Bundesliga

Das ist der neue Eintracht-Trainer „Adi“ Hütter

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel. Mitarbeit: Stefan Katzenbach

Adolf „Adi“ Hütter heißt also der neue Mann bei Eintracht Frankfurt, der das Erbe von Niko Kovac antritt. Doch wer ist der Mann, der Young Boys Bern nach 32 Jahren zum ersten Titel führte und damit Abonnement-Meister FC Basel vom Thron stürzte?

„Mit dem Wechsel zu Eintracht Frankfurt geht für mich ein Traum in Erfüllung“, ließ Hütter über die Eintracht in einer offiziellen Pressemitteilung wissen. Der Name des 48-Jährigen ist in Deutschland bislang nur Insidern bekannt. Sollte er so erfolgreich wie in Bern arbeiten, könnte sich daran zügig etwas ändern. Nach zwei Vizemeisterschaften führte er die Young Boys in dieser Saison zum großen Triumph, zwischenzeitlich 16 Punkte Vorsprung waren der Beleg für eine Machtdemonstration. In einem Gespräch mit dem österreichischen Kurier zeigte er sich stolz auf die Spielweise und die Leistung seines Teams und sagte im Rückblick auf die Spielzeiten zuvor: „Aber ich denke da auch an die Entwicklungen der letzten Jahre. Wir haben die Mannschaft praktisch jedes Jahr verändert und verjüngt. Und was mich daneben auch freut: Die Zuseher sind begeistert darüber, wie wir spielen. Die ganze Schweiz honoriert das, und das macht es dann auch interessanter.“

Absage an Werder 2017

Der als volksnah geltende Hütter sah nach dem Triumph in der Liga den Zeitpunkt gekommen, den Schritt in die Bundesliga zu wagen. Im vergangenen Sommer war der ehemalige Profi, der in seiner Karriere von 1988 bis 2007 unter anderem für den SCR Altach, Grazer AK, SV Austria Salzburg oder Kapfenberger SV spielte, bereits bei Werder Bremen im Gespräch. Den Hanseaten erteilte er damals allerdings noch eine Absage. Ein Jahr später fühlte er sich bereit für den Sprung: „Als Trainer hatte ich bereits das eine oder andere Angebot aus der Bundesliga ausgeschlagen. Aber nun freue ich mich umso mehr darauf, in der Liga des Weltmeisters tätig sein zu können.“

Trainerkarriere bei Salzburg begonnen

Kurios: Hütter hatte seine Karriere als Trainer bei der zweiten Mannschaft von Red Bull Salzburg begonnen. Er war der Vorgänger von – Niko Kovac. Hütter zog weiter nach Altach, wo er von 2009 bis 2012 trainierte. Als der Trainer im dritten Versuch den Aufstieg zu verpassen drohte, wurde er im April entlassen. Dabei wäre noch alles möglich gewesen: Die Altacher lagen nur drei Punkte hinter dem Leader – und entließen den Trainer. „Wir haben die Nerven verloren. Das war ein grosser Fehler. Es war sehr belastend“, sagte Geschäftsfrüher Christoph Längle gegenüber der Aargauer Zeitung, „aber die Freundschaft ist nicht daran zerbrochen.“ Im Gegenteil: Der Kontakt ist weiterhin vorhanden, die Anerkennung groß. Längle beschreibt Hütter: „Zielstrebig, ehrgeizig, empathisch. Er hat das zwischenmenschliche Feeling, ein Team zu formen. Er ist ein extremer Teamplayer. Ich habe gleich gespürt, wie sauwohl er sich in Bern fühlt.“ Eine weitere wichtige Qualität des (noch) amtierenden Berner Trainers brachte der ehemalige Weggefährte Edmund Bitschnau an gleicher Stelle auf den Punkt: „Wissen Sie, was seine grösste Stärke ist? Er macht jeden Spieler besser!“

Erste Erfolge mit Grödig

Hütter zog zunächst weiter zum SV Grödig in die zweite österreichische Liga. Er führte den Klub sofort zum Aufstieg und daran anschließend auf den dritten Platz, der zur Qualifikation für die Europa League berechtigte. „Europa staunt über den Dorfklub“ titelte die Welt im Mai 2014. Während die 7.000-Einwohner-Gemeinde den sensationellen Einzug in den internationalen Wettbewerb feierte, zog Hütter zu RB Salzburg weiter um diesmal die Profiabteilung zu übernehmen.

Deshalb verließ Hütter Salzburg

Nach nur einem Jahr war trotz Doublesieges schon wieder Schluss beim Spitzenteam, auch weil ihm eben jene Qualität zum Verhängnis wurde, die Bitschnau ihm attestiert hatte:  „Ich sehe mich nicht in Zukunft als Ausbildungstrainer“, sagte Hütter damals. Er legte nach: „Es wird auch in Zukunft so sein, dass die besten Spieler den Verein verlassen werden. Der Weg ist vorprogrammiert. Diesen Weg möchte ich auch nicht mitgehen, weil ich meine persönlichen Ziele ein bisschen anders sehe.“

Großer Erfolg bei Bern

Bern sollte somit die fünfte Station des „Trainergottes“ sein, wie ihn die Fans inzwischen verehren. Im dritten Jahr hatte Hütter das Team so geformt, dass sie für den Gegner nicht mehr ausrechenbar waren. Zudem konnte er die Mannschaft über mehrere Jahre hinweg zusammenhalten, im Gegensatz zu Konkurrent FC Basel waren die Young Boys kein Durchlauferhitzer.

Zu offensiv für die Bundesliga?

Der erste Meistertitel seit 1985 könnte noch mit dem Pokalsieg garniert werden. Erstmals droht das Team nun Leistungsträger zu verlieren. Kevin Mbabu fiel als rechter Verteidiger positiv auf, die Offensivabteilung funktionierte durch Roger Assalé, Jean-Pierre Nsame, Miralem Sulejmani und Christian Fassnacht zuverlässig. 82 Treffer in 35 Partien sprechen für einen wuchtigen Angriff. Aber: 40 Gegentore zeigen das Problem auf. Hütter zeigt sich in Bern taktisch flexibel aber auch sehr offensiv, lässt entweder im 4-2-2-2 oder 4-4-2-System agieren. Volle Kraft voraus also mit offenem Visier.

Über Christopher Michel

Christopher Michel arbeitet hauptberuflich als Journalist und ist u.a. für die Sportabteilung des Hessischen Rundfunks tätig. Für fussball.news ist er insbesondere als Reporter vor Ort für Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und die deutsche Nationalmannschaft zuständig. Er ist Autor eines Buches über Eintracht Frankfurt ("Launische Diva", riva-Verlag), das hier bestellt werden kann: https://bit.ly/2J6EynZ

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