Bundesliga

Aufreger oder Langweiler? Enthüllungsgeschichten von Football Leaks

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München – Derzeit gibt es einen Hype um die Enthüllungsplattform Football Leaks. Das Schema ähnelt sich jedoch bei fast jeder Meldung.

Football Leaks verrät viele Details aus Verträgen

Ein europäisches Journalisten-Netzwerk nutzt die Daten von Football Leaks und macht daraus täglich skandalträchtige Geschichten. In Deutschland dafür zuständig ist das Spiegel-Magazin. Aufbau und Inhalt der Meldungen sind im Grunde meist identisch. Es werden irre Vertragsdetails mit hohen Geldsummen, Steuertricks und geheime Klauseln verraten. Der Trainer, Spieler, Berater oder Verein wird moralisch diskreditiert – in der Regel, weil ein Trick angewendet wurde, damit der jeweilige Staat weniger Steuern erhält, für den Spieler und seine Entourage aber mehr von den Einnahmen übrig bleibt. In bisher keinem der veröffentlichten Fälle konnte aber definitv ein Verbrechen oder ein großer Gesetzesbruch nachgewiesen werden.

Es geht um Moral

In der Regel geht es bei den Meldungen um einen moralischen Aspekt: Dass ohnehin schon besonders reiche Menschen ihr Vermögen noch mehr anhäufen, dafür auch mal Geld ins billigere Ausland verschieben unter Zuhilfenahme von in der Regel legalen Steuertricks. Die Argumentation der Journalisten: Die Stars bereichern sich und entziehen gleichzeitig dem Staat Gelder, die er etwa zur Bekämpfung der Armut aufwenden könnte. Der Spiegel ging sogar soweit, dass er anregte, Cristiano Ronaldo aus moralischen Gründen nicht zum Weltfußballer wählen zu lassen.

Was ist neu?

Dass Promis, Fußball-Stars und Vereine vieles dafür tun, um noch reicher zu werden, ist wohl keine Neuigkeit. Wer den Fußball moralisch für intakt hält, blendet sich selbst. Und wer genauer hinsieht, kann für fast jeden Spieler und Verein eine moralische Verfehlung finden. Bislang gibt es auch keine offenkundigen Verbrechen, die Football Leaks neu aufgedeckt hat. Es geht bislang eher um Sensationsgier – und um eine wohl offensichtliche Taktik: Den Fußball an sich zu diskreditieren.

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Verfahren in Spanien

Man kann das Handeln von Football Leaks und einem Teil der Journalisten jedoch auch anders sehen. Die Zeitungen und Magazine, die sich an Football Leaks beteiligen, fördern eine zweifelhafte Methode. Denn in Spanien gilt es als gesichert, dass ein Großteil der Daten einem Ex-Funktionär von Real Madrid gestohlen wurden, weshalb wohl sehr oft auch Spieler von Real Madrid in Dokumenten von Football Leaks vorkommen. Football Leaks lässt diese Legende offenbar ins Reich der Fabeln zurückweisen. In Spanien gibt es aber bereits das Vorhaben der Justiz, dass Artikel in Zusammenhang mit Enthüllungen von Football Leaks vorerst verboten werden.

So oder so: Der Erkenntniswert von Football Leaks hält sich bislang in Grenzen. Es hat etwas mehr von Anschwärzen ohne Beweise.

Über Daniel Michel

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