Bundesliga

Finanzielles Risiko – oder Rücklagen bilden? Die Eintracht auf der Suche nach dem richtigen Weg

am

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Mit Frederik Rönnow und Nicolai Müller konnte die Frankfurter Eintracht bislang zwei Neuzugänge für die kommende Saison verpflichten. Wie groß wird der Kaderumbruch und wie viel Geld müssen die Hessen ausgeben? Offenbar müssen auch die Verantwortlichen noch nach dem richtigen Weg suchen.

Die Eintracht steht infrastrukturell vor spannenden Jahren: Der Bau der neuen Geschäftsstelle soll rund 30 Millionen Euro kosten, zudem soll das Stadion ausgebaut werden und mehr Stehplätze zur Verfügung stehen. Die Projekte sind kostspielig und für das Wachstum des Traditionsvereins unabdingbar. Allerdings stellt sich die Frage, wie viel Geld die Verantwortlichen in die Verstärkung der Mannschaft stecken können.

Kein „Kracher“ für die Eintracht?

Das Festgeldkonto ist auf 28 Millionen Euro angewachsen, die TV-Gelder auf nationaler und internationaler Ebene lassen der Eintracht Möglichkeiten offen, die zuvor so nicht gekannt wurden. Auch wenn die Hessen im Vergleich zu den großen Klubs weiterhin ein kleiner Fisch ist, lassen die neuen finanziellen Möglichkeiten viele Optionen offen. Die bisher in den Medien gehandelten Namen lassen aktuell vermuten, dass ein „Kracher“ aktuell noch nicht auf dem Radar steht.

Bamba oder Eduardo noch in der Verlosung

Jonathan Bamba wäre ablösefrei und der Brasilianer Carlos Eduardo, der in der zweiten Liga bei Goias FC spielt, würde zwischen 3,5 und 4,5 Millionen Euro kosten. Für die Position von Marius Wolf wurde Müller geholt, die Verpflichtung eines zweiten, möglicherweise talentierten Akteurs wäre durchaus sinnvoll. Die Frankfurter schauen sich mit Kaderplaner Ben Manga dafür vor allem auf dem südamerikanischen Markt um, der deutsche ist im Normalfall noch zu teuer für die Hessen.

Knackpunkt Ante Rebic

Ein Knackpunkt bei den Planungen spielt die Personalie Ante Rebic. Der WM-Teilnehmer ist für die Eintracht enorm wichtig und kaum zu ersetzen – nicht erst seit seinem Doppelpack im Finale des DFB Pokals gegen den FC Bayern München (3:1). Sollten die Frankfurter für ihn tatsächlich eine Summe im Bereich zwischen 30 und 40 Millionen erhalten, müssten sie Geld in die Hand nehmen und einen Nachfolger mit ähnlichen Fähigkeiten verpflichten.

Kleinerer Umbruch als geplant?

Möglicherweise fällt der Umbruch aber kleiner aus, wie zuvor prognostiziert. Kevin-Prince Boateng will bleiben, auch die Angreifer Luka Jovic und Sebastien Haller sind fest eingeplant. Mit Ausnahme von Omar Mascarell, den Real Madrid im kommenden Monat höchstwahrscheinlich verpflichten wird, steht derzeit kein Stammspieler im Fokus größerer Vereine. Eine selbstgewählte Veränderung könnte es in der Innenverteidigung geben: Trainer Adi Hütter will offensiver spielen lassen und benötigt dafür schnellere, spielstärkere Innenverteidiger. Jesus Vallejo wird genannt, seine Verpflichtung würde die Qualität in der Defensive deutlich erhöhen. Simon Falette hingegen könnte den Klub verlassen, der Franzose blieb konstante Leistungen auf hohem Niveau bislang schuldig.

Was passiert mit Stendera, Barkok und Hrgota?

Verkäufe könnte es auch noch im Mittelfeld geben. Marc Stendera will um seine Chance kämpfen, doch Hütter wird genau hinsehen, ob der 22-jährige den Ansprüchen seiner Spielidee entspricht. Bei Aymen Barkok wird ebenfalls über seinen Abgang nachgedacht, für das 20 Jahre alte Eigengewächs bietet der FC Turin offenbar eine Ablösesumme in Höhe von acht Millionen Euro. Die Verhandlungen laufen wohl, die Eintracht will an einem Weiterkauf partizipieren. Branimir Hrgota hingegen wird trotz Vertrags bis 2019 keine Ablöse mehr in die Kasse spülen, der Schwede könnte den Klub ablösefrei verlassen.

Welchen Weg geht die Eintracht?

Die Eintracht wird also genau überlegen müssen, welchen Weg sie jetzt einschlägt: Den Kader zusammenhalten, in der Breite verstärken und Spieler, die keine Rolle mehr spielten, durch etwas stärkere, aber nicht allzu teure, Akteure ersetzen? So könnten Rücklagen gebildet und weiter in die Infrastruktur investiert werden. Oder gehen die Hessen ins Risiko und geben das eingenommene Geld für Spieler, die auf dem Papier mehr Klasse versprechen, aus? Die Frankfurter – noch suchen sie nach dem für sie richtigen Weg.

Über Christopher Michel

Christopher Michel arbeitet hauptberuflich als Journalist und ist u.a. für die Sportabteilung des Hessischen Rundfunks tätig. Für fussball.news ist er insbesondere als Reporter vor Ort für Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und die deutsche Nationalmannschaft zuständig. Er ist Autor eines Buches über Eintracht Frankfurt ("Launische Diva", riva-Verlag), das hier bestellt werden kann: https://bit.ly/2J6EynZ

Diesen Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.