Ancelotti: „Deutsch ist nicht einfach“

München – Trainer Carlo Ancelotti hat sich zum ersten Mal nach der Bekanntgabe seines Wechsels nach München in einem Interview geäußert. Bei der italienischen Ausgabe von goal.com sprach er über Deutschstunden, Taktik und modernen Fußball.

MADRID, SPAIN - MAY 12: Head coach Carlo Ancelotti of Real Madrid holds a press conference after the team training session ahead of the UEFA Champions League Semi Final, Second Leg against Juventus at Valdebebas training ground on May 12, 2015 in Madrid, Spain. (Photo by Denis Doyle/Getty Images)
Carlo Ancelotti gewann mit dem AC Mailand und Real Madrid die Champions League. Foto: Denis Doyle / Getty Images

Ancelotti: „Habe als Trainer Glück gehabt“

„Ich habe als Trainer das Glück gehabt, von meiner ersten Station bei Reggiana an immer bei Klubs zu arbeiten, die viel Vertrauen in mich hatten. Ich hatte viel Glück in meiner Karriere, in der ich große Erfolge hatte, die mir auch weitergeholfen haben“, erklärte Ancelotti seinen Karriereweg.

Für ihn habe sich immer eine neue Chance zum richtigen Zeitpunkt aufgetan: „Zu Beginn war ich bei Reggiana, dann mit Parma in der Serie A und dann ging es bei Juventus und Milan weiter. Und auch als ich mich entschlossen habe, ins Ausland zu gehen, hatte ich dort immer die Möglichkeit, große Teams zu trainieren.“

Italienische Taktikschule ist die Nummer eins

Die italienische Taktikschule hält er für deutlich besser als in den Nachbarländern, denn: „Sie bringt einem viele Sachen bei. Außerdem vermittelt die italienische Liga Dinge, die man in keiner anderen Liga lernen kann. Es gibt dort im Vergleich zu anderen Ländern viele verschiedene taktische Feinheiten, die einen weiterbringen. In Italien gibt es viel mehr Spielsysteme als in anderen Ländern, in denen ein bestimmtes System immer das vorherrschende ist. Das sorgt dafür, dass man viel besser zuschauen und nachdenken muss und auf diese Weise jede Menge Erfahrung sammelt“, führte Ancelotti aus.

Begeistert zeigte er sich von der Entwicklung des deutschen Fußballs und der Stimmung in den Stadien: „Deutschland hat in den letzten Jahren ab 2006 viel in den Fußball investiert. Sie haben die Stadien neu gebaut und sind auf europäischer Ebene wieder top geworden. Ich freue mich besonders auf die Atmosphäre in den Stadien, denn es scheint so zu sein, dass die vollen Stadien für eine ganz besondere Stimmung sorgen. Das fasziniert mich am meisten.“

Ancelotti: „Fußball ist derselbe geblieben“

Ancelotti betonte, er habe sich die Jahre charakterlich kaum verändert. Der Fußball sei immer derselbe geblieben, einzig die Methoden hätten sich geändert. „Das ist allerdings die natürliche Entwicklung des Sports, der sich immer verändert. Bei der zwischenmenschlichen Beziehung zu den Spielern hat sich mein Ansatz nicht verändert“, sagte Ancelotti.

Angesprochen auf die Entlassung von Star-Trainer Jose Mourinho beim FC Chelsea machte Ancelotti eine entscheidende Ursache für den Misserfolg in der aktuellen Spielzeit aus: „Mourinho hat für die fehlende Motivation der Spieler zahlen müssen.“

Seine Philosophie: kein Zwang

Ancelotti betonte darüber hinaus, dass es ihm besonders wichtig sei, eine gute Trainer-Spieler-Beziehung herzustellen. Über diese Schiene könne er den Spielern dann seine Ideen vermitteln, den Spielern ein System aufzwingen, davon halte er wenig.

 

Er freue sich nun, so Ancelotti, auf die Kultur in Deutschland und auf seine neue Aufgabe bei Bayern München. Er fühle sich gut vorbereitet. „Die Sache, die mir in den ganzen Jahren am meisten gebracht hat, war, dass ich verschiedene Kulturen erlebt, verschiedene Bräuche und Gewohnheiten kennengelernt habe. Das wird in Deutschland genauso und bestimmt sehr interessant sein.“ Ancelotti räumte allerdings ein, dass es noch ein Problem gebe: „Und die Deutschstunden? Ich habe schon damit angefangen – und ich kann bestätigen, dass es nicht einfach ist!“

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