Champions League

Bayern gegen Besiktas 1997: Als in München wieder der Rassismus grassierte

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Bayern München trifft in der Champions League auf Besiktas Istanbul. Vor zwanzig Jahren gab es das Duell schon ein Mal. Es war damals für ganz Deutschland ein Duell der Schande.

Sport soll eigentlich Menschen verbinden. Das Duell Bayern gegen Besiktas tat vor zwanzig Jahren das Gegenteil. Es säte Hass und zeigte, dass es in der einstigen Nazi-Hochburg München noch immer viele rechtsradikal denkende Menschen gab. Zwar wurde der FC Bayern einst von Juden geführt, die selbst unter dem Nazi-Regime litten, einem Teil der Bayern-Fans war aber Ende der 1990er Jahre diese historische Verantwortung offenbar nicht bewusst.

2:0-Sieg gegen Besiktas

Jedenfalls besaß das Duell Bayern gegen Besiktas zum Auftakt der Champions-League-Gruppenpahse 1997 kaum sportliche Höhepunkte. Die Münchner siegten im Olympiastadion durch Treffer von Thomas Helmer (3.) und Mehmet Scholl (70.) souverän mit 2:0. Doch weltweit für Aufregung sorgte das Verhalten von mehreren hundert Bayern-Fans. Sie hatten Plastiktüten der Supermarktkette ALDI ins Stadion mitgenommen und hochgehalten. Im Grunde war der damalige Kernblock der Südkurve damit eingedeckt.  Manch einem Fan war die Tüte später aus der Hand gerutscht, so dass die Tüten zeitweise quer durch das Stadion wehten. Was steckte für ein rechtsradikales Ansinnen dahinter? Die Anspielung mit den Aldi-Tüten beruhte auf das damals gängige Vorurteil, dass der arme türkische Mitbürger auf Kosten des Sozialstaates lebt und sich nur Sachen aus einem billigen Supermarkt leisten kann. Garniert wurde das Ganz noch von den damaligen Südkurven-Anhängern mit Sprechchören wie: „Ihr könnt zum Aldi fahren“. Auf der Haupttribüne war zudem ein Plakat zu sehen mit der Aufschrift: „Aldi grüßt Kunden.“

Özdemir: „Ein kleiner Haufen verrückter“

Nun konnte man beschwichtigend sagen, es wäre nur ein dummer Jungenstreich gewesen, ein bisschen Ironie müsse im Fußball sein und Mitte der 1990er Jahre waren in nahezu allen deutschen Fußballstadien rechtsradikale Gesänge en vogue, man denke nur an die Affenlaute für Dortmunds Julio Cesar oder für Bayerns Sammy Kuffour. Dennoch gingen die Bilder im internationalen TV um die Welt und sorgten für große Aufregung in der Türkei. Dort wurde allgemein davon gesprochen, dass der Deutsche eben immer noch eine rechtsradikale Gesinnung besitze. Cem Özdemir, heute Chef der Grünen Partei, war damals ein aufstrebender Jung-Politiker. Er sagte damals der Berliner Zeitung über die Aktion der Bayern-Fans: „Das hat wieder einmal bewiesen, daß ein kleiner Haufen von Verrückten ausreicht, um eine ganze Tribüne, ja den gesamten Fußball ins schlechte Licht zu rücken. Es ist bedenklich, daß sich das die Mehrheit gefallen ließ. Immerhin hat die Münchner Vereinsführung reagiert. Ich habe das ausdrücklich begrüßt, daß das Präsidium des FC Bayern die Initiatoren dieser Demonstration identifizierte und ihnen für weitere Vergehen Stadionverbot androhte.“

Hoeneß kooperiert mit Aldi

Die Bayern und seine Fans entschuldigten sich im Nachhinein bei allen Türken. Damit war die Sache aber noch nicht abgetan. Fans in anderen Stadien setzten ein klares Zeichen gegen Rassismus. Die Fans von Borussia Dortmund begrüßten die Bayern beim Duell einige Wochen später mit Lidl-Tüten. In Köln lautete eine Aktion: „Auch wir kaufen bei Aldi.“ Was übrigens damals auch Hardcore-Bayern-Fans noch weniger bekannt war: Bayern-Manager Uli Hoeneß verkauft als Unternehmer seit 1985 Teile seiner Bratwürste an: Aldi.

Über Daniel Michel

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