Kind von Schaaf überzeugt

München – Er ist seit Jahrzehnten der starke Mann bei Hannover 96. Zuletzt musste sich Präsident Martin Kind einmal mehr als Krisenmanager betätigen.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP / Getty Images
Martin Kind ist seit 1997 das Gesicht von Hannover 96. Foto: ODD ANDERSEN / AFP / Getty Images

„Unser neuer Trainer schafft das“

Zusammen mit Manager Martin Bader musste er sich nach dem Rücktritt von Michael Frontzeck auf die Suche nach einem neuen Trainer machen. Die Wahl fiel letztlich auf Thomas Schaaf. „Ich bin erstmals seit langem innerlich entspannt und sicher, unser neuer Trainer schafft das. Ich bin von Thomas Schaaf überzeugt. Er hat immer erfolgreich gearbeitet, ist stabil, bodenständig, leistungsorientiert. So ein Mann trägt zur Aufbruchstimmung bei, doch wir dürfen ihn auch nicht überfordern“, sagte der 71-jährige Kind in einem Interview mit dem kicker.

Einige Entscheidungen nicht richtig

Durchaus selbstkritisch äußert er sich in Bezug auf die vergangenen drei Jahre seit dem Höhenflug der 96er in der Europa League. „Einige meiner Entscheidungen in der Vergangenheit haben sich als nicht richtig herausgestellt. Es zeigt im Umkehrschluss aber auch, dass sich die Branche gerade im Management eines Vereins noch nicht ausreichend professionell entwickelt hat. Da können sich sehr viele berufen sehen, diesen Job auszuüben. Das passt aus meiner Sicht nicht und ist eine Besonderheit des Fußballs. Deshalb sind auch viele Personal-Entscheidungen für einen Klub Risiko-Entscheidungen“, stellte Kind fest.

Mit der Entscheidung Dirk Dufner als Manager für Jörg Schmadtke einzustellen, habe er daneben gelegen. „Sie war notwendig, hat aber im Ergebnis zur Stagnation geführt. Stagnation ist jedoch Rückschritt. So wurden die letzten zweieinhalb Jahre für uns verlorene Jahre“, urteilte Kind.

„Einer musste Verantwortung übernehmen“

Mit der Gesamtentwicklung der Niedersachsen ist der Vorstandsvorsitzende aber zufrieden. „Mein Wirken hier geht zurück bis ins Jahr 1997. Hannover 96 war drittklassig, insolvent, ohne Perspektive. Einer mit Ideen, Entscheidungskraft und Mut musste Verantwortung übernehmen. Nun spielen wir im 14. Jahr Bundesliga, in einem modernen Stadion. Wir sind wirtschaftlich gesund, investieren gerade über 20 Millionen Euro ins Leistungszentrum und in ein Vereinshaus“, so Kind.

Schwieriges Verhältnis zu einigen Fans

Eher angespannt ist weiterhin das Verhältnis zu einigen Fan-Gruppierungen der 96er. „Es bleibt ein schwieriges Verhältnis, wobei ich immer unterscheide. Wenn ich unsere Nordkurve nehme, dann sind da 14.000 Fans, die sich identifizieren, ihren Verein lieben und ihn unterstützen. Sie sind ein unheimlich wichtiges Gut. Es sind nur wenige, die die negativen Bilder prägen“, konstatierte der Fußball-Boss. Ob er sich 2017 tatsächlich in den Aufsichtsrat zurückziehen wird, ließ er offen.

„Ich muss in Ruhe noch einmal über meine Situation nachdenken. 20 Jahre sind eine lange Zeit, die ich unentgeltlich, ehrenamtlich für 96 tätig war“, sagte Kind.

fussball.news ist Partner von Mein Sportradio

Diskutiere mit