Hecking im Pokal-Finale: „Malanda ist unser zwölfter Mann“

München – Knapp ein Jahr ist es her, seit Wolfsburgs Junior Malanda bei einem Autounfall tödlich verünglückt ist. VfL-Trainer Dieter Hecking nahm sich in der Sport-Bild nun die Zeit, seine Sicht der Dinge zur Tragödie darzustellen.

Dieter Hecking äußert sich nach einem Jahr ausführlich zum Tod von Junior Malanda. Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images
Dieter Hecking äußert sich nach einem Jahr ausführlich zum Tod von Junior Malanda. Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Hecking: „Tragödie wieder vor Augen“

„Wir haben mit Junior viele schöne Situationen erlebt, er war ein fröhlicher Mensch. Gerade in diesen Tagen habe ich den ganzen Ablauf der Tragödie wieder vor Augen“, erklärte Hecking und blickte auf die gemeinsame Zeit mit dem Belgier zurück.

„Das konnte ich nicht glauben“

Gleichzeitig ließ es sich der Wolfsburg-Coach nicht nehmen, den Unglückstag mit dem damit verbundenen und geplanten Abflug ins Trainingslager der Niedersachsen Revue passieren zu lassen: „Ich erfuhr davon zunächst über das Internet. Ich war mit meinem Sohn im Auto auf dem Weg zum Treffpunkt, und kurz vor der Ankunft am Flughafen las er auf dem Handy eine Online-Meldung vor: ‚Fußball-Profi Junior Malanda tödlich verunglückt.‘ Das konnte ich nicht glauben.“

Situation alles andere als leicht

Auch für Hecking selbst sei diese Situation alles andere als leicht gewesen, auch wegen der Tatsache, dass die Mannschaft kurz vor der Abreise zum Trainingslager stand. Vor allem die Nachricht an die Spieler zu überbringen, sei schwierig gewesen: „Zu dem Zeitpunkt waren nicht alle Spieler da. Ich habe also die zusammengeholt, die bereits eingetroffen waren, und ihnen gesagt, dass Junior möglicherweise tödlich verunglückt ist. Dann kam Klaus Allofs und hatte für uns alle die traurige Gewissheit. Die Nachricht hat uns allen den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Trotz Tragödie Konzentration auf die Rückrunde

Trotz der traurigen Gewissheit von Malandas Tod reiste das Team ins Trainigslager nach Südafrika und nahm auch im Anschluss geschlossen an der Beerdigung des Belgiers teil. Auch für Hecking sei diese Situation äußerst schwierig gewesen. Für den VfL-Coach sogar die schwierigste seiner bisherigen Karriere: „Ja. In meiner Verantwortung für die Mannschaft galt es, in kürzester Zeit wichtige Entscheidungen zu treffen. Es war meine Aufgabe, in dieser schwierigen Situation der Mannschaft wieder ein Stück Normalität zu geben, soweit das überhaupt möglich war. Trotz der Trauer mussten wir die Spieler auf die Rückrunde vorbereiten.“

Bild: Der frühere Wolfsburger Kevin de Bruyne (r.) trauerte kurz nach dem Tod von Junior Malanda (l.) auf twitter um seinen Freund und Teamkollegen.

Tragödie setzte neue Kräfte frei

Auch wenn die Tragödie rund um Malanda ständig in den Köpfen der Wolfsburger Spieler herumschwirrte, hatte diese auch eine deutlich positive Auswirkung auf die Leistung der Spieler. Vor allem das 4:1 zum Rückrundenauftakt der vergangenen Saison gegen den FC Bayern imponierte Hecking: „Es hat sich alles entladen, auch die ganze Stimmung im Stadion, was sich in drei Wochen aufgestaut hatte. Als Trainer kann ich sagen: Meine Mannschaft hat das perfekte Spiel an dem Abend geliefert.“

Motivation im Pokal-Finale

Hecking führte aus: „Damit war der Fokus wieder auf Fußball gelegt. Die Tragödie um Junior war ein schrecklicher Einstieg ins neue Jahr, er hat uns stets begleitet und uns zu dem einen oder anderen Erfolg getrieben. Im Pokalfinale gegen Dortmund habe ich in der Halbzeit gesagt: Wenn die Kraft nicht reicht, dann ist noch Junior da. Er ist unser zwölfter Mann.“

Ist mehr als das Champions-League-Achtelfinale drin?

Mittlerweile ist bei den Wölfen nach dem Tod von Malanda wieder Normalität eingekehrt. Durch die starke Rückrunde im Jahr 2015 stand die Qualifikation zur Champions League, in der man auch im neuen Jahr überwintern konnte und somit im Achtelfinale steht. Für Hecking soll nach diesem allerdings noch nicht Schluss sein: „Unser Weiterkommen ist etwas Historisches, eine riesiege Geschichte für den Verein und die Region. Aber unser Hunger ist noch nicht gestillt. Wenn wir das Achtelfinale überstehen, dann kommt eine gewisse Eigendynamik hinein, und plötzlich kommst du wieder eine Runde weiter.“

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