 32 Mannschaften kämpfen sich dann noch durch fünf Runden bis zum Finale durch. Für Teams, die sich nicht für Champions- oder Europa League qualifiziert haben, bedeutet dies: Acht, statt bislang sechs Partien bis zum Finale in Berlin.

Modell B: In einer Runde 0 geht es mit 18 Zweitligisten und 58 Amateur-Klubs los. Zu den 38 Siegern stoßen in der 1. Runde zehn Bundesligisten dazu. In der 2. Runde kommen die sieben Europapokalteilnehmer und der Titelverteidiger dazu. Die Folge: „Runde 0“ wäre für den neutralen Zuschauer wohl uninteressant. 18 Zweitligisten treffen auf 18 Amateur-Klubs – ansonsten käme es nur noch zu Duellen zwischen unterklassigen Gegnern. Brisanzfaktor? Eher gering. Für ein Duell gegen die absoluten Spitzenvereine aus München, Dortmund oder Schalke müssten zunächst zwei Runden überstanden werden. Doch wäre dies wirklich eine Revolution? Zur Erinnerung: In der Spielzeit 1999/2000 wurde ein ähnliches Modell bereits ausprobiert. So stiegen die Bayern erst in der dritten, Eintracht Frankfurt in der zweiten Runde ein. Ein Jahr später schon war dieser Modus wieder Geschichte.

Aus dem Amateurlager sind auf der einen Seite heftige Proteste zu erwarten. Volker Brumm (50), Manager beim amtierenden Hamburg-Pokalsieger Barmbek-Uhlenhorst (flog in der 1. Runde gegen Freiburg raus) vertritt die Contra-Position: „Eine 1. Runde ohne die absoluten Kracher? Das geht gar nicht. Dadurch verliert der Pokal total seinen Reiz für uns kleine Amateure.“ Manfred Weidner (53), Sportdirektor vom FC Oberlausitz Neugersdorf (4. Liga), sieht hingegen die positiven Aspekte: „Ein interessantes Projekt, weil die Teilnahme-Möglichkeiten am Pokal deutlich erhöht würden und es damit eine zusätzliche Geldquelle wäre.“

Verteilung des TV-Geldes:

Der neue TV-Vertrag – verlangte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge – solle pro Jahr eine Summe von 1,x Milliarden Euro in die Kasse der 36 Profivereine spülen. Bislang partizipiert die 2. Bundesliga mit 20 Prozent an den Einnahmen. 708 Millionen Euro gibt es in der laufenden Spielzeit, davon wandern 142 Millionen Euro ins Unterhaus.

Modell A: Gemäß dem Fall, DFB-Boss Christian Seifert handelt einen TV-Vertrag in Höhe von 1 Milliarden Euro aus, würden weiterhin 20 Prozent, also 200 Millionen Euro in die 2. Bundesliga fließen – unwahrscheinlich, dass sich dieses Modell hält!

Modell B: Die Gelder steigen, der Erlös für die 2. Bundesliga bleibt allerdings bei 142 Millionen Euro stehen – 14 statt wie zuvor 20 Prozent. Die Zweitligisten würden höchstwahrscheinlich heftig protestieren, sie wollen am größer werdenden Kuchen partizipieren.

Modell C: Die 2. Liga erhält eine flexible Beteiligung an den TV-Einnahmen, aber nie weniger als 15 Prozent. Sollten die TV-Erlöse also mal bei 1,2 Milliarden liegen, würde die 2. Liga 180 Mio bekommen.

Das letztgenannte Modell erscheint am wahrscheinlichsten. Im Vordergrund steht die Konkurrenzfähigkeit der 1. Bundesliga, was bedeutet: „Die Platzierung in der 5-Jahreswertung ist zentraler Wettbewerbsfaktor und sportliches Argument.“ Aktuell bekleidet die höchste deutsche Liga hier den zweiten Rang – hinter Spanien und vor England. Eine gute Platzierung in diesem Ranking bedeute Attraktivität im Rennen um Topspieler, ferner steigere „der internationaler Erfolg die Attraktivität der Bundesliga für global operierende Sponsoren“, wie es in dem Papier heißt.

Reformen beim DFB:

Auch der DFB soll reformiert werden. DFL-Chef Seifert Seifert forderte vor allem eine Professionalisierung des Verbands:

1.) Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb soll in einer DFB GmbH gebündelt werden.

2.) Ein Aufsichtsrats für die DFB GmbH und ein Geschäftsverteilungsplans von Präsidium, Aufsichtsrat und Geschäftsführung soll geschaffen werden.

Diese Vorschläge sollen demnächst schon umgesetzt werden. Eine DFB GmbH kümmert sich um Bereiche wie Marketing, Sponsoring und Rechtevermarktung DFB-Pokal. Die waren bislang beim DFB angesiedelt. Diese GmbH erhält einen hauptamtlichen Geschäftsführer mit Direktoren für die einzelnen Bereiche erhalten. Der DFB soll damit weiter professionalisiert werden – dafür lenkt die DFL bei der Wahl des Präsident ein und unterstützt nun den 54-jährigen CDU-Abgeordneten Reinhard Grindel. Der sagte dazu bei „sportschau.de“: „Ich freue mich, dass sich die von mir immer angestrebte einvernehmliche Lösung jetzt abzeichnet. Der außerordentliche Bundestag muss Ausgangspunkt sein, um den neuen DFB zu bauen, dessen Fundament die Einheit des Fußballs aus Amateurlager und Profibereich ist.“ Dieser außerordentliche Bundestag soll im April durchgeführt werden. Somit könnte Grindel schon vor Beginn der Europameisterschaft in Frankreich neuer DFB-Präsident werden.

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