Bundesliga

Bayern-Mitglied Florian Florack: „Hoeneß trägt eine große Zielscheibe auf dem Rücken“

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München – Florian Florack ist langjähriges Mitglied im Bayern-Fanclub „Miasan1328“. Als treues Vereinsmitglied wird der 27-Jährige auch an diesem Freitag die Jahres-Hauptversammmlung des FC Bayern besuchen, die für ihn ein besonderes Highlight darstellt: Uli Hoeneß wird voraussichtlich wieder Präsident des FC Bayern werden.

fussball.news: Herr Florack, kurz bevor Uli Hoeneß seine Haftstrafe antreten musste, zählten Sie zu jenen Fans, die Hoeneß weiter die Treue gehalten und ihm applaudiert haben. Was wertschätzen Sie an ihm – gestern wie heute?

Florian Florack: Vor drei Jahren hätte ich ’seine Ehrlichkeit und Geradlinigkeit‘ gesagt. Letzteres hat er sich bewahrt, indem er für seinen riesigen Fehler eingestanden ist und die Strafe angenommen hat. Sein Einsatz und sein Erfolg beim FC Bayern in den Jahren vor seinem Steuervergehen können deshalb aber kaum geschmälert werden.

fussball.news: Nun war der Steuerfall Hoeneß ja kein Kavaliersdelikt, immerhin musste er fast 30 Millionen Euro zahlen und über ein Jahr seiner Haftstrafe im Gefängnis verbüßen. Warum verzeihen Sie ihm dieses Steuervergehen dennoch?

Florack: Eine der größten Errungenschaften unserer Kultur ist doch, dass jeder eine zweite Chance erhält. Hoeneß hat seine Tat als Privatmann gestanden, die Strafe abgesessen und bekommt nun die Möglichkeit zur Resozialisierung. Hätte er mit seinem Verhalten allerdings dem Verein geschadet, wäre eine Rückkehr wohl ausgeschlossen gewesen.

fussball.news: Nun wird Uli Hoeneß wohl wieder zum Präsidenten gewählt. Was erwarten Sie von ihm? Soll er wieder ‚ganz der Alte‘ sein, der auch mal mit Jähzorn vermeintliche Gegner attackiert?

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Florack: Ich wünsche mir für ihn und für den Verein, dass er wieder ‚Fußballpräsident Hoeneß‘ sein kann und nicht auf ewig ‚Steuersünder Hoeneß‘ bleibt. Die Zeit einfach zurückzudrehen, was ihm und uns allen wahrscheinlich auch das Liebste wäre, geht leider nicht. Ich gehe davon aus, dass er sich in der Öffentlichkeit künftig sehr stark auf den Fußball beschränkt – und leider weniger offensiv agiert.

fussball.news: Glauben Sie, er hat eigentlich ein Handicap für das Amt? Denn sobald er in die Attacke geht, kann man ihm nun immer seine Vergangenheit vorwerfen.

Florack: Er hat früher viel ausgeteilt – und jetzt eine große Zielscheibe auf dem Rücken. Damit wird er umgehen müssen. Aber als Präsident des FC Bayern bekommt man sowieso nur in einem Stadion Applaus, das ist jedem Kandidaten vor Amtsantritt klar.

fussball.news: Ergebnistechnisch läuft es ja für den FC Bayern gerade nicht optimal. Kann Hoeneß dem Team als Vereinschef einen emotionalen Schub verleihen und es wieder mit in die Erfolgsspur führen?

Florack: Er wird für Ruhe im Umfeld sorgen und den Blick der Öffentlichkeit für die nächsten Tage und Wochen auf sich ziehen. Ich hoffe die Mannschaft nutzt diesen Effekt und spielt mit erhöhter Konzentration wieder erfolgreich.

Über Daniel Michel

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