EM 2016

Siegenthaler veräppelt Scholl

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München – TV-Experte Mehmet Scholl hat vor einem Millionen-Publikum in der ARD DFB-Chefscout und Berater Urs Siegenthaler heftig für seine Arbeit attackiert. Nun kontert der Schweizer.

Siegenthaler: „Habe Scholl nichts getan“

„Ich weiß nicht, was ich Herrn Scholl getan habe. Jeder kann erzählen, was er will – frei und unbefangen. Sich so zu äußern, ist Scholls gutes Recht. Ich kenne ihn allerdings persönlich nicht“, sagte Urs Siegenthaler zunächst ganz diplomatisch der Bild-Zeitung. Dann legte Siegenthaler doch nach: „Vor 1000 Jahren haben die Menschen die Erde auch nicht als Kugel gesehen.“ Damit gemeint ist wohl: Scholl versteht moderne Spielanalyse und Taktik nicht und verharrt in altem Fußball-Gedankengut.

Scholl ärgerte sich über Umstellung auf Dreierkette

[inline-ad] Am Samstag hatte Scholl nach dem Sieg von Deutschland über Italien (6:5 i.E.) in der ARD gesagt: „Der Herr Siegenthaler möge bitte seinen Job machen, morgens liegen bleiben, die anderen zum Training gehen lassen und nicht mit irgendwelchen Ideen kommen. Ich weiß nicht, ob es nur Siegenthaler ist, aber Jogi Löw wacht nicht nachts auf und sagt: ‚Dreierkette, Dreierkette, Dreierkette!‘“

Siegenthaler ist seit 2004 im Amt

Scholl ist überzeugt: Deutschland wäre gegen Italien dominanter und zielstrebiger aufgetreten, wenn Bundestrainer Joachim Löw nicht sein System an den Stärken der Italiener ausgerichtet hätte. Als Initiator der Umstellung in der Abwehr machte er den 68-jährigen Siegenthaler aus, der seit 2004 die Deutschen berät und auf den Gegner, seine Gewohnheiten und die Mentalität vorbereitet.

Mehr Vertrauen in eigene Stärke

In der ARD führte Scholl aus, dass Vertrauen in die eigene Stärke und Konstanz bedeutender sein sollten für Löw. Er machte seine These an den Ergebnissen fest: „2008: angepasst und gegen Spanien im Finale verloren. 2010: angepasst an die Spanier – rausgeflogen. 2012: angepasst an die Italiener – rausgeflogen. Und jetzt kommt der Clou: 2014 hat Löw der Mannschaft vertraut und ab dem Viertelfinale mit der gleichen Aufstellung gespielt. So gewinnt man Titel!“

Löw rechtfertigte sich

Joachim Löw selbst hatte sich bereits gerechtfertigt für seine Aufstellung: „Die Dreierkette war dringend notwendig. Italien spielt anders als die Slowakei mit zwei hohen Außen und zwei Stürmern. Da mussten wir das Zentrum zumachen.“

Bierhoff ist sauer auf Scholl

DFB-Manager Oliver Bierhoff hat am Sonntag bereits die Vorwürfe von Scholl zurückgewiesen: „Was uns unglaublich ärgert – und das kann nicht sein – der Mehmet kennt unsere Abläufe nicht (…), eigentlich hat er den gesamten Trainerstab irgendwie damit angegriffen.“ Bierhoff führte aus: „Wer Jogi kennt – der ist ein Taktik-Fuchs. Er hat klare Vorstellungen über das, was er machen will, er bespricht sich mit seinen Fachleuten, mit seinen Co-Trainern, mit Andi Köpke, mit den Scouts. Also es sind viele Experten, die hier wirklich sehr gute Arbeit machen. Das war eigentlich unmöglich, wie Mehmet das dargestellt hat.“

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