Lahm-Kritik an Wahlsystem

München – Lionel Messi ist zum fünften Mal zum Weltfußballer des Jahres gekürt worden. Er löste damit wieder Ronaldo – seinen Kontrahenten von Real Madrid – ab, der die Trophäe zuvor zweimal in Folge gewinnen konnte. Der Weltmeisterkapitän von 2014, Philipp Lahm, hinterfragt in seiner Kolumne bei goal.com das Verfahren der Abstimmung.

BEIJING, CHINA - JULY 17: Philipp Lahm of FC Bayern Munchen looks on during the a press conference at National Stadium in day 1 of the FC Bayern Audi China Summer Pre-Season Tour on July 17, 2015 in Beijing, China. (Photo by Lintao Zhang/Getty Images)
Philipp Lahm macht sich Gedanken über das Abstimmungsverfahren zum Weltfußballer. Foto: Lintao Zhang/Getty Images

Wahl schnell durchgeführt

„Wenn in 209 Ländern Nationaltrainer, Nationalmannschafts-Kapitäne und ausgewählte Journalisten aus einer Vorauswahl den Weltfußballer bestimmen, bin ich überzeugt, dass sich die wenigsten trotz ihrer Kompetenz intensiv damit auseinandersetzen“, schließt sich Lahm in seiner Überlegung mit ein und fügt an: „Ich kenne das Prozedere. Die Nachricht mit der Bitte um Nennung von drei Namen aus der Kandidatenliste erreicht dich während der Saison, dann macht man es sich einfach, und wählt was augenscheinlich ist.“

Wahl eine Weltstürmerwahl

Der Kapitän des FC Bayern ist der Meinung, dass durch das Abstimmungsverfahren die bekanntesten bzw. sichtbarsten Spieler auf dem Platz erfolgreicher und schneller gewählt werden. „Am Ende ist es durch dieses Verfahren eine Weltstürmerwahl geworden. Das ist nicht meine Perspektive als verbitterter Defensivspieler, sondern die neutrale und unverrückbare Aussage der Statistik“, blickt Lahm auf die Gewinner des Ballon d’Or. Mit Fabio Cannavaro konnte sich bisher nur ein Abwehrspieler den Pokal als bester Feldspieler sichern. Nur Lothar Matthäus und Zinedine Zidane waren als Mittelfeldspieler erfolgreich. Trotz Torwartgrößen wie Oliver Kahn oder Manuel Neuer schaffte es mit Lev Yashin nur ein Torhüter vor mehr als 50 Jahren an die Spitze des Rankings.

Fußball ist mehr als nur die Tore

„Ich denke, wenn der Weltfußballverband einen Preis vergibt, sollte es kein Marketingpreis sein, der ausschließlich die Hauptdarsteller in einer medialisierten Fußballwelt auszeichnet“, stehen für den Vollblutprofi und vorbildlichen Mannschaftsspieler Lahm nicht nur die Momente, in denen der Ball die Torlinie überquert, im Mittelpunkt: „Fußball ist so viel mehr als der Moment des sportlichen Triumphs. Fußball ist Teamwork, Gemeinschaftssinn, Verteidigen, Vorbereiten und sich opfern.“

Messi verdienter Sieger

Lahm schlägt vor – neben der Bestimmung einer Weltauswahl – die besten Spieler aus den unterschiedlichen Positionen zu wählen. Der Torwart solle zum Beispiel nicht mit einem Angreifer verglichen werden. Trotz der Kritik am Abstimmungsverfahren lässt es sich der Rechtsverteidiger nicht nehmen, dem aktuellen Weltfußballer zu gratulieren: „2015 haben wir wieder einen absolut verdienten Weltstürmer: Herzlichen Glückwunsch, Lionel Messi!“

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