Bundesliga

Ex-FC-Bayern-Profi Tarnat: Teure Transfers wie Renato Sanches schrecken eigene Talente ab

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München – Michael Tarnet hat 2001 mit Bayern München die Champions League gewonnen. Später hat Tarnat von 2010 bis 2016 als Nachwuchschef der Münchner gearbeitet. Der 47-Jährige sieht nun Probleme in der Talentförderung des Rekordmeisters.

Tarnat tauschte 135 Spieler aus

Der Bild-Zeitung erklärte Tarnat, er habe bei Amtsantritt erstmal 135 der 180 Jugendspieler innerhalb von zwei Jahren getauscht, da oftmals die Qualität der Talente nicht ausreichte. Einige der von ihm gesichteten Spieler würden nun bald sich den Profis aufdrängen können, doch habe der Rekordmeister bei Talenten eine Art Glaubwürdigkeits-Problem. Da der FC Bayern immer wieder teure Stars verpflichte, wecke dies Zweifel bei den eigenen Talenten, ob sie denn überhaupt beim FCB ihre Chance erhalten. Zudem würden auch Talente von anderen Klubs mangels Perspektive gar nicht nach München kommen wollen.

Die Probleme für den FC Bayern:

„Es muss die Chance da sein, dass du oben ankommst, wenn du hart arbeitest“, sagte Tarnat und führte aus: „Dortmund ist das beste Beispiel. Die haben einen starken Kader, aber mit Passlack, Pulisic oder Burnic Jungs, die die Möglichkeit haben, bei den Profis zu spielen. Für die Motivation ist das sehr wichtig.“ Als besonderes Problem für die Münchner in Sachen Talentförderung empfindet Tarnat die Transferpolitik des FCB. „In U 17 und U 19 gibt es schon interessante Namen. Der Klub muss sich aber fragen, ob er die einbinden will. Wenn ein talentierter A-Jugendlicher liest, dass der Klub auf seiner Position einen 18-Jährigen für 35 Millionen holt oder andere gestandene Profis – der fragt sich dann: Was spiele ich jetzt für eine Rolle?“ Damit spielte Tarnat auf den Kauf von Renato Sanches 2016 an. Für den Basis-Betrag von 35 Millionen Euro kam der damals 18-Jährige nach München, mit Leistung überzeugte der Mittelfeldspieler bislang nicht. „Die Jungs diskutieren ja alle untereinander. Die sind natürlich frustriert, wenn sie merken: Ich hab‘ gar keine Chance hier“, so Tarnat.

Van Gaal förderte Top-Talente

In der Folge habe der FC Bayern auch Probleme, auswärtige Talente überhaupt in die Jugendteams zu locken. „Die Talente aus anderen Klubs bekommen das ja mit und fragen sich: Soll ich dahin wechseln, da habe ich ja keine Chance nach oben. Da sehe ich eine Riesen-Gefahr. Ich kenne Spieler, die angesprochen wurden und die genau das sagen.“ Tarnat betonte, der FC Bayern müsse wieder zu einem altbewährten Modell zurückkehren und mehr Talente ausleihen wie einst David Alaba (Hoffenheim), um sie an die Bundesliga heranzuführen. Und auch bei den Cheftrainern hofft Tarnat auf Veränderung in ihrer Arbeit. Louis van Gaal sei 2009 der letzte Coach in München gewesen, der ganzheitlich auf das Einbauen von Talenten bei den Profis gesetzt habe. Unter ihm konnten sich aktuelle Top-Stars wie Thomas Müller entwickeln.

Über Daniel Michel

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