Bundesliga

Die Wahrheit über den „Bayern-Bonus“

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München – Gibt es einen „Bayern-Bonus“? Nach dem späten 1:1-Ausgleich der Münchner in Berlin diskutiert über diese Frage ganz Fußball-Deutschland. Allerdings fällt auf: Die Debatte in den Medien ist zum Teil von Unwissenheit, Manipulation und dem Vermixen von unterschiedlichen Aspekten geprägt. fussball.news, Deutschlands überregionales Nachrichtenportal Nummer eins am Morgen, liefert die harten Fakten zum „Bayern-Bonus“:

Gibt es einen „Bayern-Bonus“?

Eindeutige Antwort: JA! fussball.news hatte bereits im April 2016 von einer umfassenden wissenschaftlichen Studie berichtet, die eindeutig zu dem Ergebnis kommt, dass ein „Bayern-Bonus“ existiert.

Fairerweise muss man erklären, dass dies nur eine zugespitzte Formulierung ist. Die Kern-Errungenschaft der Studie lautet: Je mehr Du ein langjähriges Top-Team darstellst, desto mehr versuchen Schiedsrichter Dich noch korrekter zu behandeln, was in der Praxis unterbewusst aber dazu führt, dass oft das Top-Team bevorteilt wird. In Deutschland ist das Top-Team Nummer eins eben der FC Bayern. In der Studie ging es vor allem um die Frage von (nicht) gegebenen Elfmetern.

Mehr zur Studie: http://www.fussball.news/details-zum-bayern-bonus-und-expertenstudie/

2009 wurde Wolfsburg durch einen „Bonus“ Meister

Einschränkend ist anzuführen: Auch Konkurrenten des FCB profitierten in der Vergangenheit von dem Favoriten-Bonus. Die Meisterschaft des VfL Wolfsburg 2009 ist ein passendes Beispiel. Das Portal Wahre Tabelle etwa hat errechnet, dass 2009 eigentlich der FC Bayern hätte Deutscher Meister werden müssen, doch zahlreiche Fehlentscheidungen der Schiedsrichter begünstigten den Titelgewinn der Wolfsburger.

Gab es in Berlin einen „Bayern-Bonus“?

Hertha-Trainer Pal Dardai beschwerte sich nach der Partie am Samstag über die lange Nachspielzeit von sechs Minuten und sagte: „Das war der Bayern-Bonus“. Auch die Diskussionen danach drehten sich vor allem darum, ob Schiedsrichter Patrick Ittrich zu lange hatte nachspielen lassen. Eine längere Nachspielzeit wäre nur ein Aspekt des „Bayern-Bonus“, aber gegen die Hertha natürlich der entscheidende.

Was die Bundesliga-Trainer sinngemäß sagen

Zahlreiche Bundesliga-Trainer, Funktionäre und Ex-Stars werden derzeit zum „Bayern-Bonus“ befragt, die Allermeisten kommen zu dem Schluss: Es gibt keinen „Bayern-Bonus“. Allerdings ist dabei aktuell eher die Frage gemeint, ob die vermeintlich längere Nachspielzeit in Berlin und die späten Tore des FC Bayern über die Saison hinweg zum „Bayern-Bonus“ zählen. Dabei sind sich die Experten nahezu einig: Ganz gleich, ob die Nachspielzeit vier oder sechs Minuten dauert, man muss eben die Defensive absichern. Und: Der FC Bayern ist ein Spitzenteam, seine Profis sind bis zur letzten Minute vom Sieg überzeugt, da sie wissen, welche Qualität sie besitzen. Späte Tore sind demnach offenbar eher Können und logische Folge als Glück.

Statistiken erwecken falschen Eindruck

Einige Statistiken sind zudem im Umlauf, die in die Irre führen. So wird aufgelistet, dass beim Spiel Hertha – Bayern die reine Spielzeit rund 63 Minuten betragen hat – der Top-Wert am 21. Spieltag. Die nicht ausgesprochene, aber nahegelegte Schlussfolgerung: Dann hätte es auch nicht eine so lange Nachspielzeit von sechs Minuten geben dürfen. Die reine Spielzeit hat aber in der Regel überhaupt nichts mit der Bemessung der Nachspielzeit zu tun. Wenn ein Team in den letzten zehn Minuten fast nur auf Zeitspiel setzt, kann ein Schiedsrichter auch acht Minuten nachspielen lassen – und selbst in der Nachspielzeit nochmal Minuten drauflegen. Insofern lag Schiedsrichter Ittrich mit seinen sechs Minuten Extra-Time nicht unbedingt verkehrt.

Nachspielzeit pro Bayern?

Eine weitere Statistik, die einen falschen Eindruck erweckt: Wenn Bayern München zurückliegt, lassen die Schiedsrichter länger nachspielen. Wenn sie führen, dann weniger. Ist mal wieder der „Bayern-Bonus“ dafür verantwortlich? Das trifft es nicht ganz. Denn wenn die Bayern mit 3:0 oder 5:0 führen, wird in der Regel kein Schiedsrichter lange nachspielen lassen, selbst wenn es zu kleineren Zeitverzögerungen kommt. Bei umkämpften und knappen Spielen ist dagegen ausreichend Nachspielzeit von hoher Bedeutung.

Verkehrte Debatte

Im Grunde läuft die Debatte gerade völlig verkehrt: Zahlreiche Medien legen den Fans nahe, dass es keinen „Bayern-Bonus“ gibt, dass aber die lange Nachspielzeit in Berlin nicht gerechtfertigt war und womöglich doch etwas mit dem „Bayern-Bonus“ zu tun hat. Die Anwtort lautet aber: Es gibt den „Bayern-Bonus“ – das späte Tor in Berlin aber hatte wenig mit dem „Bayern-Bonus“ zu tun. Der Ausgleich gelang, weil die Bayern große spielerische und mentale Stärke besitzen. Glück ist dabei nur Nebensache.

Über Daniel Michel