Bundesliga

Ex-Bayern-Aufsichtsrat Markwort: „Ancelotti kann Lahm nicht mehr umstimmen“ – Verjüngung des Teams gefordert

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EXKLUSIV München – Helmut Markwort zählt zu den Journalisten-Legenden in Deutschland. Der gebürtige Darmstädter hat einst das Magazin Focus auf dem deutschen Zeitschriften-Markt etabliert und ist zudem auch als Moderator tätig. Seine große Leidenschaft ist der Fußball, sein Fan-Herz gehört dem FC Bayern. So kam es jedoch auch, dass Markwort zwischen 2012 und 2014 in zwei Konflikte geriet.

Focus brachte Hoeneß-Affäre ins Rollen

Der Focus berichtete vor fünf Jahren als 1. Magazin über die Steueraffäre von FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Und: Kurze Zeit später kam heraus, dass Markwort unter dem Pseudonym Moritz Rodach gelegentlich für Focus Online über den FC Bayern berichtete – ein möglicher Interessenskonflikt? Ende 2014 jedenfalls trat Markwort  nicht mehr für eine weitere Amtsperiode im Aufsichtsrat des FC Bayern an. Bis heute betonen alle Parteien, dass zwischen der Berichterstattung im Focus und dem Ausscheiden von Markwort aus dem Aufsichtsrat kein Zusammenhang bestehe. Markwort machte sich im Jahr 2016 deshalb auch öffentlich für die Wiederwahl von Uli Hoeneß stark. Der 80-jährige Markwort ist weiter ein leidenschaftlicher Fan des FC Bayern – und auch bestens über aktuelle Stimmungslagen in München informiert. Am Donnerstagabend traf fussball.news Markwort auf einer Veranstaltung in München, die er moderierte – danach stand Markwort freundlicherweise fussball.news für ein kurzes Gespräch über seinen Lieblingsverein zur Verfügung.

„Solide Saison“

Dabei wirkte der ehemalige Aufsichtsrat mit der Leistung der Bayern in dieser Spielzeit unzufrieden. Die Saison 2016/17 beurteilte er für den FC Bayern als „solide Saison“, was wohl höchstens einer Schulnote drei gleichkommt. Über Trainer Carlo Ancelotti und einzelne Spieler des FC Bayern wollte Markwort nicht zwingend lobende Worte verteilen. „Ich hätte Vidal ausgewechselt – der war ein zu hohes Risiko“, sagte Markwort etwa über das Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals Real Madrid gegen Bayern München, als Arturo Vidal schon hätte früh vom Platz gestellt werden können – und es später wurde. In Unterzahl war die Niederlage der Bayern programmiert (2:4 n. V.). Ancelotti wurde später vorgeworfen, bei Vidal nicht rechtzeitig mit einer Auswechslung reagiert zu haben. Der Italiener selbst schob das Ausscheiden der Bayern eher Schiedsrichter-Fehlern zu.

Markwort fordert Verjüngung des Teams

Markwort jedenfalls hofft auf eine erfolgreichere Saison des FCB 2017/18. Allerdings erwartet er einen Umbruch im Team und sieht Carlo Ancelotti und das Management des FC Bayern gefordert. „Eine Verjüngung der Mannschaft ist nötig“, betonte Markwort. Will heißen: Talente wie Joshua Kimmich fördern – und wohl auch neue Stars müssen gekauft werden.

Lahm hat Entscheidung getroffen

Dass Kapitän Philipp Lahm beim Neuaufbau fehlen wird, schmerzt Markwort, doch für ihn gilt das Karriereende des Außenverteidigers als sicher. „Ancelotti versucht Lahm noch umzustimmen. Das sollte er lassen“, sagte Markwort zu fussball.news. Er habe mit Lahm „viel und oft“ gesprochen. Sein Urteil: „Philipp Lahm ist ein junger, kluger und entschlossener Mann. Er hat seine Entscheidung getroffen, im Sommer seine großartige Karriere zu beenden. Lahm kann keiner mehr umstimmen. Das will er auch nicht – und auch Ancelotti schafft das nicht.“ Die Botschaft ist bei Ancelotti wohl noch nicht ganz angekommen. Beim 6:0-Erfolg zuletzt in Wolfsburg rief Ancelotti laut AZ in der Mixed Zone im Rücken von Lahm: „Don’t stop! Don’t stop!“ Der 33-jährige Lahm dürfte sich geschmeichelt fühlen – aber dennoch seinen eigenen Weg fortsetzen.

Über Daniel Michel

Daniel Michel gründete im Dezember 2015 fussball.news. Der Münchner arbeitet seit zehn Jahren als Journalist. Zu seinen Stationen zählen u.a. die Portale von Sport1 und Eurosport. Außerdem war er für Sport-Medien innerhalb der Perform-Group tätig. Er ist Co-Herausgeber einer Buchreihe und Autor eines Buches über den FC Bayern ("Münchens wahre Liebe", riva-Verlag).

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