Bundesliga

„Wir werden weiter die Topspieler nicht halten können“ – Rangnicks Warnung vor der Premier-League

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Ralf Rangnick sorgte unlängst mit der Kritik an den Scoutingpraktiken im eigenen Klub für Aufsehen und kündigte eine umfassende Erneuerung in diesem Bereich an. Notwendige Änderungen sieht er auch deswegen, weil er nicht daran glaubt, dass die Bundesliga ihre Stars langfristig halten und Abwerbeversuchen aus der englischen Premier-League widerstehen kann, wie er gegenüber dem kicker verriet.

Anfang Februar hatte der Leipziger Sportdirektor eine Bilanz der winterlichen Transferperiode gezogen: „Mit der Entwicklung können wir alle nicht zufrieden sein“, sagte er über den Umstand, dass es seinem Klub nicht gelungen war Ersatz für den verletzten Marcel Halstenberg zu finden. Zwar hätten er und seine Kollegen „jeden infrage kommenden Kandidaten unter die Lupe genommen“, allerdings habe es „keinen Spieler, der machbar gewesen wäre“, gegeben und er, Rangnick „könne mit diesem Umstand nur schwer leben.“ Als Konsequenz formulierte er dann auch ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen uns so aufstellen, dass wir jeden Spieler auf der Welt kennen.“ Er erklärte nun den Hintergrund seiner Kritik, in Leipzig seien die Verantwortlichen im „Nachwuchsbereich mit zu vielen Themen konfrontiert worden, die nichts mit Fußball zu tun haben.“ Deswegen sei Talent auch kein ausschlaggebendes Kriterium: „Wir müssen genauer hinschauen, wen wir holen. Und wir müssen andere Kriterien anlegen an die Spieler, die wir holen“, erläuterte Rangnick und präzisierte: „Dann ist es mir persönlich lieber, wenn wir von den 50 Plätzen im Internat nur 20 belegen, aber das müssen wirklich in jederlei Hinsicht hochtalentierte Spieler sein, vor allem im Bereich Mentalität.“

Verliert die Bundesliga weiter an Boden?

Maßgeblich verantwortlich für die Notwendigkeit verbesserten Scoutings ist für Rangnick die finanzielle Entwicklung im Fußball und dem damit verbundenen Verlust von Topstars, die der Bundesliga den Rücken kehren. Nicht nur der BVB mit Aubameyangs Wechsel zu Arsenal, sondern auch Leipzig selbst ist betroffen, diesen Sommer wechselt Mitelfeldstratege Naby Keita zum FC Liverpool. Für Rangnick eine logische Entwicklung: „Es hat ja Gründe, warum das so ist, und daran wird sich so schnell auch nichts ändern“, sagte er über die Causa Aubameyang und Keita und sieht diese Entwicklung erst im Anfangsstadium: „Nach allem, was man von der Insel so hört, soll der neue TV-Vertrag in England ab 2019 noch mal deutlich mehr bringen. Wenn jetzt schon Huddersfield so viel TV-Geld bekommt wie der FC Bayern, kann man sich ausmalen, was das dann bedeutet“, befürchtete er eine mangelhafte Konkurrenzfähigkeit der deutschen Klubs. Ein weiterer Grund für die Attraktivität der englischen Liga seien die „Top-Trainer“, über die mittlerweile jeder der großen sechs Klubs in England verfüge.

Entwicklung nicht mehr umkehrbar

Verliert die Bundesliga also auch in Zukunft weiter an Boden? Für Rangnick stellt sich diese Frage nicht, er sehe „keinen konkreten Ansatzpunkt, weshalb die Bundesliga gegenüber der Premier League aufholen sollte“, erklärte er dem kicker. In der aktuellen Diskussion um 50+1 sieht er allerdings eine kleine Chance: „Eine Veränderung könnte es nur über deutlich höhere TV-Verträge und/oder eine Abänderung beziehungsweise Modifizierung von 50+1 geben.“ Ungeachtet der fehlenden Lösungsansätze warnte der Leipziger Kaderplaner allerdings auch eindringlich vor der aktuellen Entwicklung: „Wenn wir alles so belassen, wie es jetzt ist, wird die Schere immer weiter auseinandergehen, und wir werden, außer vielleicht die Bayern, weiter die Topspieler nicht halten können.“

Über Stefan Katzenbach

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