Bundesliga

Nach Allofs-Entlassung – die große Manager-Krise in der Bundesliga im Überblick:

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München – In den vergangenen Jahren wurde allgemein die Machtposition des Trainers geschwächt, die des Managers beziehungsweise Sportdirektors gestärkt. In den vergangenen Monaten fallen den Klubs aber Entscheidungen auf die Füße – zahlreiche Vereine besitzen ein Problem auf dem Manager-Posten. Der Überblick von fussball.news:


VfL Wolfsburg

Diesen Montag war es nun offiziell: Manager Klaus Allofs wurde nach vier Jahren Dienstzeit vorzeitig entlassen. Er hatte zu lange an Trainer Dieter Hecking festgehalten, mit Valerien Ismael den falschen Nachfolger ausgewählt – und in zwei Transferperioden ziemlich viele Fehlentscheidungen getroffen, man denke nur an „Fehleinkauf“ Julian Draxler.

Aufsichtsrat-Vorsitzender Francisco Javier Garcia Sanz erklärte: „Nach eingehender Analyse in den vergangenen Wochen haben wir uns dazu entschlossen, auf seiner Position angesichts der aktuell schwierigen sportlichen Situation einen Neuanfang zu machen. Dieser Schritt war reiflich überlegt, ist uns aber eingedenk der Leistungen von Klaus Allofs für den Verein und unseres guten persönlichen Verhältnisses zu ihm nicht leichtgefallen.“ Klaus Allofs ließ sich zitieren: „Es ist für mich persönlich ein trauriger Tag. Nach intensiven Gesprächen sind wir zum Wohl des VfL Wolfsburg zu dieser Entscheidung gekommen.“ Der Aufsichtsrat hat nun Geschäftsführer Wolfgang Hotze die Aufgabe des Sprechers der Geschäftsführung übertragen. Als Leiter Sport bleibt weiterhin Olaf Rebbe verantwortlich. Gut möglich, dass aber bald ein neuer starker Mann nach Wolfsburg kommt und einen Neuanfang einleiten wird. Im Gespräch waren unter anderem Horst Heldt und Jens Todt.


FC Bayern München

Bei den Bayern arbeitet kein Manager schlecht – es gibt nur einfach gerade keinen. Das beklagte auch Präsident Uli Hoeneß am Wochenende nochmals. Es müsse einen Ansprechpartner für Mannschaft und Vorstand geben, so Hoeneß in Bild und Bild am Sonntag. Auch auffällig: Zahlreiche Vertragsgespräche ziehen sich in die Länge, im Sommer wurden nur zwei große Transfers getätigt und ein Götze-Ersatz fehlt bis heute. Eine Folge der vakanten Stelle? Bis Sommer 2017 soll die Position nun besetzt sein. Nachfolge-Kandidat könnte Gladbachs Max Eberl sein.


Borussia Mönchengladbach

Die Gladbacher können als eine der wenigen Bundesliga-Klubs mit ihrem Manager eigentlich zufrieden sein. Doch das drohende Problem: Der Erfolg der vergangenen Jahre ist eng mit Manager Max Eberl verbunden. Sollte er in wenigen Monaten doch zum FC Bayern gehen, droht Borussia eine Zäsur die noch einschneidender wäre, als der Abgang von Trainer Lucien Favre 2015.


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Werder Bremen

Thomas Eichin war bis zum Sommer über zwei Jahre Manager von Werder Bremen. Seine Bilanz gilt als umstritten. Auffällig ist in jedem Fall: Mit Trainer Robin Dutt lag Eichin daneben, zahlreiche seiner Transfers floppten und werden nun von seinen Nachfolgern aussortiert. Der aktuelle Manager Frank Baumann räumte selbst wiederum ein, zu lange an Coach Viktor Skripnik festgehalten zu haben. Baumann ist Novize im Manager-Geschäft – er versucht sich aber in seine Aufgabe noch besser einzuarbeiten, damit Werder eine „Baustelle“ weniger hat.


Darmstadt 98

Dirk Schuster war bis zum Sommer und seinem Wechsel nach Augsburg quasi Trainer und Manager in einem. Die Konkurrenz kaufte nach dem Klassenerhalt Darmstadt kaputt, kein Manager konnte den Niedergang stoppen. Mit Holger Fach beförderten die Lilien einen fähigen Mann nach oben – doch Fach trat aus Solidarität nun gemeinsam mit dem entlassenen Trainer Norbert Meier ab.


HSV

Viele sprechen vom Chaos-Klub Hamburger SV – am Sonntag wurde Klubchef Dietmar Beiersdorfer entlassen, der zugleich auch den Manager-Posten seit Sommer ausfüllte. Ihm misslangen Transfers, die Außendarstellung des Klubs wirkte unglücklich und mindestens fünf Kandidaten sagten offenbar für den Sportchefposten ab. Da der HSV ohnehin seit drei Jahren um den Klassenerhalt kämpft, musste Beiersdorfer gehen. Der neue Klubchef Heribert Bruchhagen soll nun gleich einen neuen Sportdirektor mitbringen.


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Leverkusen

Sportdirektor Rudi Völler und Manager Jonas Boldt haben zahlreiche Erfolge mit Leverkusen verbucht – doch seit dem Sommer läuft es nicht rund bei der Werkself. Die drei Haupt-Neuzugänge Kevin Volland, Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic sind bislang eher eine Schwächung als eine Verstärkung für das Team. Nun trennte sich Leverkusen von Athletik-Trainer Bartlett – offenbar gegen den Willen von Trainer Roger Schmidt. Und an Roger Schmidt halten Völler und Boldt noch fest, obwohl es bei Schmidt viele Anzeichen gibt, die darauf hindeuten, dass er die Werkself nicht weiterentwickeln kann. Völler und Boldt stecken quasi in einer Mini-Krise, aus der sie aber sicherlich nicht als Verlierer herausgehen werden. Dafür war ihre Arbeit in den vergangenen Jahren zu gut.

Über Daniel Michel

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