Bundesliga

Wie gut wird Kolasinac beraten?

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München – Um das Thema Sead Kolasinac und seine Wechseloptionen ist ein großer medialer Hype entstanden. Manche Meldungen deuten daraufhin, dass Kolasinac zu Juventus Turin wechselt. Auch Bayern München wird aber als Option genannt. Großen Einfluß auf seine Entscheidung dürfte wohl Berater Gordon Stipic und die Berater-Agentur ISMG  (International Sports Management GmbH) haben.

 

 

Vertrag endet im Sommer

Im Sommer läuft der Vertrag von Sead Kolasinac auf Schalke aus. Der Linksverteidiger, der in dieser Saison in der Regel eher als linker Mittelfeldspieler agierte, hat die freie Wahl. Doch nicht immer mag das ein Vorteil sein – viele Profis und Berater haben in solchen Situationen schon entscheidende Fehler begangen. Die Gefahr besteht, dass auch Kolasinac nicht die passende Entscheidung trifft, auch wenn er zuletzt betonte: „Ich weiß, was ich will.“

2011 Wechsel aus Stuttgart

Kolasinac kam 2011 aus Stuttgart nach Schalke, er diente sich langsam, aber müßig bei Königsblau nach oben. Im Grunde ist es so, dass Kolasinac, wenn es hoch kommt, in diesen sechs Jahren erst rund 30 sehr gute Spiele für Schalke absolviert hat, die meisten davon in dieser Saison. Der Hype um ihn könnte dazu führen, dass sich er und sein Berater womöglich überschätzen.

Darum entstand der Hype

Warum ist der Hype überhaupt entstanden? Kolasinac hatte Ende Oktober 2016 beim Derby in Dortmund mit bedingungsloser Härte den Dortmunder Stars den Schneid fast im Alleingang abgekauft – das Spiel ging auch dank Kolasinac 0:0 aus. Erstaunlich: Kurz danach bat Kolasinac darum, dass Schalke auf ihn mit einer Vertragsverlängerung zukommt. Man hatte fast den Eindruck, er sei enttäuscht, dass Schalke mit ihm offenbar noch nicht gesprochen hatte. Und er erweckte klar den Eindruck, auf Schalke bleiben zu wollen. Doch durch sein Top-Spiel stiegen Aufmekrsamkeit bei Medien und internationalen Top-Klubs – und plötzlich kam natürlich auch Berater Gordon Stipic ins Spiel. Zuletzt eben wurde Stipic in Turin gesehen, es soll positive Gespräche mit Juventus gegeben haben. Auch Bayern München, Arsenal, der AS Rom und Manchester City kursieren als Interessenten durch die Medienlandschaft, was Turin-Manager Marotta indirekt bestätigte, als er sagte, dass Kolasinac zahlreiche Anfragen erhalte.

Kolasinac als Ergänzungsspieler?

Nun ist es aber so: Bei Juve ist der brasilianische Nationalspieler Alex Sandro auf der linken Seite gesetzt. Bei Bayern München ist David Alaba positioniert. Kolasinac müsste bei beiden Optionen um einen Stammplatz kämpfen. Viele junge Spieler kommen mit dieser Situation bei Top-Klubs nicht mehr zurecht, man denke allein beim FC Bayern an Sebastian Rode oder früher Tobias Rau. Besser wäre Kolasinac beraten, einen Verein zu finden, in dem er als Stammspieler erstmal gesetzt ist. Das ginge womöglich bei Arsenal, wo der Spanier Nacho Monreal wohl einer der schwächsten Linksverteidger unter den Top-Klubs darstellt.

Wie gut ist Kolasinac?

Doch hier kommt eben noch der zweite Aspekt ins Spiel: Kolasinac war oft verletzt, er spielte bislang, zugespitzt formuliert, zwei gute Rückrunden und eine gute Hinrunde auf Schalke, wobei er sogar zu Beginn dieser Saison zweite Wahl war! Es gab Gerüchte, dass er verkauft werde im Sommer 2016, zumal extra Rahmen Baba von Chelsea auf seiner Position geholt wurde.

Dank an Weinzierl

Doch Trainer Markus Weinzierl erfand ein neues System für Schalke, im 3-5-2 kommt Kolasinac eben auf der linken Außenbahn zum Zug, und er kann sich auch in der Offensive einschalten – sechs Scorer-Punkte kamen so für den Verteidiger bereits zustande. Kolasinac dankte zuletzt dafür Trainer Weinzierl, er sei noch nie so offensivstark gewesen, die Systemumstellung passe perfekt zu ihm.

Wenn man sich also die Biografie von Kolasinac ansieht, bedenkt, dass er im Sommer 2017 sich überall bei Top-Klubs neu einen Stammplatz erkämpfen müsste, dass er eigentlich noch nie konstant Top-Leistung abgerufen hat und nun einen Trainer besitzt, der ihn sehr gut fördert und sportlich weiterentwickelt, dann muss eigentlich das Berater-Team den kompletten Hype ausblenden und Kolasinac noch mindestens ein weiteres Jahr auf Schalke empfehlen.

Wenn man nun aber auf die Agentur ISMG, die Kolasinac berät, einen Blick wirft, kann man zu dem Schluss kommen, dass viele dieser Spieler wohl zuletzt zumindest nicht ganz die richtige Entscheidung getroffen haben.

Roman Neustädter schaffte überraschend den Sprung ins russische Nationalteam, wechselte aber nun zu Fenerbahce Istanbul. Auf Vereinsebene wohl ein Abstieg.

Jannik Vestergaard schaffte nach seinem Wechsel von Bremen zu Gladbach es noch nicht, Leistungsträger bei Borussia zu sein.

Matthias Ginter wurde Weltmeister 2014, war aber dann zwei Saisons in Dortmund nur Ergänzungsspieler. Nun kommt er aufgrund der Verletzten-Misere in Dortmund in der Innenverteidigung zum Zug. Doch wenn Ömer Toprak im Sommer 2017 zum BVB wechselt, dürfte es wieder eng für Ginter werden.

Johannes Flum (Frankfurt) und Sven Schipplock (HSV) setzten sich bei renommierten Klubs nicht durch.

Auch Nils Petersen konnte sich beim FC Bayern nicht durchsetzen – und ist nun beim SC Freiburg nicht immer Startelf-Spieler.

Die Kurzfassung: Irgendwie hat die ISMG einige Male ihre Spieler wohl nicht ganz zum passenden Verein gelotst. Das muss nicht ihre Verantwortung sein, das kann natürlich auch „Künstlerpech“ sein – als postives Beispiel dient Torwart Oliver Baumann, der von Freiburg nach Hoffenheim ging und sich nun Hoffnung auf die Champions League machen darf. Aber klappt es mit Kolasinac auch gut?

Knackpunkt Europacup?

Ein Knackpunkt im Fall Kolasinac ist natürlich auch, ob Schalke nächstes Jahr europäisch spielt. Meist nutzen Spieler das Argument, man müsse sich eben auch für die Nationalmannschaft empfehlen. Das Argument, sofern es denn angeführt wird, dürfte bei Kolasinac nicht zählen. Denn bei Bosnien-Herzegowina hat der 23-Jährige eine einmalige Stellung – zudem gilt er als Zögling von Emir Spahic, der nahezu ein Volksheld in Bosnien ist. Kolasinac ist also unantastbar. Er muss nur wissen, was das Beste für ihn ist – und das liegt für neutrale Beobachter doch erstaunlich klar auf der Hand:

Sich noch ein Jahr auf Schalke stabiliseren und weiterentwickeln – und danach passt ein Wechsel zum FC Bayern oder Arsenal noch besser ins Konzept, die beide dann einen Generationswechsel auf der linken Seite einleiten müssen. Die Frage bleibt: Wie gut wird Kolasinac beraten?

Über Daniel Michel

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