Historie

Als Köln Bayern-Status besaß

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München – Einst war der 1. FC Köln das Team, was es in der nationalen Liga zu schlagen galt. Dank ihres Präsidenten Kremer waren die Geißböcke Vorbild für die Konkurrenz.

Status der Unbesiegbaren

Nach nur wenigen Spieltagen in dieser Saison hieß es bereits: Der FC Bayern München holt sich den nächsten Meister-Titel. Auch wenn es nun etwas spannender in der Bundesliga geworden ist – diesen Status, quasi zum Start der Saison als relativ sicherer Meister festzustehen, besaß einst ein anderer Klub: der 1. FC Köln.

Köln beherrscht zu Beginn der 1960er Jahre den deutschen Fußball

Die Kölner waren zu Beginn der 1960er Jahre das prägende Team im deutschen Fußball. Zwischen 1960 und 1963 erreichten die Rheinländer drei der vier Endspiele um die Deutsche Meisterschaft – und 1962 sprang mit einem 4:0-Triumph über den 1. FC Nürnberg der 1. Titel für den FC heraus.

FC startet als Top-Favorit in 1. Bundesliga-Saison

Zum Start der 1. Bundesliga-Saison 1963/64 war es für Beobachter und Verantwortliche demnach klar, dass bei der Vergabe des Meistertitels kein Weg am 1. FC Köln vorbeiführen würde.

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„Den Status, den wir damals hatten, kann man heute nur mit dem von Bayern München vergleichen“, sagte Wolfgang Overath vor wenigen Jahren in einer Video-Dokumentation der Deutschen Fußball Liga (DFL). Die FC-Ikone betonte: „Wir waren den anderen Teams in allen Bereichen weit voraus.“

 Overath als Shooting-Star im Kölner Mittelfeld

Overath, späterer Weltmeister von 1974 und FC-Präsident von 2004 bis 2011, war damals mit seinen 19 Jahren der Shooting-Star im Mittelfeld und absolvierte alle 30 Ligaspiele für die Geißböcke. Neben Overath ragten besonders Top-Star Hans Schäfer, Weltmeister von 1954 und Kapitän des Teams, sowie Hans Sturm und das Angreifer-Duo Karl-Heinz Thielen und Christian Müller heraus.

Köln erzielt 1963/64 mehr Tore pro Spiel als die Meister-Bayern von 2015

Diese fünf Spieler erzielten zusammen 65 (83 Prozent) der 78 Saison-Tore für das Team von FC-Trainer Georg Knöpfle. Umgerechnet brachten es die Kölner auf 2,6 Treffer pro Partie – ein höherer Wert als beispielsweise der des FC Bayern in der Meister-Saison 2014/15 (2,4 Tore pro Partie). Abgesehen vom 4. Spieltag, führte Köln stets die Tabelle an – und machte drei Spieltage vor Saison-Ende mit einem 5:2-Heimsieg über Borussia Dortmund die Meisterschaft perfekt.

Der FC dient in der Premieren-Saison als Vorbild für die Liga

Ob modernes Trainingsgelände, schicke Ausrüstung (Trikot-Ausstatter: Dior) oder der top besetzte Kader: Köln hängte seine 15 Liga-Konkurrenten in allen Bereichen deutlich ab. In Anlehnung an den großen Vorzeige-Klub Real Madrid wurde der FC auch als „Weißes Ballett“ bezeichnet. Seinen Vorsprung gegenüber der nationalen Konkurrenz verdankte der Klub vor allem einem Mann: Franz Kremer, Präsident des Vereins seit der Gründung 1948.

FC-Präsident Kremer gilt als Vater des Erfolgs

Experten bezeichnen ihn – im positiven Sinne – als Uli Hoeneß der 1960er Jahre. Kremer war Unternehmer, Vordenker und Antreiber zugleich. Er hatte sich stark dafür engagiert, in Deutschland eine Profi-Liga zu gründen – und bereitete dem FC zur Premiere die mit Abstand professionellsten Bedingungen.

Dass der 1. FC Köln seinen „Bayern-Status“ Ende der 1960er Jahre nicht mehr aufrechterhalten konnte, hatte wohl mehrere Gründe: „Leitwolf“ Hans Schäfer verletzte sich bald schwer und ging im Sommer 1965 in die Fußballer-Rente, Präsident Kremer starb im November 1967 im Alter von nur 62 Jahren und für die Liga-Konkurrenten war es im noch jungen Wettbewerb einfacher als heute, den Abstand zum Branchen-Primus wettzumachen.

Über Daniel Michel

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