Bundesliga

Boatengs starkes Zeichen gegen Rassismus: „Will meine Persönlichkeit nutzen und vorangehen!“

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Aus der Commerzbank-Arena berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Kevin-Prince Boateng ist bei Eintracht Frankfurt in vielerlei Hinsicht zu einer Symbolfigur geworden. Der 31-Jährige geht nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz voran. Er nimmt das Umfeld mit und erhofft sich durch die Aktion „Strich durch Vorurteile“ der DFL Stiftung ein starkes Zeichen für die Gesellschaft – und über die deutschen Grenzen hinaus.

Als Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußballliga, von fussball.news befragt wurde, ob die Aktion auch Strahlkraft für andere Länder und Ligen besitzen könnte, wehrte er ab: „Unser Fokus liegt auf Deutschland. Wir wollen keine Symphatiepunkte sammeln, sondern Impulse setzen.“ Vor allem für jüngere Leute habe der Fußball eine besondere Bedeutung und Vorbildfunktion. „Wir wollen Glaubwürdigkeit vermitteln. Das ist das primäre Ziel.“

Boateng als Gesicht der Aktion

Boateng, das Gesicht der Aktion „Strich durch Vorurteile“, saß wenige Meter entfernt auf dem Podest im Presseraum der Commerzbank-Arena. Er nahm die Möglichkeit wahr, das von Seifert gesetzte Statement etwas zu korrigieren: „Ich finde, dass sich andere Ligen ein Beispiel an uns nehmen sollten!“ Seine Hoffnung: „Dann gibt es solche Vorfälle irgendwann auch nicht mehr.“

Vom „Bad Boy“ zum „Good Guy“

Wer den Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt an diesem Nachmittag sah, erkannte einen gereiften, reflektierten jungen Mann, der sein Standing in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht nur aufpoliert, sondern komplett gewandelt hat. Vom „Bad Boy“ zum „Good Guy?“ Es klingt unendlich platt und beschreibt Boateng doch auf eine gewisse Art und Weise. Natürlich: Er ist ein Mann der großen Worte, womöglich wirkt das eine oder andere Statement etwas zu groß. Und doch spricht Boateng aus seinem Herzen, er erzählt, was ihn bewegt – und er vermittelt dies völlig authentisch.

Ali als Vorbild

Sein Vorbild ist der am 3. Juni 2016 verstorbene Boxer Muhammad Ali. „Er war nicht nur ein großartiger Sportler, sondern er hat sich für Dinge eingesetzt, die die Menschlichkeit betreffen“, sagte Boateng. 2012 wurde der damals bereits an Parkinson erkrankte 70-jährige Ali für sein soziales Engagement mit der Freiheitsmedaille, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen der USA, ausgezeichnet. Boateng will sich daran orientieren: „Ich will meine Persönlichkeit nutzen und vorangehen!“

Fußballer müssten als Vorbilder vorangehen

Fußballer, so sein Standpunkt, seien Vorbilder. Es sei dabei egal, aus welchem Land ein Spieler komme oder welcher Religion er angehöre: „Es darf keinen interessieren, woher man kommt!“ Seifert  mahnte: „Die Ligen müssen sich mit ihren Werten entgegenstellen.“ Die Bundesliga sei eine Art Klammer in der Gesellschaft, die zusammenhalten könne und als Bezugspunkt gelte. „Wir müssen Populisten und Dogmatikern die Stirn bieten“, forderte Seifert.

Eintracht setzt sich nicht nur am 27. Spieltag ein

Die Eintracht wird nicht nur an dem Aktionstag, der am 27. Spieltag (Heimspiel gegen Mainz 05) stattfinden wird, vorangehen. Der Ärmelsponsor Deutsche Börse wird den Platz für den von Spendengeldern geförderten Freundeskreis „Arche“ freigeben, die sich vor allem gegen Kinderarmut einsetzt und sich für ein besseres Leben dieser engagiert. In den kommenden Partien, so sagte Axel Hellmann unter anderem zu fussball.news, ist mit weiteren Aktionen zu rechnen, auch die Anhängerschaft der Eintracht wird aus freien Stücken heraus engagieren.

„United colors of Bembeltown“

„United colors of Bembeltown“ lautete das Motto bereits in den 90er-Jahren: Offen sein für alle Farben und Nationen. Jay-Jay Okocha und Anthony Yeboah waren Symbolfiguren dieser Aktion, heute heißen die Publikumslieblinge David Abraham, Omar Mascarell oder Ante Rebic. Gelebte Integration, die Vereinigung so vieler Sprachen und Kulturen – in Frankfurt entsteht und wächst nicht nur in dieser Hinsicht etwas ganz besonderes. „Wir ermutigen unsere Spieler, diese Position einzunehmen. Ich muss niemanden dazu zwingen“, sagte Hellmann. Der Verein und die Spieler hätten eine ganz besondere Verantwortung im Kampf gegen Rassismus.

Boateng setzt viele Zeicen

Boateng ging im Januar mit einem starken Statement voran: Das H&M-Werbeplakat mit dem farbigen Jungen im grünen Pullover mit der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“ und rassistische Äußerungen gegen Juventus Turins Mittelfeldspieler Blaise Matiudi hatten ihn dazu veranlasst, ein Zeichen zu setzen. „Ich stehe an deiner Seite, Blaise Matuidi, wir müssen stark bleiben und Rassismus JETZT bekämpfen!!!“, postete er auf der Fotoplattform Instagram und kündigte an, sich engagieren zu wollen. „Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten. Leon Balogun (FSV Mainz 05, Nigerianischer Nationalspieler, Anm. d. Red.) hat sich gemeldet und will helfen. Es ist schön, dass wir zeigen können, dass wir nicht nur gegen den Ball kicken, sondern uns auch einsetzen“, freute sich Boateng über die Unterstützung von Spielern anderer Vereine und hofft auf weitere Zeichen, wobei er sagte: „Das schönste wäre, wenn wir die DFL Stiftung nicht mehr brauchen, weil es keine Vorfälle mehr gibt!“

Über Christopher Michel

Christopher Michel arbeitet hauptberuflich als Journalist und ist u.a. für die Sportabteilung des Hessischen Rundfunks tätig. Für fussball.news ist er insbesondere als Reporter vor Ort für Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und die deutsche Nationalmannschaft zuständig. Er ist Autor eines Buches über Eintracht Frankfurt ("Launische Diva", riva-Verlag), das hier bestellt werden kann: https://bit.ly/2J6EynZ

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