Bundesliga

Adler: Fußballer nur Ware

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München – In seiner Karriere hat HSV-Torwart René Adler schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Im Interview mit der Welt am Sonntag sprach er über sein Innenleben, die Tücken des Profidaseins und den Geldkreislauf in Fußball.

Ständig getrieben

„Es ist eine große Kunst, sich mit der nötigen Gelassenheit zu entwickeln, wenn du ständig getrieben bist“, sagte René Adler der Welt am Sonntag. „Es gibt immer einen, der etwas besser kann, dir auf einem Gebiet überlegen ist oder mehr Geld besitzt. Das zu akzeptieren, ist nicht immer einfach, wenn du selbst der Beste sein willst. Diese ewige Hatz schadet dir auf Dauer“, meint der ehemalige Leverkusener.

Adler: Denke viel nach

Es sei ein sehr reflektierter Mensch, der viel nachdenkt. Für einen Fußballspieler seiner Meinung nach nicht optimal: „Besser ist es, wenn du einfach nur stupide dein Ding machst, ohne groß nachzudenken. Ich bin aber anders strukturiert. Menschen, die ein bisschen intelligenter sind, zweifeln vielleicht auch öfter. Mehr machen als andere, viel arbeiten, zwanghaft arbeiten, das ist auch irgendwie ein ostdeutsches Denken. So wurde ich erzogen“, sagte der gebürtige Leipziger.

Geldkreislauf absurd

„Dieser sagenhafte Geldkreislauf ist schon absurd. Bedenklich ist, dass die Vereine in England bei Neuverpflichtungen nicht danach gehen, was ein Spieler wirklich kann, sondern sie orientieren sich an den Summen, die andere Vereine bereit sind, für x-beliebige Spieler auszugeben“, sagte Adler. Geld stünde für ihn nicht über allem. „Es ist aber auch menschlich, wenn du für die gleiche gute Leistung, die du immer bringst, plötzlich mehr Geld geboten bekommst und das auch annimmst“, meint Adler.

24 Stunden am Tag präsent sein

„Mir ist bewusst, dass wir Fußballspieler eine Ware verkörpern, und ich verhalte mich auch entsprechend“, erklärt der 31-Jährige. Er kenne genügend  ehemalige Fußballspieler, die nicht mit ihm tauschen würden, weil man als Profi heutzutage kläsern sei. „Früher wurde viel mehr in Trainingslagern gesumpft, doch gab es keine Handykameras und nichts kam raus. Heute bist du Markenbotschafter deines Vereins, der Sponsoren. Fußballprofi zu sein, heißt 24 Stunden am Tag präsent zu sein, erst recht, wenn du Nationalspieler bist“, sagte der HSV-Torwart.

Über Carsten Ruge

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