Champions League

Analyse: Keine Angst vor PSG!

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Paris Saint-Germain wird nicht nur von der Vereinsführung von Bayern München als Top-Favorit auf den Gewinn der Champions League gehandelt. Doch ein genauerer Blick auf Frankreichs Top-Klub sollte eher den Machern in Paris zu denken geben.

Seit Jahren versucht Klub-Präsident und Mäzen Nasser Ghanim Al-Khelaifi Paris Saint-Germain nicht nur für die Ligue 1, sondern auch für die Champions League zum Titel-Anwärter zu formen. In der Ligue 1 hat dies nahezu perfekt geklappt, nach Anlaufschwierigkeiten gab es zwischen 2013 und 2016 vier Meistertitel in Folge. Nur 2017 lag der AS Monaco vor den Hauptstädtern. In der Champions League gab es dagegen in der K.o.-Runde wenig zu feiern für PSG. In der Regel war nicht mehr als das Viertelfinale möglich. Nun hat Paris diesen Sommer nachgelegt. Stürmer Neymar kam für die Rekord-Summe von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu PSG. Allein dieser Coup hat viele Beobachter und Fans zur Schlussfolgerung kommen lassen, dass PSG ein Favorit auf den Gewinn der Champions League sei. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge wiederholt zudem gerne: „Paris muss die Champions League gewinnen.“

PSG auf Torwart-Position schwach besetzt

Doch zahlreiche Fakten zu PSG mit anderen Top-Klubs abgeglichen und die Zusammenstellung des Kaders analysiert, dürfte es für PSG schwer werden, das Finale der Königsklasse zu erreichen. Im Grunde beginnt das Problem auf der Torwart-Position: Paris hat seit Jahren keinen Torhüter, der Weltklasse-Format besitzt. Kevin Trapp ist weder in der deutschen Nationalmannschaft gesetzt, noch ist der Ex-Frankfurter die vergangenen drei Jahre unumstrittener Stammtorwart in Paris gewesen. Zu hoch ist einfach seine Fehlerquote. Derzeit hat auch wieder Klub-Talent Alphonse Areola im Duell um die Nummer eins die Nase vorne. Doch auch der 24-Jährige ist immer wieder für kleine Aussetzer gut. Erstaunlich, dass ein Top-Klub wie Paris sich auf dieser Position im Sommer nicht verbessern konnte. So droht spätestens in der K.o.-Runde wieder ein GAU, wie zuletzt im Frühjahr beim 1:6 gegen Barcelona.

Defensive ist instabil

Vorne trifft PSG meistens, doch die Defensive genügte bislang international hohen Ansprüchen nicht. Seit 2012/13 hat Paris in der K.o-Phase der Champions League nur ein Mal zu Null gespielt (4:0 gegen Leverkusen)! Zudem muss Paris nun auf den Außenpositionen einen Neuanfang wagen. Linksverteidiger Maxwell beendete seine Karriere, dafür holte Trainer Unai Emery den 27-Jährigen Ergänzungsspieler Yuri Berchiche aus Sociedad. Für die rechte Außenbahn wurde Dani Alves von Juventus Turin verpflichtet. Während Berchiche seine internationale Klasse noch nachweisen und sich gegen Team-Konkurrent Layvin Kurzawa erst durchsetzen muss, gilt Ex-Barca-Star Alves als Routinier, der aber zuletzt im Champions-League-Finale gegen Real Madrid mit dem kompletten Turiner Team überrollt wurde (1:4).

Grüppchenbildung im Team?

Im Mittelfeld (Verratti, Motta, Rabiot) stellt Paris sicherlich internationale Klasse – und der Sturm liegt mit dem Trio Edinson Cavani, Neymar und Kylian Mbappe auf Augenhöhe mit dem Vorbild-Sturm von Real Madrid (Ronaldo, Benzema, Bale). Doch im Fußball resultieren große Titelgewinne sehr oft auch durch eine gute, harmonische Stimmung im Team. Davon konnte bei Paris zuletzt keine Rede sein. Dabei geht es nicht nur um den nun beigelegten Elfmeter-Streit in der Ligue 1 zwischen Cavani und Neymar, es geht um Grüppchenbildung in der Mannschaft, die über die Jahre noch kein Trainer komplett ausmerzen konnte. Derzeit soll es eine Brasilien-Fraktion geben (sechs Profis), die von Kapitän Thiago Silva und Superstar Neymar angeführt wird. Einst soll Ex-Star Zlatan Ibrahimovic das Team in Freund und Feind unterteilt haben. Auch wenn mancher Streit womöglich eine Medienente ist, fällt auf, dass Paris regelmäßig in entscheidenden Momenten in der Champions League Effizienz in der Offensive und Stabilität in der Defensive gefehlt haben. Die Balance zwischen Angriff und Abwehr, die individuelle Qualität und die Erfahung auf internationalem Top-Niveau reichten bislang nicht aus, um etwa in der letzten Saison ein alterndes FC Barcelona mit einem Vorsprung von 4:0 aus dem Hinspiel aus dem Wettbewerb zu werfen.

Über Daniel Michel

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