Interview am Morgen

Basler: „Ich bereue nichts“

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München – Mario Basler war schon immer ein Typ, der polarisiert hat. Ob als junger Fußball-Profi, später als Leistungsträger und Nationalspieler oder nach seiner aktiven Laufbahn als Trainer. Ähnlich wie Stefan Effenberg nahm auch Basler nie ein Blatt vor den Mund. Der Pfälzer spielte in Deutschland für den 1. FC Kaiserslautern, Rot-Weiß Essen, Hertha BSC, Werder Bremen und Bayern München. Im Emirat Katar in Ar-Rayyan beendete er 2004 seine aktive Karriere nach nur einer Saison beim Al-Rayyan Sport-Club. Nach seiner Profi-Laufbahn war Basler Trainer bei Jahn Regensburg, Eintracht Trier, Wacker Burghausen und Rot-Weiß Oberhausen. Bei der TUS Koblenz war er Assistent von Uwe Rapolder. Seit Januar 2015 ist der 47-Jährige „Geschäftsführer Sport“ bei Oberligist 1. FC Lokomotive Leipzig. Im „Interview am Morgen“ mit fussball.news spricht Basler so offen wie selten zuvor über seine Karriere und das Profi-Leben – früher und heute.

fussball.news: Negativer Höhepunkt Ihrer Karriere war sicher die Pizza-Affäre 1999, die zu Ihrer Suspendierung beim FC Bayern führte. Oder?

Basler: Außergewöhnlich ist die Pizza-Affäre mit Sven Scheuer (früherer Bayern-Torwart, Anm. der Red.)  allemal, die leider zu meinem Aus bei Bayern führte. Ich kann auch heute noch mit gutem Gewissen sagen, dass ich damals nichts getan habe, ich wurde zu Unrecht vom Verein suspendiert. Da gibt es Zeugen dafür, dass ich unschuldig war. Ich weiß, was wirklich passierte.

fussball.news: Was denn?

Basler: Viele wissen, dass es nicht so war. Ich weiß zudem, dass viele in der Sache auch falsche Entscheidungen getroffen haben. Das wurde mir im Nachhinein gesagt. Der Sven Scheuer hat dem jungen Mann von der Pizzeria im wahrsten Sinne des Wortes eine gescheuert (lacht) und ich wäre gegen diesen Typ vor Gericht gegangen, doch Sven und ich waren bei der gleichen Beratergesellschaft und wir hatten den gleichen Anwalt. Das große Problem aber war, dass Sven zu diesem Zeitpunkt vorbestraft war, deswegen konnte ich nicht vor Gericht gehen, weil ich Sven schützen wollte. Ich musste schließlich 8.500 DM bezahlen für das, dass ich nichts getan habe. Hinzu kam noch die Suspendierung. Klar war, dass ich mit einer 50.000 DM-Geldstrafe hätte verhindern können, dass ich bei Bayern rausfliege, aber gradlinig, wie ich immer war, habe ich das nicht akzeptiert. Ich hätte es mir einfach machen können. Man hat mich aber wohl auch deshalb suspendiert, weil ich zuvor meinen großen Vertrag nicht verlängern wollte, den man mir angeboten hatte.

fussball.news: Eine der außergewöhnlichsten Geschichten Ihrer Karriere war die Szene, als Sie sich als Spieler des 1. FC Kaiserslautern bei einem Eckball einen Pepita-Hut aufsetzten, den sie kurzerhand einem Rollstuhlfahrer entwendet hatten. Müssen Sie da heute auch noch schmunzeln?

Basler: Auf jeden Fall. Mit Sicherheit war das die Geschichte, die für mich bezeichnend war. Ich habe in diesem Moment einfach so reagiert, wie ich einfach bin. Ich war immer ein spontaner Mensch und hätte den Eckball auch mit dem Hut geschossen, nur der Linienrichter hatte es mir verboten, weil ich bereits eine Gelbe Karte hatte. Hätte ich keine gehabt, dann hätte ich ihn wahrscheinlich geschossen. Dann aber wäre  wohl Gelb-Rot die Konsequenz gewesen und das konnte ich nicht riskieren. Es war Basler live und das hat immer für mich gesprochen. Das wissen auch die Menschen, die mich kennen. Mit mir kann man Pferde stehlen. Wenn mich aber Jemand belügt oder versucht Spielchen mit mir zu spielen, dann kann ich auch anders. Ich nehme letztendlich aber viele Dinge einfach nicht so ernst, weil es viel größere Probleme auf dieser Welt gibt.

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Anmerkung der Redaktion: fussball.news veröffentlicht von Montag bis Donnerstag jeweils um 6 Uhr das „Interview am Morgen“. Zu den Gesprächspartnern zählen aktuelle Bundesliga-Spieler ebenso wie ehemalige Spieler-Legenden oder Funktionäre und Experten. Bei Bedarf wird das in der Regel exklusive Gespräch in einen Fließtext mit exklusiven Zitaten umgewandelt.

Das nächste „Interview am Morgen“ folgt nach den Weihnachtsferien und zum Start der Vorbereitung auf die Rückrunde am 4.1.2016.

Über Reinhard Franke

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