Bundesliga

Fehlendes Konzept in der Jugendarbeit: Walter kritisiert FC Bayern

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Der Ruf nach neuen Talenten ist laut beim FC Bayern München. David Alaba, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm – die Vorbilder werden immer älter oder sind schon nicht mehr da. Mit Tim Walter verlässt ein im Umfeld hoch geschätzter Trainer die U23 des Vereins. Er findet deutliche Worte beim Blick auf die Jugendarbeit.

„Der FC Bayern hat in der Jugend noch kein durchgängiges Konzept entwickelt, wo er hin will. Es ist – glaube ich – momentan für den Verein das Wichtigste, Meisterschaften zu holen“, bemängelte Walter im Gespräch der Süddeutschen Zeitung. Der 42-Jährige kam 2015 für geschätzt 200.000 Euro vom Karlsruher SC und trainierte zunächst zwei Jahre die U17 bevor er im vergangenen Sommer die U23 übernahm. Die Zielsetzung vor der Spielzeit lautete: Aufstieg! „Es sind aber zwei Paar Schuhe, was man sich vor einer Saison wünscht und was dann machbar ist. Ich habe versucht, mein Bestmögliches zu geben, den Jungs Fußballerisches und Werte zu vermitteln. Mein Ziel war es, im Sinne des Vereins zu handeln, aber auch im Sinne der Spieler.“

Fehlende Voraussetzungen in der Hinserie

Walter kritisierte, dass die Voraussetzungen für die offensive Forderung des Klubs nicht geschaffen wurden. Die Hinserie hatte die Reservemannschaft als Tabellensiebter abgeschlossen. Als Grund galt vor allem die fehlende Voraussetzung: „Da saß nur mein Co-Trainer auf der Bank. Ich habe Spieler aus der Vorsaison weggeschickt, bei denen ich der Meinung war: Sie passen nicht zu Bayern, sie sind zu alt, sie haben nicht die Qualität, die ein Spieler bei Bayern haben muss.“ Inzwischen fahre der Klub in diesem Bereich eine klarere Linie, weshalb sich Walter bestätigt fühlte: „Wenn ich zu Saisonbeginn eine wettbewerbsfähigere Mannschaft gehabt hätte, dann wäre der Aufstieg wohl auch möglich gewesen. Das sieht man jetzt.“

Viel Kommunikation nötig

Beim FC Bayern fehlt in diesem Bereich noch die klare Linie, der im Sommer vergangenen Jahres eröffnet Campus wird nicht automatisch neue Talente hervorbringen. Walter wollte keine Luftschlösser bauen und auf Möglichkeiten hin, wie die Jugendarbeit breiter aufgestellt werden könnte: „So viele Spieler dauerhaft oben reinzubringen, ist meiner Meinung nach nicht möglich. Wir haben sehr viel Potenzial, Spieler erst mal für andere Vereine auszubilden. Dafür muss man sich über jeden Spieler austauschen, Phasen ausmachen, in denen er bei den Profis spielt, analysieren. Das bedeutet natürlich, dass du miteinander kommunizieren musst.“ Hier herrsche noch Luft nach oben.

Walter würde die U23 modifizieren

Wer bis zur U19 komme und sich nicht sofort durchsetzen könne, der müsse verliehen werden – oder ähnlich dem Konzept Real Madrid: Verkaufen und per Rückkaufoption den Daumen auf dem Spieler halten. “ Die dritte Liga ist für Bayern-Spieler, die zu den Profis wollen, noch zu wenig. Da muss der Verein eine Lösung finden, damit sie auf einem Niveau spielen, das zu ihnen passt: zweite Liga oder erste Liga“, sagte Walter, der zugleich einen Vorschlag hatte: „Die zweite Mannschaft ist super für die Entwicklung, wenn du sie als U19 anlegst. Bei den meisten Klubs ist die zweite Mannschaft ja schon eine U21 und keine U23 mehr, aber ich würde sie noch jünger machen. Seniorenfußball ist wichtig als Erfahrung, egal auf welchem Niveau.“ Fußballerisch bringe es die Talent freilich nicht weiter, in Buchbach zu spielen. Aber das Drumherum biete Dinge, die man erleben müsse: „Der FC Bayern ist eine Wohlfühl-Oase. Die Jungs durch eine Mühle zu schicken, ist extrem wichtig. Und vor allem wegen der Fankultur würde ich die zweite Mannschaft nie abschaffen.“

Über Christopher Michel

Christopher Michel arbeitet hauptberuflich als Journalist und ist u.a. für die Sportabteilung des Hessischen Rundfunks tätig. Für fussball.news ist er insbesondere als Reporter vor Ort für Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und die deutsche Nationalmannschaft zuständig. Er ist Autor eines Buches über Eintracht Frankfurt ("Launische Diva", riva-Verlag), das hier bestellt werden kann: https://bit.ly/2J6EynZ

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