Statistikfreak

Auf der Suche nach Stadt-Derbys…

am

München – FC Bayern gegen 1860 München, Hamburg gegen St. Pauli oder der 1. FC Köln gegen die Fortuna – es gab mal brisante Stadt-Derbys in der Bundesliga. Doch nun sind die echten Derbys nur noch bei unseren europäischen Nachbarn zu sehen.

Inflationärer Gebrauch der Bezeichnung Derby

Ob Nord-Süd-Derby (FC Bayern gegen Hamburger SV) oder Süd-Derby (VfB Stuttgart gegen FC Bayern) – zahlreiche Bundesliga-Partien werden wie selbstverständlich zu Derbys erchoren. So brisant oder traditionsreich einige dieser Duelle sein mögen, die räumliche Distanz ist doch erheblich und der Bezeichnung „Derby“ wohl kaum würdig. Gewiss, das Ruhrpott-Derby Dortmund gegen Schalke oder das Niederrhein-Derby Gladbach gegen Köln haben die Auszeichnung verdient. Doch im Idealfall duellieren sich in einem Derby zwei Teams aus derselben Stadt. Echte Derbys in der Bundesliga sind jedoch Mangelware.

In sechs Städten gab es je zwei Bundesliga-Klubs zugleich

Nun gut, es gab mal ein paar von ihnen. In sechs Städten spielten schon mal je zwei Teams zeitgleich in der Bundesliga. In Köln duellierten sich die Fortuna und der 1. FC Köln in der Saison 1973/74. In Bochum traf der VfL drei Spielzeiten in Folge (1990/91 – 1992/93) auf Wattenscheid 09, in Berlin spielten Hertha und Tennis Borussia in zwei Saisons gegeneinander (1974/75 und 1976/77). HSV gegen St. Pauli lautete in acht Saisons das Derby in Hamburg, in Stuttgart knallte es zwischen dem VfB und den Kickers zwei Saisons lang (1988/89 und 1991/92).

Seit vier Jahren bietet die Bundesliga kein Stadt-Derby mehr

Dann wäre da noch der Spezialfall München, wo neben 1860 München und dem FC Bayern (insgesamt 18 Saisons zeitgleich im Oberhaus) um die Jahrtausendwende auch der Vorstadtklub Spielvereinigung Unterhaching dem Oberhaus angehörte (zwei Saisons 1999/00 und 2000/01). Seit dem Abstieg des FC St. Pauli 2011 hat die Bundesliga allerdings kein Stadt-Derby mehr geboten – im Vergleich der zehn Top-Ligen Europas der Tiefstwert.

Grafik: Anzahl Städte in Europas Top-Ligen mit je mindestens einem Derby

[chart id=“1″]

Grafik: fussball.news

Deutschland stellt eine Ausnahme in Europas Top-Ligen

Überhaupt: In den zehn Top-Ligen, sortiert nach dem UEFA-Ranking, gibt es neben der Bundesliga derzeit einzig in Frankreich kein Stadt-Derby, aber immerhin ein Insel-Derby zwischen den korsischen Klubs SC Bastia und GFC Ajaccio. Im Stadt-Derby-Vergleich top aufgestellt ist die englische Premier League. Gleich fünf Klubs stammen aus der Hauptstadt London (Arsenal, Chelsea, Tottenham, West Ham und Crystal Palace). Hinzu kommen die Derby-Kracher in Liverpool (FC Liverpool gegen FC Everton) und Manchester (ManU gegen ManCity).

Italien verzeichnet die meisten Städte mit Derbys

Eine Fülle an Stadt-Derbys bietet auch die italienische Serie A. In den Hochburgen Rom, Mailand und Turin gibt es je zwei Klubs, die im Oberhaus spielen. In Genua duellieren sich der CFC und Sampdoria, in Verona spielen Hellas und Chievo gegeneinander. Ebenso haben in Spaniens Primera Division Stadt-Derbys Konjunktur. Real Madrid und Atletico kämpfen um die Tabellenspitze, in Barcelona gibt es das ungleiche Duell zwischen Espanyol und Champions-League-Sieger FC Barcelona. Viel Brisanz steckt im Duell zwischen dem FC Sevilla und Betis – und in Valencia stehen sich der FC Valencia und UD Levante gegenüber.

Trauriges Derby in der Ukraine

Auch die portugiesische Liga ist mit Stadt-Derbys gut bestückt (vor allem Lissabon und Porto), ebenso die russische Premier Liga (u.a. Moskau und Krasnodar). In Belgien und den Niederlanden ist durch Abstiege und Fusionen von Klubs jeweils nur ein Stadt-Derby im Oberhaus übriggeblieben: FC Brügge gegen RSC Anderlecht sowie Feyenoord Rotterdam gegen Excelsior Rotterdam. Etwas komplizierter verhält es sich mit dem Stadt-Derby in der Ukraine. Schachtjor und Olimpik Donezk. tragen ihr Duell durch die politisch angespannte Lage in der Hauptstadt Kiew aus. Zuletzt kamen im September 2015 beim dramatischen Last-Minute-Erfolg (3:2) von Schachtjor deshalb nur rund 1.000 Zuschauer ins Stadion.

[dppv_emotions]

Über Daniel Michel