1. FC Köln

Effenberg kritisiert Europacup-Bilanz: „Armutszeugnis für den deutschen Fußball“

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Ex-Profi Stefan Effenberg sieht die deutsche Europapokal-Bilanz in dieser Saison enorm kritisch. Der 49-Jährige wählt klare Worte für das Abschneiden in der aktuell laufenden Spielzeit.

Die Zahlen lesen sich frappierend: Die vier Europa-League-Starter 1. FC Köln, TSG Hoffenheim, Hertha BSC und SC Freiburg sind allesamt ausgeschieden und kamen zusammenaddiert (mit Qualifikation) auf fünf (!) Siege in 20 Partien. „Das Europa-Cup-Aus wird uns guttun“, bilanzierte TSG-Coach Julian Nagelsmann später – und verärgerte mit dieser Aussage vor allem einige Ex-Profis. Effenberg etwa sieht Duelle in K.-o.-Spielen als „Lernprozesse, die dich besser machen.“ Er kritisierte im kicker scharf: „Es einfach so wegzugeben, dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Das ist ein Armutszeugnis für den deutschen Fußball!“

Rosen wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Tiger ist nicht der einzige ehemalige Spieler, der sich in diese Richtung äußert. Berti Vogts, als Bundestrainer Europameister von 1996, sagte deutlich: „Mit welcher Respektlosigkeit die jungen Trainer teilweise an den Europacup rangehen, das macht schon nachdenklich. Das ist eine Schande.“ Die Betroffenen wehren sich natürlich mit Kräften gegen solche Aussagen. TSG-Sportdirektor Alexander Rosen sagte etwa: „Wir haben nie nach Entschuldigungen gesucht. Wir sind an uns selbst gescheitert. Ich wage die Prognose: Beim nächsten Mal kriegen wir es besser hin.“

Im Ausland jammert niemand

Allerdings ist auffällig, wie häufig die Rotationsmaschine vor Partien in der Europa League angeworfen wurde. Dabei hat die Bundesliga – diese Saison bildet eine Ausnahme – im Normalfall eine ausgiebige Winterpause, in der Defizite aufgeholt werden können. Die im Vergleich der großen Nationen kleinste Liga (18er zu 20er) hat die länge Zeit, den Akku für das Frühjahr wieder aufzuladen. Die Klagen kommen dennoch vor allem aus Deutschland, in England, Spanien oder Italien sind solche Worte in dieser Bandbreite nicht zu vernehmen.

Mit BVB und Leipzig zwei starke Starter in der Rückserie

Glück im Unglück für die Bundesliga: Mit RB Leipzig und Borussia Dortmund sind zwei drittplatzierte Champions-League-Teilnehmer in die Europa League „abgestiegen“, die durchaus noch helfen können, die sich bislang so katastrophal lesende Europacup-Bilanz etwas aufzuhübschen. Nicht zu vergessen: Der FC Bayern München hat durchaus Chancen, gegen Besiktas Istanbul eine Runde weiterzukommen in der Champions League.

Über Christopher Michel

Christopher Michel arbeitet hauptberuflich als Journalist und ist u.a. für die Sportabteilung des Hessischen Rundfunks tätig. Für fussball.news ist er insbesondere als Reporter vor Ort für Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und die deutsche Nationalmannschaft zuständig. Er ist Autor eines Buches über Eintracht Frankfurt ("Launische Diva", riva-Verlag), das hier bestellt werden kann: https://bit.ly/2J6EynZ

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