Bundesliga

Eintracht im Jahr 2016: Niko Kovac – Das Gesicht eines ganzen Vereins

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München – Das Jahr 2016 von Eintracht Frankfurt lässt sich in zwei Teile zerteilen: Die Zeit vor und die Zeit nach Niko Kovac. Selten war ein Umschwung bei einer Mannschaft so eng mit dem Namen des Trainers verbunden, wie es derzeit bei den Hessen der Fall ist. Die Belohnung: Der Fast-Absteiger der Vorsaison überwintert auf dem Champions-League-Qualifikationsplatz vier.

Beste Elf 2016

Hradecky – Chandler, Vallejo, Abraham, Oczipka – Hasebe, Mascarell, Huszti – Fabian, Gacinovic – Meier

Mit altem Gerüst zum Höhenflug: Viele Spieler, die in der vergangenen Saison monatelang ihre Form fanden, sind nun Garanten für den Umschwung bei der Eintracht. Ob Marco Fabian, Bastian Oczipka, Timothy Chandler oder Szabolcs Huszti – sie alle vollzogen einen Wandel, der im Sommer so nicht zu erwarten war. Mit Jesus Vallejo und Omar Mascarell stachen zwei der vielen Neuzugänge hervor und hoben das Spiel der Hessen auf ein neues Niveau. Von den Abgängen, unter anderem auch die langjährigen Stammspieler Stefan Aigner und Carlos Zambrano, wird aktuell zumindest keiner mehr vermisst.

Bester Spieler 2016: Makoto Hasebe

Die Eintracht ist eine Mannschaft, die vor allem von ihrem Kollektiv lebt. Doch ein Akteur stach in dieser Hinserie besonders hervor – nein, nicht Marco Fabian – sondern Makoto Hasebe. Natürlich: Fabian kam wie Phoenix aus der Asche empor und entzückte wochenlang mit tollen Tricks, Toren und Vorlagen die Fans. Allerdings baute der Mexikaner zuletzt wieder ab und ließ Konstanz vermissen.

Eine Konstanz, die Hasebe als das wohl wichtigste Glied im feinmaschig gesponnenen Netz der Eintracht bereits langfristig unter Beweis gestellt hat. Der Japaner überzeugt im defensiven Mittelfeld mit Zweikampf- und Passstärke und räumt, wenn sein Trainer es verlangt, resolut als letzter Mann hinter der Abwehr auf.

Auch im Abstiegskampf der letzten Spielzeit war es der „Franz Beckenbauer Japans“, wie ihn Sportdirektor Bruno Hübner einmal nannte, der voranging. Nicht umsonst verlängerte der Verein den Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2018. Gerne soll der Defensivallrounder auch nach seiner Karriere noch eingebunden werden. Makoto Hasebe – der heimliche „Star“ bei Eintracht Frankfurt.

Trainer: Niko Kovac

Im März scheiterte eine Mission, die mit so viel Euphorie begonnen hatte. Armin Veh wurde nach 25 Spieltagen entlassen und durch den bis dato ohne Bundesligatrainer-Erfahrung ausgestatteten Niko Kovac ersetzt. Der Kroate schaffte es in kürzester Zeit, eine verunsicherte und am Boden liegende Mannschaft aufzubauen und sie durch eine Siegesserie am Ende der Saison doch noch in die Relegation zu führen – das Ende ist bekannt.

Inzwischen behaupten Anhänger der Eintracht bereits, dass der 45-Jährige „über Wasser gehen könnte“. Die Vertragsverlängerung bis 2019 wurde laut bejubelt, die Entwicklung der Mannschaft und des gesamten Vereins wird mit großer Begeisterung registriert. Der Wunsch, wieder „sexy“ zu sein für Sponsoren und Spieler, wurde dank Kovac, in Zusammenarbeit mit dem neuen Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner, vorangetrieben. Der Coach schützt sich und seine Mannschaft und warnt immer wieder, dass es Rückschläge geben könnte. Bislang ist davon noch nichts zu spüren – der Weg verlief bislang nur in die eine Richtung: nämlich vorwärts!


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Der Moment des Jahres

Der 23. Mai 2016 hat den Weg in die prall gefüllten Geschichtsbücher der Frankfurter Eintracht geschafft. Die Hessen traten mit einem 1:1 im Gepäck das Relegationsrückspiel beim 1. FC Nürnberg an. Der Anhang war der Verzweiflung nahe, als es nach über 60 gespielten Minuten noch immer 0:0 stand. Sollte die Saison, in die das Umfeld mit so großen Hoffnungen gestartet war, wirklich mit dem fünften Abstieg der Vereinsgeschichte enden?

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Um ca. 21.50 Uhr konnte in Deutschland wohl ein kurzfristiges Erdbeben wahrgenommen werden – so viele Steine fielen den Fans der Eintracht in diesem Moment vom Herzen. Mijat Gacinovic setzte zum Dribbling an, umspielte Gegenspieler Miso Brecko und fand in der Mitte den Fuß von Haris Seferovic, der nur noch einschieben musste.

Es war geschafft – dem Treffer in der 66. Minute folgte kein weiterer. Der Klassenerhalt wurde danach ausgiebig gefeiert und eine katastrophale Saison so noch in letzter Sekunde gerettet. Wer hätte wohl damals darauf gewettet, dass die Eintracht ein halbes Jahr später einen Champions-League-Platz belegen würde?

Das Spiel des Jahres

Die Hinrunde der Saison 2016/17 bot der Frankfurter Eintracht einige Highlights. Am meisten blieb jedoch das 2:2 am 7. Spieltag gegen den FC Bayern München in Erinnerung. Die Hessen mussten einige Rückschläge hinnehmen. Zunächst traf Arjen Robben früh zum 0:1, dann lief Manuel Neuer zur Topform auf und verhinderte lange Zeit den Ausgleichstreffer, den Szabolcs Huszti doch noch kurz vor der Pause erzielte.

Doch damit nicht genug, wie der zweite Durchgang zeigte. Erst traf der zwischenzeitliche „Toptorjäger“ Joshua Kimmich zum 1:2, dann flog Torschütze Huszti mit Gelb-Rot vom Platz. Das war’s für die Eintracht? Von wegen! Der in dieser Saison so starke Timothy Chandler fasste sich noch einmal ein Herz, flankte in Richtung Bayern-Tor – und fand die Brust von Marco Fabian, der den Ball von der Brust ins Netz springen ließ. Ein Remis, das sich wie ein Sieg anfühlte – für viele Fans war es also das Spiel des Jahres.

Enttäuschung des Jahres

Enttäuschungen und Rückschläge gab es reichliche – vor allem in der Rückrunde der Saison 2015/16. Die Entlassung von Ex-Trainer Armin Veh, Niederlagen in Hülle und Fülle – doch eine schmerzte besonders: Am 34. Spieltag ging die Reise zum Abstiegsendspiel gegen den SV Werder Bremen. Schnell war klar – mit einem Remis wäre die Klasse direkt gehalten.

Die Eintracht hielt in einem hart umkämpften Spiel lange Zeit ein 0:0. Doch dann wechselte Niko Kovac Angreifer Luc Castaignos ein. Der Niederländer, inzwischen in Diensten von Sporting Lissabon, sollte für Entlastung sorgen – und foulte in der 88. Minute eher tapsig in Höhe der Mittellinie einen Gegenspieler.

Die Folge: Der von Zlatko Junuzovic in die Mitte gebrachte Ball fand den Weg, letztendlich dank des Fußes von Papy Djilobodji,  ins Tor der Eintracht. Damit wussten alle, dass Nachsitzen angesagt war. Der Stachel saß tief und musste schnell entfernt werden, was dem Trainerteam dann auch gelang – wie der Moment des Jahres zeigte.

Der Held des Jahres

Es war eine Gänsehautatmosphäre im Stadion, als sich Marco Russ mit seinen Kindern auf den Armen von den Eintracht-Fans verabschiedete. Der Innenverteidiger hatte einen Tag vor dem Relegationshinspiel gegen den 1. FC Nürnberg erfahren, dass er an Hodenkrebs leidet und operiert werden muss. Russ stellte sich trotz der gesundheitlichen Schwierigkeiten voll in den Dienst der Mannschaft, spielte mit – und wurde dann fast zum tragischen Helden.

Erst erzielte der 31-Jährige ein Eigentor, dann holte er sich noch die fünfte Gelbe Karte ab. Böse war ihm keiner, zu tief saß bei allen noch immer der Schock über diese Nachricht. Entwarnung gab es dann bei der Pressekonferenz am 20. Oktober dieses Jahres. „Marco Russ ist wieder gesund“, teilte Niko Kovac den wartenden Journalisten mit.

Und sorgte dadurch für einen Freudenschrei, der durch die ganze Republik ging. Die Anteilnahme in dieser schwierigen Zeit war riesengroß. Inzwischen peilt der Defensivspieler seine Rückkehr ins Mannschaftstraining an. Sein erstes Ziel im neuen Jahr: Die Reise mit ins Trainingslager nach Abu Dhabi.

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Der Anti-Held des Jahres

Armin Veh! Er wollte an seine erfolgreiche erste Amtszeit bei der Eintracht anknüpfen und rutschte stattdessen wöchentlich immer tiefer in die Krise hinein. Ein Großteil der Anhänger war von Beginn an skeptisch und fühlte sich schnell bestätigt. Die Highlights waren rar gesät, Frust und Ärger beherrschte das Geschehen rund um die Mannschaft.

Die negativen Höhepunkte: Nach der Partie gegen den Hamburger SV, die 0:0 endete, flippte der Coach völlig aus, weil es Pfiffe hagelte. „Dann sollen sie doch zu Hause bleiben“, ließ der emotional betroffene Trainer seiner Wut freien Lauf. Aus Armin Veh wurde auf Plakaten „Armin Geh“.

Im letzten Spiel seiner Amtszeit traute er sich nicht mehr aus seiner Trainerkabine hervor. Der FC Ingolstadt erreichte am 25. Spieltag ein schmeichelhaftes 1:1 bei der Eintracht. Obwohl die Leistung der Hessen ansprechend war, stand schon kurze Zeit später fest: Mit Veh geht es nicht mehr weiter. Im Nachhinein muss wohl gesagt werden: Dies war keine schlechte Entscheidung.

Über Christopher Michel

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