Bundesliga

Lell über van Gaal: Fachlich gut! „Aber mit dem Menschen bin ich nicht warm geworden…“

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München – Es ist ruhig geworden um Christian Lell, der inzwischen Immobilien-Unternehmer ist und nach einem familiären Schicksalsschlag eine Mukoviszidose-Stiftung (genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung) gründete. Beim FC Bayern München hatte er trotz großer Konkurrenz einige starke Jahre – bis Louis van Gaal 2009 kam.

Lells Blütezeit unter Ottmar Hitzfeld

Christian Lell wird die Saison 2007/08 unter Ottmar Hitzfeld nie vergessen. Obwohl die Konkurrenz gewaltig war und millionenschwere Topstars kamen, setzte sich der Rechtsverteidiger durch und wurde Stammspieler. Etwas Glück gehörte freilich dazu: Willy Sagnol war häufig nicht einsatzbereit.

Knackpunkt gegen Werder

Und dann kam der zweite Spieltag, an dem für die Münchener im damaligen Spitzenspiel gegen den SV Werder Bremen alles lief. Lell blickte im kicker zurück: „Ich hatte Riesenglück, weil wir einen Supertag erwischten und 4:0 gewannen. Ribery war eine Sensation. Ich konnte mich gut präsentieren, Willy ist danach weiter ausgefallen. Am Saisonende hatten wir das Double, mein sportlicher Höhepunkt.“

Schwierigkeiten unter Klinsmann

So gut ging es allerdings nicht mehr weiter. Unter Jürgen Klinsmann pendelte Lell zwischen Platz, Bank und Tribüne, weil mit Massimo Oddo ein neuer Mann geholt wurde und häufig spielte, obwohl die Leistungen schwankend waren. Der endgültige Untergang war dann die Partie im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona: „Klinsmann musste improvisieren, stellte mich auf links, Breno in die Innenverteidigung, Butt löste Rensing im Tor ab. Zur Halbzeit stand es 4:0, es kam alles zusammen. Kurz darauf musste Klinsmann gehen.“

Keinen Nenner gefunden mit van Gaal

Mit Nachfolger Louis van Gaal fand der inzwischen 32-Jährige keine Verbindung. Schon nach dem ersten Händedruck war klar, dass es keine Verbindung zwischen ihm und dem Niederländer geben würde: „Vom Trainer war ich fachlich begeistert. Aber mit dem Menschen bin ich nicht warm geworden. Das konnte ich auch sportlich nicht ausmerzen.“

Hertha-Zeit endet genauso abrupt…

Nach seinem Wechsel zu Hertha BSC erlebte er einen guten Start – bis es in den Abwärtsstrudel ging und auch Otto Rehhagel den Abstieg nicht mehr verhindern konnte. Die entscheidenden Spiele bedeuteten das traurige Ende für Lell: „Der negative Höhepunkt war das Relegationsrückspiel in Düsseldorf mit dem Abstieg, aus dem ich mit fünf Spielen Sperre rausging. Kurz zuvor hatte ich meinen Vertrag verlängert, war Kapitän und wollte dort meine Karriere beenden.“

… wie die Karriere

Bei UD Levante fasste er noch einmal Fuß und befand sich 2014 in der Blüte der Karriere. Doch der Tod von Schwester Marie-Therese, die an Mukoviszidose erkrankt war, sorgte für ein sofortiges Umdenken und Karriereende. Von einer Sekunde auf die andere war Schluss mit Fußball – eine Entscheidung, die der heutige Unternehmer Christian Lell nicht bereut hat.

Über Christopher Michel

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