Bundesliga

Mascarell: „Wir sind alle im Kampf gegen Rassismus gefragt!“

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Das Interview mit Omar Mascarell in der Loge der Commerzbank-Arena führte für fussball.news Reporter Christopher Michel. Mitarbeit: Stefan Katzenbach.

Omar Mascarell hat eine mehrmonatige Leidenszeit hinter sich gebracht. Der 24-jährige Spanier schleppte sich lange Zeit mit Achillessehnenproblemen durch die Saison. Im DFB-Pokal-Halbfinale am 27. April vergangenen Jahres gegen Borussia Mönchengladbach war dann aber Schluss: Die Schmerzen wurden zu groß und seitdem fiel der defensive Mittelfeldspieler aus. Die konservative Behandlung schlug fehl und so folgte im Juli die Operation. Mascarell kehrte Anfang Dezember auf den Trainingsplatz zurück und verpasste im Trainingslager in Murcia keine Trainings-Einheit. Mit fussball.news spricht Omar Mascarell nun über seinen Gesundheitszustand, er wagt einen Ausblick für die Rückrunde und er springt Teamkollege Kevin-Prince Boateng im Kampf gegen Rassismus zur Seite. (Foto oben: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

fussball.news: Wie geht es Ihnen nach einer Woche Trainingslager und den ersten Trainingseinheiten wieder in Deutschland?
Omar Mascarell: Mir geht es sehr gut. Es gab schon vor Weihnachten die klare Tendenz, dass ich immer näher an die Mannschaft heranrücke. Das hat sich im neuen Jahr bestätigt. Ich kann normal mit der Mannschaft trainieren und bin völlig schmerzfrei. Das ist wirklich kontinuierlich besser geworden. Jetzt haben die 45 Minuten im Testspiel gegen Aue (3:1, Anm. d. Red.) auch dazu beigetragen, dass ich mich wieder voll und ganz auf den Fußball einlassen kann. Ich genieße es, dass zu tun, was ich am liebsten mache.

OM39 ⚽️🙏🏽

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fussball.news: Man spürt Ihre Freude nach langer Pause förmlich auf dem Feld. Letztes Jahr fehlten Sie verletzungsbedingt im Pokalfinale gegen Dortmund (1:2). Wie groß ist die Sehnsucht, die Reise nach Berlin mit der Mannschaft zu wiederholen?
Mascarell: Ganz ehrlich: Wir müssen alles daran setzen, wieder ins Finale zu kommen. Es war für mich sehr bitter, dass ich in der Schlussphase nicht mehr dabei sein konnte. Ich werde alles dafür tun, dass wir wieder ins Endspiel kommen. Wenn das der Fall sein sollte, wollen wir das Endspiel auch gewinnen.

fussball.news: Sie sind 2010 zu Real Madrid gewechselt und starteten dort in der U19-Auswahl mit großem Erfolg. Was hat Sie bei Real besonders beeindruckt?
Mascarell: Zunächst hatte ich das große Glück, bei Real Madrid unter Vertrag genommen zu werden und mich dort weiterentwickeln zu können. So ein Verein überlässt nichts dem Zufall: Bei Real wird man fußballerisch und als Mensch enorm weit nach vorne gebracht. Auf den Fußball bezogen ist es klar, dass ich technisch und taktisch sehr viel dazu gelernt habe. Es ist ja generell der Tenor in Spanien, dass man da viele Spieler vorfindet, die technisch und taktisch gut ausgebildet sind. Insofern war das eine wertvolle Zeit für mich.

fussball.news: Gibt es etwas, was die Deutschen nachahmen sollten bei der Ausbildung von Spielern?
Mascarell: Ich denke, Deutschland braucht sich in keinster Weise verstecken. Wir haben eine Liga, wo einfach Vollgas-Fußball gespielt wird und ich finde, dass auch die Qualität in der Bundesliga stetig zugenommen hat. Es geht in den Spielen rasant zu. Insofern fühle ich mich genau am richtigen Ort.

fussball.news-Reporter Christopher im Gespräch mit Eintracht-Mittelfeldspieler Omar Mascarell. Mit dabei: Dolmetscher Stephane Gödde (li.). Foto: Carsten Knoop

fussball.news: Sie haben echte Weltklasse-Trainer erlebt: Jose Mourinho, Carlo Ancelotti, Zinedine Zidane. Wie viel erkennen Sie davon in Niko Kovac wieder und was trauen Sie ihm zu?
Mascarell: Man kann zweifellos sagen, dass Niko Kovac sehr gute Arbeit leistet. Er ist ein sehr ambitionierter und immer noch junger Trainer. Ich glaube, Niko Kovac ist ein Trainer, der diese Einstellung im Training und bei Spielen vorlebt. Er will jedes Spiel gewinnen. Ihm entgeht nichts, ganz gleich ob im spielerischen Bereich oder auch mal in Sachen Einstellung.  Er ist ein Top-Trainer, und ich denke, er wird sicherlich noch große Erfolge feiern.

fussball.news: Kovac ist ja auch Ihr Förderer…
Mascarell: Ich habe von Beginn an gespürt, dass Niko Kovac mich fordert und fördert. Ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er mir dieses Vertrauen geschenkt hat. Und ich will weiter hart an mir arbeiten, damit dieses Vertrauen weiter fortbesteht und wir auch als Mannschaft gute Resultate erzielen. Davon profitieren wir letztlich alle, egal ob es sich um Spieler oder Trainer handelt.


Die Karriere von Omar Mascarell

  • Geboren am 2. Februar 1993 in Santa Cruz de Tenerife
  • Start in der Jugend bei UD Santa Cruz
  • 2010: Wechsel in die U19-Auswahl von Real Madrid
  • Debüt in der Primera Division am 1. Juni 2013
  • Ausleihe zu Derby County (2014) und zu Sporting Gijon (2015)
  • 2016: Frankfurt verpflichtet Mascarell für die Ablöse von 1 Mio. Euro
  • Aktueller Marktwert laut transfermarkt.de: 4,5 Millionen Euro
  • Vertrag bei Eintracht Frankfurt bis 2019

fussball.news: Das Team wirkt unheimlich gefestigt. Kevin-Prince Boateng sagte zuletzt in der Presserunde, die Stimmung sei gut in der Mannschaft. Woran machen Sie das konkret fest?
Mascarell: Ich glaube, wir können nur optimistisch und positiv in die Zukunft blicken. Wir haben einen gut besetzen Kader und mit den Neuzugängen vor der Saison (u.a. Sebastien Haller und Ante Rebic, Anm. d. Red.) durchaus noch Qualität hinzugewonnen. Sie haben sich sehr gut und sehr schnell integriert und viel Positives in einen bereits gut funktionierenden Kader mit eingebracht. Ich denke, diese Qualität ist auch auf dem Platz zu sehen. Wir treten sehr geschlossen auf. Es hilft natürlich gerade in engen Duellen, positive Ergebnisse zu erzielen, damit wir dann dauerhaft Erfolg haben.

fussball.news: Wie optimistisch sind Sie für den Rückrunden-Auftakt?
Mascarell: Wir blicken zuversichtlich in Richtung Rückrunde. Wir wissen aber auch, dass wir für den Erfolg weiterhin hart arbeiten müssen und die Einstellung stimmen muss. Wenn wir den Klassenerhalt frühzeitig perfekt machen, dann ist aber auch klar, dass wir uns nach oben hin keine Grenzen setzen.

fussball.news: Sind Sie schon bereit für die Startelf?
Mascarell: Ich bin bereit. Es hängt aber nicht von mir ab, der Trainer fällt die Entscheidung. Egal wie er sich entscheidet, soll er wissen, dass ich bereit bin. Ich werde aber auf jeden Fall seine Entscheidung akzeptieren, egal wie sie ausfällt.


YOUTUBE-Video: Die besten Tricks und Tore von Omar Mascarell


fussball.news: Kevin-Prince-Boateng will sich im Kampf gegen Rassismus engagieren und dazu eine Gruppe gründen. Würden Sie ihn dabei unterstützen?
Mascarell: Ich würde ihm ohne Zweifel sofort meine Hilfe anbieten. Ich glaube, dass wir alle im Kampf gegen Rassismus gefragt sind. Es ist einfach eine Schande – man kann es gar nicht anders bezeichnen – dass es so etwas gibt. Leider wird Rassismus immer wieder von einer kleinen, aber gefährlichen Minderheit verbreitet. Gegen diese Minderheit sollte man angehen und gegen diese Einstellung klare Kante zeigen. Je mehr Menschen sich gegen Rassismus auflehnen, desto eher können wir das Problem in seine Schranken weisen.

fussball.news: Haben Sie schon einmal einen solchen Vorfall erlebt?
Mascarell: Ich persönlich habe es noch nicht erlebt, aber ich kann mich sehr gut in eine solche Lage versetzen. Es würde mir sehr weh tun, wenn mich jemand rassistisch beleidigt. Deswegen muss diesen Vorfällen ein Ende gesetzt werden.

Über Christopher Michel

Christopher Michel arbeitet hauptberuflich als Journalist und ist u.a. für die Sportabteilung des Hessischen Rundfunks tätig. Für fussball.news ist er insbesondere als Reporter vor Ort für Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und die deutsche Nationalmannschaft zuständig. Er ist Autor eines Buches über Eintracht Frankfurt ("Launische Diva", riva-Verlag), das hier bestellt werden kann: https://bit.ly/2J6EynZ

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