Interview am Morgen

Andersen: „Das Aus in Mainz hat mir wehgetan“

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München – Den größten Erfolg als Trainer konnte Jörn Andersen nicht wirklich lange genießen. Kaum war der Norweger 2009 mit Mainz 05 in die Bundesliga aufgestiegen, war er auch schon wieder weg. Eine Woche vor dem Start der Spielzeit 2009/2010 wurde er überraschend entlassen.

fussball.news: Wie schlimm wird es für Mainz 05 ohne Heidel?

Andersen: Mainz ist ein bodenständiger Verein und der Klub besteht nicht nur aus Christian Heidel. Da arbeiten fleißige und fähige Leute im Hintergrund, die etwas Gutes mit aufgebaut haben. Ich glaube nicht, dass der Verein zusammenbricht, nur weil Heidel nicht mehr da ist. Man hat wohl schon mit Rouven Schröder (Teammanager Werder Bremen, d. Red.) einen Nachfolger gefunden und der Klub wird weiter auf diesem hohen Niveau spielen. Man muss den Hut vor den Leuten in Mainz ziehen, dass sie es geschafft haben, den Klub über Jahre so konstant in der Bundesliga zu etablieren.

fussball.news: Auch hier die Frage, wo war als Trainer Ihre schönste Zeit?

Andersen: In Mainz hatte ich den größten Erfolg. Ob es die schönste Zeit war, lasse ich mal dahin gestellt. Was mir sehr gut gefallen hat, war das eine Jahr als Co-Trainer von Horst Köppel in Mönchengladbach. Wir hatten sehr gut zusammen gearbeitet mit der besten Platzierung seit rund zehn Jahren.

Doch auch bei der Borussia gab es unglückliche Umstände. Weil Jupp Heynckes zurückkommen sollte, wurden wir plötzlich entlassen. Aber nicht aufgrund von Misserfolgen, sondern wegen der Rückkehr von Heynckes. Das war natürlich nicht schön, weil es mir großen Spaß gemacht hatte in diesem Verein zu arbeiten. Auch in den anderen Klubs war es spannend. Jede Station ist anders und man wird immer vor neue Herausforderungen gestellt.


Stationen und Erfolge von Jörn Andersen als Spieler in der Bundesliga

  • Im Winter 1985/1986 Wechsel zum 1. FC Nürnberg in die Bundesliga
  • Qualifikation für den UEFA-Cup 1988
  • 1988 Wechsel zu Eintracht Frankfurt, rettete Frankfurt in der Relagtion mit einem Treffer vor dem Abstieg
  • 1990 wird Andersen Torschützenkönig und 3. mit Frankfurt in der Tabelle
  • Nach kurzem Intermezzo bei Fortuna Düsseldorf Rückkehr nach Frankfurt (September 1991 – 1994)
  • 1992 verpasst er mit Frankfurt nach einer großartigen Saison am letzten Spieltag knapp den Meistertitel
  • In der Winterpuase 1993/94 Wechsel zum Hamburger SV
  • Ein Jahr darauf ging es noch zu Dynamo Dresden, im Sommer 1995 Wechsel in die Schweiz

fussball.news: So auch in Oberhausen und Offenbach?

Andersen: Absolut. Im ersten Jahr hatte ich großen Erfolg in Oberhausen. Da hat es mir auch sehr gut gefallen. Mit dem OFC sind wir sehr unglücklich am letzten Spieltag in die 3. Liga abgestiegen. Wegen der schlechteren Tordifferenz. Das war tragisch.

fussball.news: Dennoch die Frage: Warum war es in Deutschland für Sie in den vergangenen Jahren als Trainer so schwer?

Andersen: Nach Mainz habe ich gespürt, dass es länger dauerte, bis ein neuer Verein auf mich zukam. Der kam dann mit dem KSC. Ich wollte unbedingt wieder als Trainer arbeiten und habe in Karlsruhe unterschrieben. Doch es war leider keine schöne Zeit, es lief nicht positiv.

Nach meiner Entlassung wurde es am Trainermarkt noch schwieriger für mich, doch ich verfolge den deutschen Fußball nach wie vor und würde sehr gerne wieder in Deutschland arbeiten. Ich bin bereit für einen neuen Klub. Ich könnte mir auch vorstellen als Sportdirektor zu arbeiten, habe auch nichts dagegen wieder als Co-Trainer tätig zu sein. Am liebsten möchte ich natürlich wieder als Cheftrainer arbeiten, gerne auch im Ausland.

fussball.news: Sie waren auch Spieler beim Hamburger SV. Wie beurteilen Sie die vergangenen Jahre bei den Rothosen?

Andersen: Die Leute beim HSV versuchen seit Jahren einen guten Job zu machen und immer wieder eine neue Mannschaft aufzubauen. In den letzten Jahren hat das nicht so gut funktioniert, fast wäre der Klub in der letzten Saison abgestiegen, aber mit Bruno Labbadia als Trainer läuft es wieder besser. Es freut mich sehr, dass der HSV wieder in ruhigeres Fahrwasser gekommen ist und nicht mehr nur mit Abstiegsangst leben muss. Der Verein gehört einfach in die Bundesliga.


So viele Tore schoss Jörn Andersen in Pflichtspielen für seine Bundesliga-Klubs: (Quelle: transfermarkt.de)

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fussball.news: Sie waren früher ein klasse Mittelstürmer. Stirbt diese Art Stürmer aus?

Andersen: Es gibt heute auch die Art Stürmer, wie ich einer war. Robert Lewandowski und Edin Dzeko, um nur zwei zu nennen, haben eine extrem hohe Qualität. Damals gab es mit mir noch einen Stefan Kuntz oder einen Roland Wohlfarth. Heute wird ein anderer Fußball gespielt, aber ich glaube nicht, dass der klassische Mittelstürmer ausstirbt. Es gibt nach wie vor genug Vereine, in denen Stürmertypen wie Zlatan Ibrahimovic oder Luis Suarez benötigt werden. Es gibt auch Mannschaften, die nicht so abhängig sind von einem Stürmer, wie ich früher einer war.

fussball.news: Letzte Frage: Was werden Sie anders machen, wenn Sie wieder einen neuen Trainerjob haben sollten?

Andersen: Man lernt bei jeder Entlassung dazu, ganz klar, aber man kann die Situationen nicht miteinander vergleichen. Sicherlich bekommst du mehr Erfahrung mit jedem Job, aber ich nehme bei jeder neuen Station trotz mancher negativer Momente das Positive mit. Mein Ziel ist es immer, alles zu geben, damit der Verein Erfolg hat. Das geht nicht immer, aber ich versuche es zumindest.

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