Interview am Morgen

Götz: „Ich bin immer noch Hertha-Fan“

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München – Update: Der 1. FC Saarbrücken hat am Mittwochvormittag bekanntgegeben, sich von Falko Götz einvernehmlich getrennt zu haben. fussball.news hat das Interview, das am Mittwochmorgen online gegangen ist, sich vergangene Woche, vor dem Rückrunden-Auftakt gegen Wormatia Worms, autorisieren lassen. Offenbar hat die 1:2-Niederlage gegen Worms zu einer schnellen Veränderung geführt.

Falko Götz arbeitet seit dieser Saison als Trainer und Sportlicher Leiter des 1. FC Saarbrücken in der Regionalliga Südwest. Das Ziel des Traditionsvereins ist die Rückkehr in die 3. Liga. Mit Aufstiegen kennt sich der Fußball-Lehrer nur allzu gut aus. Dieses Kunststück gelang ihm bereits mit der zweiten Mannschaft von Hertha BSC Berlin in der Saison 1998/99 und im Jahr 2009 mit Holstein Kiel. In beiden Fällen führte der Weg in die dritthöchste Spielklasse. In der Bundesliga stand Falko Götz bei Hertha BSC und 1860 München an der Seitenlinie und trainierte zudem Erzgebirge Aue in der 2. Bundesliga. Ein besonderes Abenteuer erlebte der 53-Jährige als Nationaltrainer vom Vietnam. 

fussball.news: Wir machen einen Sprung zu Ihrer aktiven Spieler-Karriere, in der Sie als Profi für den BFC Dynamo, Bayer Leverkusen, 1. FC Köln, Galatasaray Istanbul, 1. FC Saarbrücken und Hertha BSC spielten. Auf welche Station blicken Sie am liebsten zurück?

Götz: Zu allen Vereinen habe ich immer eine emotionale Bindung gehabt. Ich hatte mit Leverkusen Erfolg, beim 1. FC Köln bin ich als Spieler sehr gereift und bei Galatasaray habe ich den emotionalsten Fußball meiner Karriere kennengelernt. Mit Hertha BSC bin ich am Ende meiner Karriere in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Das sind alles tolle Erfahrungen gewesen und ich habe in meiner Spieler-Karriere überall viele positive Dinge erleben können. Als Berliner ist es für mich natürlich sehr schön gewesen, mit dem Aufstieg meine Karriere als Profi beendet und dort eine neue Karriere als Trainer gestartet zu haben.

fussball.news: Bei Kevin Großkreutz gab es die Situation, dass er in Istanbul nicht so gut zurechtkam. Wie war es damals, als Sie zu Galatasaray, Ihrer einzigen Auslandsstation, gewechselt sind?

Götz: Man muss sagen, dass damals ein anderer Wohlstand geherrscht hat. Wir sind nicht jedes Wochenende nach Hause geflogen und haben dadurch natürlich einen viel näheren Kontakt zu den Einheimischen bekommen. Dazu kam der sportliche Erfolg, der die ganze Emotionalität und Leidenschaft rund um den Fußball sehr schön gemacht hat. Der Fanatismus der Fans für ihre Vereine Fenerbahce, Besiktas und Galatasaray spielt in Istanbul eine große Rolle und wenn man da erfolgreich ist, kann man das sehr genießen. Meine Familie und ich hatten uns auf die Rahmenbedingungen sehr eingelassen.

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fussball.news: Welcher Erfolg war Ihr persönliches Karriere-Highlight?

Götz: Natürlich habe ich für Titel Fußball gespielt und da ich nie bei Bayern München unter Vertrag stand, durfte ich das nicht in Serie erwarten. Deswegen wiegt jeder Titel, den ich mit meinen Mannschaften geholt habe, sehr hoch. Egal ob der UEFA-Cup, die türkische Meisterschaft oder der Pokal, das sind alles Erfahrungen gewesen, die emotional sehr bedeutsam waren. Der sportlich wertvollste Titel war aber sicherlich der UEFA-Pokalsieg mit Bayer Leverkusen.

fussball.news: Als Sie Ihre Spieler-Karriere in Berlin beendeten, wurden Sie sofort Trainer der zweiten Mannschaft. War das bei Ihrem Wechsel zur Hertha von Anfang klar?

Götz: Ich habe bei Hertha BSC leider einen sehr unglücklichen Start gehabt, da ich mir nach vier Wochen die Achillessehne gerissen hatte. Dadurch war ich sehr lange verletzt. Im Aufstiegsjahr 1996/1997 habe ich noch zwanzig Spiele gemacht, musste aber feststellen, dass ich am Karrieren-Ende angelangt war. Meine Gesundheit spielte nicht mehr mit, sodass ich häufiger bei der Physiotherapie als auf dem Trainingsplatz war.

Damals kam mit Dieter Hoeneß ein neuer sportlicher Leiter zu Hertha BSC, der mir angeboten hatte, meine Trainerscheine zu machen und dann in der neuen Saison eine Mannschaft als Chef-Trainer zu übernehmen . Das Angebot habe ich damals sehr gerne angenommen, weil ich darin die Chance für meine Trainer-Karriere sah. So wurde ich zu allererst Trainer der U23 von Hertha, die ich zwei Jahre lang betreute – und baute danach die Jugendakademie als Nachwuchskoordinator mit auf.

fussball.news: Bei Hertha BSC wurden Sie auch Trainer der Profi-Mannschaft. In der Rückserie 2002 waren Sie Interims-Trainer, von 2004 bis 2007 waren Sie Cheftrainer der Hertha. Besteht nach wie vor eine Verbindung zum Verein und wie betrachten Sie die Leistung in der laufenden Saison?

Götz: Ich habe nach wie vor einen guten Kontakt zu Hertha BSC. Mein ehemaliger Assistenztrainer Andreas Thom arbeitet bis heute dort. Wir sind privat sehr gut befreundet. Dadurch, dass meine Eltern in Berlin wohnen, bin ich öfter dort und lasse mich dann immer wieder mal bei Hertha blicken. Die laufende Saison ist natürlich eine tolle Geschichte. Man hat in der Tabelle keinen Druck und kann frei aufspielen. Das freut mich natürlich, denn obwohl ich dort nicht mehr arbeite, bin ich immer ein Fan der Hertha geblieben.

fussball.news: Zurzeit befindet sich Hertha BSC auf dem dritten Tabellenplatz in der Bundesliga. Was trauen Sie der Mannschaft Ihres Ex-Spielers Pal Dardai in dieser Saison noch zu? Ist die Qualifikation für die Champions League möglich?

Götz: Immer langsam. Das, was bisher geleistet wurde, sollte jede Woche bestätigt werden – und wenn am Ende eine Platzierung im vorderen Drittel herauskommt, sollte man sehr glücklich sein. Wenn es ein internationaler Platz wird, wäre das eine super erfolgreiche Saison für die Hertha.

fussball.news: Sie waren zwischendurch Nationaltrainer im Vietnam. Wie kam dieses Engagement zustande und wie war die Zeit dort?

Götz: Das war eine sehr schöne Zeit, in der ich die Nationalmannschaft und die Olympia-Auswahl in Personalunion betreut hatte. Es gab einerseits den Lehrauftrag, junge Trainer auszubilden, und andererseits ging es darum, den vietnamesischen Fußball nach vorne zu bringen. Das Engagement kam über die vietnamesische Botschaft in Berlin zustande, die meine Arbeit über viele Jahre beobachtet hat. Deren Profil schrieb einen jungen Trainer vor, der einerseits mit den Top-Stars arbeiten und andererseits auch in der Ausbildung Akzente setzen kann. So sind wir damals zusammengekommen.

Ich betreute dann die A-Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation und die Olympia-Auswahl bei den Südost-Asien-Spielen, bei denen wir sogar ins Halbfinale eingezogen sind. In der Weltrangliste sind wir vom 155. Platz in die Top 100 geklettert. Ich habe in dieser Zeit ein tolles Land und tolle Menschen kennengelernt. Allerdings gab es auch einige Arbeitsmethoden, die mir dort nicht gefielen. Daher war die Zusammenarbeit nach einem Jahr auch wieder beendet.

fussball.news: Herr Götz, vielen Dank für die spannenden Einblicke in Ihre Karriere. Wir wünschen Ihnen mit dem 1. FC Saarbrücken viel Erfolg für die Rückrunde.

Über Marcel Pramschüfer

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