Bundesliga

Kampl auf die Ersatzbank! Die Lehren des 1. Bundesliga-Samstag

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München – Schalke 04 verliert in Frankfurt, Dortmund bezwingt Mainz knapp. Die Lehren des Bundesliga-Samstag:

Borussia Mönchengladbach – Bayer Leverkusen: 2:1

Manche werden nun sagen: Leverkusen hat zum Angriff auf Platz zwei und dezent auf Platz eins geblasen – und sofort versagt „Vizekusen“ wieder und verliert in Gladbach. Allerdings: Gladbach spielte überragend, vor allem zu Hause – und es kann durchaus sein, dass Gladbach wie Leverkusen sich mit Dortmund um Rang zwei streiten. Mentalität und Offensivspiel der Gladbacher waren wieder überragend, die Frage bleibt: Legt Gladbach seine chronische Auswärtsschwäche ab?

Trainer Roger Schmidt sollte Kevin Kampl die nächsten drei Spiel auf die Ersatzbank verbannen – als Erziehungsmaßnahme für eine unfassbar schwache Leistung. Nach einem Foul an der Seitenlinie in der Gladbacher Hälfte drehte sich Kampl vom Ball weg und beschwerte sich Richtung Schiedsrichter Brych über die Entscheidung – in dem Moment total unwichtig, eine absolut belanglose Entscheidung eigentlich. Doch Christoph Kramer nahm schnell den Ball, drosch ihn nach vorne, Tah war noch nicht rechtzeitig in Position, weshalb er den Ball nach hinten köpfte, Hahn schaltete am schnellsten und markierte das 1:0. Nebensache dabei, dass der Ball beim Freistoß nicht ganz geruht hatte. Man lernt schon in der C-Jugend im Mittelfeld schnelle Freistöße zu unterbinden. Später trifft Kampl bei einer Großchance nur den Außenpfosten, ein Abspiel zu den Teamkollegen in der Mitte wäre besser gewesen – und er legte sich unnötig mit Gladbach-Kapitän Lars Stindl an, woraufhin Bellarabi schlichten wollte, Stindl schubste und die Gelbe Karte sah. Ein Denkzettel für Kampl wäre jedenfalls eine nachvollziehbare Maßnahme.

Leverkusen bleibt das Verletzungspech treu – oder ist es ein Strategiefehler? Leverkusen hat sich in Sturm (Volland), Mittelfeld (Baumgartlinger) und Abwehr (Dragovic) mit jeweils einem Star verstärkt. Kritiker sagen, dass war zu wenig, um Dortmund und Bayern anzugreifen. Die Leverkusener argumentierten: Wenn sie erstmal vom Verletzungspech verschont bleiben, werden sie keine Krisenphasen wie letzte Saison durchlaufen (zwischenzeitlich Tabellenrang acht). Nun sind aber wieder Spieler verletzt, die auch letzte Saison ihre Verletzungsanfälligkeit unter Beweis gestellt hatten: Chicharito, Stefan Kießling – und nun gegen Gladbach verletzte sich Charles Aranguiz, der schon fast die komplette letzte Saison fehlte. Ein paar Tage bleiben Leverkusen, um weiter nachzurüsten. Denn mit einem verletzten Aranguiz und einem schwachen Kampl holt Leverkusen weder im Pokal noch in der Bundesliga große Trophäen.

Eintracht Frankfurt – Schalke 04: 1:0

Carlo Ancelotti sagt in München, er sei kein Zauberer – gleiches gilt für Markus Weinzierl. Er hat große Euphorie ausgelöst, doch um ein mehrere Jahre destruktiv arbeitendes Schalke zu reformieren, braucht er nicht sechs Wochen Zeit – sondern 60 Wochen! Schalke muss aufpassen, an den ersten zehn Spieltagen den Anschluss an die Top Sechs nicht abreißen zu lassen.

Nur ein Zugang (Naldo) in der Startelf von Schalke – ansonsten hatte die alte Schalker Garde nochmal die Chance, sich zu beweisen. Entweder verunsichern die neuen Konkurrenten das Team – oder es fehlt eben Qualität, die nun nachgekauft wurde.

Alex Meier vergibt einen Elfmeter, erzielt aber das Siegtor der Frankfurter. Bleibt er gesund, wird er mit Lewandowski und Aubameyang um die Torjäger-Kanone wieder kämpfen.

Die Kovac-Brüder reformieren seit drei Monaten Frankfurt – es sieht gut aus, dass die Eintracht in die Top Ten der Bundesliga zurückkehrt.

Borussia Dortmund – Mainz 05: 2:1

Andre Schürrle war der Mann des Spiels. Mit einer Traumflanke bereitete er das 1:0 vor, wirbelte auf dem Flügel und holte auch den Elfmeter zum 2:0 in der Schlussphase heraus. Es ist nur ein Spieltag, aber wenn Schürrle so weiter macht, wird er die Überraschung und der Star der Saison.

Aubameyang trifft zwei Mal – jubelt aber immer per Salto. Zuvor hatte er einen neuen Jubel in Sachen PokemonGo angedeutet. Aber noch folgen 33 Spieltage.

Mainz zeigte einen schwachen Auftritt – Steigerung dringend nötig. Da darf auch der Anschlusstreffer in der Schlussminute von Muto nicht darüber hinwegtäuschen.

FC Augsburg – VfL Wolfsburg: 0:2

Hier muss man Klartext sprechen: Augsburg ohne System Weinzierl steht auf verlorenem Posten. Dirk Schuster muss sehr schnell, seine Ideen noch intensiver an seine Mannschaft übermitteln. Vor dem 0:1 standen vier Gegenspieler am Strafraum frei. Beim 0:2 patzten Freistoß-Mauer und Keeper Marwin Hitz. Ohne gute Defensiv-Leistung geht es runter in Liga 2.

Wow! Der VfL Wolfsburg ist unfassbar negativ vom Transfermarkt beeinflußt worden – und dennoch legten die Spieler eine gute Einstellung an den Tag. Zugang Daniel Didavi überzeugte nicht zuletzt durch seinen 13-Meter-Knaller zum 1:0.

Bas Dost zieht es wohl nach Lissabon, das 1:0 legte er aber nochmal sensationall per Brust auf für Didavi – schöner Abschied des Niederländers.

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1.FC Köln – Darmstadt 98: 2:0

Darmstadt hat neben Bremen und Augsburg den Eindruck bestätigt, zu den drei Teams zu zählen, die über die Saison wohl in größte Abstiegsgefahr geraten werden. Köln unterlegte Darmstadt 90 Minuten mit Dauer-Torschussfeuer, vor dem 0:1 ließen sich vier Darmstädter von Bittencourt düpieren. Klar, Darmstadt wurde von der Konkurrenz kaputtgekauft, sieben Zugänge sind nicht leicht zu integrieren. Aber die Hessen müssen sich deutlich steigern, um auswärts wieder zu punkten (letzte Saison: Top 5 in der Auswärtstabelle).

Kommt Köln in den Europacup? Die Fans träumen, die Verantwortlichen warnen. Darmstadt war nun einfach kein anspruchsvoller Gegner, um bereits eine Prognose zu treffen.

Anthony Modeste, Torschütze zum 2:0, haben die Kölner Fans das Transfer-Hickhack – Modeste wollte für einen kurzen Moment Richtung England wechseln – verziehen. Der Franzose traf wie immer – die Fans jubelten ihm wie immer zu.

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Hamburger SV – FC Ingolstadt: 1:1

Die Hamburger ärgerten sich darüber, in der vergangenen Saison einige Punkte aufgrund von Unkonzentriertheiten liegen gelassen zu haben. Man könnte auch sagen, es fehlte die Qualität, um in wichtigen Momenten den entscheidenden Big Point zu sichern. Mit großen Investitionen, u.a. kam Filip Kostic für 14 Millionen Euro aus Stuttgart, sollte sich das diese Saison nun ändern. Das Team wirkte aber noch nicht eingespielt – und jagte sich in der Schlussphase durch einen Querschläger von Cleber quasi selbst das 1:1 ins Tor.

Der HSV konnte offensiv in der 2. Halbzeit und nach dem Gegentor nicht mehr zulegen. Die Rufe nach Alen Halilovic, gekommen als Talent vom FC Barcelona, in der Startelf dürften lauter werden.

Ingolstadt ist auch unter Trainer Markus Kauczinski für Gegner einfach ungenießbar: Bissig in den Zweikämpfen, wenige Chancen, aber effektiv vor dem Tor – und der Gegner kommt zu wenig Chancen. Auch wenn Ingolstadt gegen den Abstieg kämpft, die Mannschaft wirkt intakt und besser aufgestellt als etwa Bremen, Augsburg oder Darmstadt.

Über Daniel Michel

Daniel Michel gründete im Dezember 2015 fussball.news. Der Münchner arbeitet seit zehn Jahren als Journalist. Zu seinen Stationen zählen u.a. die Portale von Sport1 und Eurosport. Außerdem war er für Sport-Medien innerhalb der Perform-Group tätig. Er ist Co-Herausgeber einer Buchreihe und Autor eines Buches über den FC Bayern ("Münchens wahre Liebe", riva-Verlag).

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