Als Samp die Großen ärgerte

München – Sampdoria Genua holte sich 1991 den Scudetto – zur Überraschung der großen Teams aus Mailand, Rom und Turin. Ein Treueschwur sollte seine Wirkung zeigen.

Genua-Star Roberto Mancini (r.) gewann vor der Meister-Saison bereits den Europapokal der Pokalsieger gegen den RSC Anderlecht. Foto: Ben Radford / Allsport / Getty Images
Roberto Mancini (r.) gewann mit Sampdoria Genua vor der Meister-Saison bereits den Europapokal der Pokalsieger gegen den RSC Anderlecht.  Foto: Ben Radford / Allsport / Getty Images

Schwere Zeiten für große Klubs nach der WM

Bereits die Saison 1986/1987 der italienischen Serie A zeigte, dass Spielzeiten nach Weltmeisterschaften oft ihre eigenen Gesetze haben. So eroberte der SSC Neapel um Superstar Diego Maradona damals seinen ersten „Scudetto“. Und auch die erste Saison nach der Weltmeisterschaft 1990 in Italien sollte einige Überraschungen beinhalten. Zum letzten Mal wurde ein Meister gekürt, der nicht aus Mailand, Rom oder Turin stammt: nämlich Sampdoria Genua.

Mantovani und Boskov gelten als Väter des Erfolgs

Die Mannschaft aus der ligurischen Hauptstadt hatte gleich zwei Väter des Erfolgs: den Vereinspräsidenten und Unternehmer Paolo Mantovani und Vujadin Boskov, der serbische Erfolgstrainer. Mantovani, der 1979 das Amt des Präsidenten übernham, holte Boskov 1986 nach Genua – und zusammen baute das Duo die spätere Meistermannschaft auf. Der Präsident war allseits beliebt und ein Verfechter des Fair Play, er pflegte ein besonders nahes Verhältnis zu den Fans und der Mannschaft und stellte sich oft schützend vor diese.

Der Coach brilliert mit spitzer Zunge

Vujadin Boskov glänzte zum Vergnügen der Journalisten öfters mit seinen ironischen Kommentaren, zum Beispiel meinte er über den Uruguayer Perdomo des Lokalrivalen CFC Genua: „Sie haben eineinhalb Milliarden Lire für ihn bezahlt, aber wenn ich meinen Hund von der Leine lasse, dann spielt der besser als er!“ Über die Jahre holten die beiden viele italienische Talente zur „Samp“ und formten sie zu großen Spielern. Im Tor stand 1990/1991 der langjährige Nationaltorhüter Gianluca Pagliuca, davor verteidigte der eiserne Manndecker Pietro Vierchovod, den Diego Maradona bereits aufgrund seiner harten Spielweise „den unglaublichen Hulk“ getauft hatte. Im Mittelfeld sicherte Toninho Cerezo die Abwehr ab. Der brasilianische Altstar bildete noch in den achtziger Jahren mit Zico, Sócrates und Falcão eines der besten Mittelfelde aller Zeiten.

Mancini und Vialli bilden kongeniales Sturm-Duo

Der unermüdliche Flügelflitzer Attilio Lombardo war ein absoluter Publikumsliebling und legte so manches Tor dem kongenialen Sturmduo auf. Dieses bestand aus Roberto Mancini, dem heutigen Inter Mailand-Trainer, und Gianluca Vialli. Mancini als kreativer Part und Vialli als Torjäger harmonierten auf und abseits des Platzes perfekt. Vor allem Vialli wollte nach einer für ihn so enttäuschend verlaufenen Heim-WM – er wurde vom späteren Torschützenkönig Salvatore Schillaci aus der Stammelf verdrängt – wieder auftrumpfen. Eine Besonderheit der Mannschaft war, dass die besten Spieler Jahre davor einen Pakt geschlossen hatten. Bevor sie nicht gemeinsam den „Scudetto“ eroberten, sollte keiner Sampdoria Genua verlassen und zu einem Top-Klub wechseln.

Torwart Gianluca Pagliuca zählte zu den tragenden Säulen des Erfolgs von Sampdoria Genua. Foto: Ben Radford / Allsport
Gianluca Pagliuca zählte zu den tragenden Säulen des Erfolgs von Sampdoria.       Foto: Ben Radford / Allsport/ Getty Images

Pagliuca hält Strafstoß gegen Matthäus

Diese Entschlossenheit, sowie Mantovanis und Boskovs Talent, die Mannschaft zu einer homogenen Gemeinschaft zu formen, führte dazu, dass die „Blucerchiati“ (die „Blauumrandeten“) sich mit dem AC Mailand und Inter Mailand einen spannenden Dreikampf um die Meisterschaft lieferten. Sampdoria Genua besiegte im April und Mai 1991 innerhalb von drei Wochen Milan und Inter jeweils mit 2:0 und legte so den Grundstock zum Gewinn der Meisterschaft. In beiden Spielen erzielte Gianluca Vialli ein Tor und wurde mit 19 Treffern Torschützenkönig der Spielzeit. Auch Tormann Pagliuca wurde zum Helden, in dem er im Spiel gegen Inter einen von Lothar Matthäus getretenen Elfmeter parierte.

Sampdoria Genua errang mit einem Heimsieg am vorletzten Spieltag gegen US Lecce den „Scudetto“, was vor der Saison kaum ein Experte für möglich gehalten hätte.

fussball.news ist Partner von Mein Sportradio

Diskutiere mit