Historie

Als Sammer nicht mitsang

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München – Die Deutsche Einheit 1989/1990 hat auch im Fußball eine große Rolle gespielt. Berti Vogts und der ehemalige Nationalspieler Matthias Sammer können sich noch gut erinnern.

Klarer Sieg gegen die Schweiz

Am 19. Dezember 1990, also vor rund 25 Jahren, fand das erste gesamtdeutsche Länderspiel statt, indem erstmals auch ehemalige DDR-Spieler zum Kader zählten. In Stuttgart gab es einen klaren 4:0-Erfolg über die Schweiz. Dabei gelang mit Andreas Thom auch gleich einem ehemaligen DDR-Spieler ein Tor zum 3:0. Die weiteren Treffer hatten Rudi Völler, Karlheinz Riedle und Lothar Matthäus erzielt. Zu diesem Anlass sprach die Leipziger Volkszeitung Ende letzter Woche mit dem damaligen Trainer Berti Vogts und Spieler Matthias Sammer, der als letzter Torschütze für die DDR beim 2:0 gegen Belgien in die Geschichte einging, in einem großen Doppelinterview. „Mir war klar, dass ich nicht gleich bei der Nationalhymne mitsingen würde. Ich wollte die DDR-Karriere zwar abhaken, aber gleichzeitig dachte ich, dass da auf Anhieb nicht alles zusammen ist, was zusammen gehört“, erinnerte sich Sammer, der derzeit als Vorstand Sport beim FC Bayern tätig ist.

„Wir kannten den DDR-Fußball besser als die Trainer dort selbst“

Doch Vogts konnte seinen Spieler schnell davon überzeugen, doch mitzusingen. Beide kannten sich schon länger aus Begegnungen mit den Nachwuchsnationalmannschaften. „Es war für beide Seiten damals nicht leicht, Kontakt aufzunehmen. Den Matthias Sammer kannte ich dennoch fast besser als die eigenen Spieler“, erzählte Vogts. Trotz aller Versuche von DDR-Seite dazwischenzufunken, befasste sich der Trainer intensiv mit den Akteuren aus dem Osten. „Wir kannten den DDR-Fußball besser als die Trainer dort selbst“, sagte Vogts.

„Die Bundesliga war ein Lebenstraum“

An das Länderspiel gegen die Schweiz hat Sammer spezielle Erinnerungen. „Mit jedem Jahr weiß man schwer zu schätzen, was passiert ist. Die Wahnsinnshistorie hat man angenommen, aber nicht wahrgenommen“, berichtete Sammer, der sich besonders an seinen ersten Zimmerkollegen Lothar Matthäus erinnern kann. „Lothars Telefonate damals sind heute noch die lustigsten Geschichten“, sagte Sammer. Mehr noch als die Nationalelf stand aber der Wechsel des damaligen Liberos zum VfB Stuttgart im Mittelpunkt. „Die Bundesliga war ein Lebenstraum. Wenn die Mauer nicht gefallen wäre, dann wäre es ewig ein Traum geblieben“, so Sammer.

Enttäuschung bei der EM

Das erste große Turnier nach der Wende wurde jedoch zu einer Enttäuschung. Im Endspiel der EM 1992 verlor der DFB mit 0:2 gegen den krassen Außenseiter Dänemark. Dabei hatte Franz Beckenbauer, der Deutschland noch zwei Jahre zuvor als Teamchef zum WM-Titel geführt hatte, die Nationalelf durch die Auflösung der DDR auf Jahre als unschlagbar bezeichnet. „Ich bin dem Franz nicht böse, weil ich weiß, in welchem Zustand diese Worte gefallen sind“, sagte Vogts. Bei der Europameisterschaft in Schweden setzte er nur wenig auf ehemalige DDR-Akteure. „Wenn man zwei Jahre zuvor Weltmeister war, kann man nicht sagen, ich nehme jetzt neun Spieler aus der DDR. Von den Stammspielern hatte ja kaum jemand aufgehört“, stellte der damalige Nationaltrainer klar.

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