Bader: „Ein Abstieg ist nie eine Chance“

München – EXKLUSIV: Martin Bader gönnte sich keine Verschnaufpause. Fast zwölf Jahre war der 47-Jährige Sportdirektor beim 1. FC Nürnberg, bis im Oktober des vergangenen Jahres für ihn Schluss war beim Club. Das Ende war unschön. Doch wer Bader kennt, der weiß, dass er nicht nachtritt. Im Gegenteil. Der Abschied fiel ihm schwer. Das betonte er immer wieder.

Doch anstatt erstmal Urlaub zu machen von den Strapazen der vergangenen Jahre, stürzte er sich in das nächste Abenteuer. Denn Anfang Oktober wurde er als Geschäftsführer Sport bei Hannover 96 vorgestellt. Erstmal ankommen? Fehlanzeige! Von Beginn an steckte Hannover im Abstiegskampf. Bader hatte sich gerade eingearbeitet, da verkündete auch noch Michael Frontzeck seinen Rücktritt als Trainer der Niedersachsen. Bader musste sich neben der Suche nach neuen Spielern auch auf Trainersuche begeben. Kurz vor dem Jahreswechsel präsentierte er mit Thomas Schaaf den neuen 96-Coach. Hinzu kamen fünf neue Spieler in der Winterpause, darunter der frühere Bremer Hugo Almeida. Jetzt spricht Bader im Interview mit fussball.news über die Situation in Hannover.

HANOVER, GERMANY - OCTOBER 03: Martin Bader, new sport director of Hannover looks on before the Bundesliga match between Hannover 96 and Werder Bremen at HDI-Arena on October 3, 2015 in Hanover, Germany. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)
Martin Bader ist seit Oktober 2015 Geschäftsführer Sport bei Hannover 96 und arbeitet mit vollem Einsatz am erneuten Klassenerhalt der Niedersachsen. Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

fussball.news: Herr Bader, nach einer guten Vorbereitung hat Hannover den Rückrunden-Auftakt verpatzt und das Heimspiel gegen Darmstadt 98 mit 1:2 verloren. Wie geschockt sind Sie?

Martin Bader: Geschockt bin ich nicht. Aber mich ärgern Niederlagen immer. Wir haben gewusst, dass im ersten Spiel nach der Winterpause nicht sofort jedes Rad ins andere greift.

fussball.news: Losgelöst vom 1:2 nun: Wie haben Sie insgesamt Ihre ersten Wochen in Hannover erlebt?

Bader: Wenn man neu in einen Klub kommt, ist es nichts unnormales, wenn man zunächst nicht viel von der Stadt erkunden kann. Mein Radius beschränkte sich auf den Arbeitsplatz, das Hotel, die Arena und das Trainingsgelände.

fussball.news: Hatten Sie nach dem Club nicht mal Lust bei einem Verein aus den vorderen Tabellen-Regionen zu arbeiten?

Bader: Darüber habe ich mir bislang keine Gedanken gemacht. Ich habe gerade erst bei Hannover 96 angefangen und habe hier noch einiges vor.


Video: Hannover 96 stellt Martin Bader als Geschäftsführer Sport vor


fussball.news: Wie leben Sie in der neuen Umgebung?

Bader: Wir leben etwas ruhiger im Umland. So nach und nach lerne ich aber die Besonderheiten von Hannover kennen.

fussball.news: Was ist komplett anders als bei Ihrem Ex-Klub?

Bader: (lacht) Vor allem das Stadion. Während in Nürnberg die Tartanbahn zu einer Weitläufigkeit führt, ist man in Hannover als Zuschauer ganz dicht am Geschehen dran.

fussball.news: Hand aufs Herz, inwieweit hätten Sie mit so einem schwierigen Start gerechnet, immerhin wurde der Trainer gewechselt und das ist nie einfach.

Bader: Ich sehe es als Herausforderung an. Veränderungen bringen immer etwas Neues, da kann nicht gleich vom ersten Tag an alles funktionieren. Es ist ein Prozess, der allerdings nicht lange Zeit zum reifen benötigen kann.


Link zu externen Artikel: Martin Bader berichtet in einem Interview von 2012 beim Portal spox.com, wie er einst als Nicht-Profi-Fußballer über die Karriere-Stationen Bundeswehr, Universität und einem Job bei der Vermarktungsfirma UFA Sports den Weg in das Bundesliga-Geschäft gefunden hat – und wie ihn dort sein Mentor Dieter Hoeneß bei Hertha BSC gefördert hat.


fussball.news: Sie haben in Ihrer Karriere schon einige Trainer verpflichtet. So etwas nervt doch sicher…

Bader: Niemand sucht gern einen neuen Trainer. Jeder hat auf der Trainerposition am liebsten Kontinuität. Durch Michael Frontzecks Rücktritt blieb uns aber nichts anderes übrig. Dass wir Thomas Schaaf dann überzeugen konnten, war für uns ein glücklicher Umstand.

fussball.news: Wie bewerten Sie die ersten Wochen von Thomas Schaaf?

Bader: Als sehr intensiv. Thomas fordert und fördert viel. Er ist sehr kommunikativ, verbringt viel Zeit mit der Mannschaft. Wir stehen im dauerhaften Austausch.


Video: Martin Bader über die Verpflichtung von Thomas Schaaf als Hannover-Coach


fussball.news: Ist das in Ihrem Sinne, dass die Trainerdiskussion so positiv gesehen wird und dass Schaaf plötzlich zum Messias wird?

Bader: Thomas genießt einen guten Ruf in der Branche. Und das unter anderem aufgrund seiner Erfolge auch völlig zu recht. Die Hoffnung und das Vertrauen in den Trainer und seine Mannschaft ist gerade auch im Umfeld eines Klubs sehr wichtig.

fussball.news: Sie waren fast zwölf Jahre lang beim 1. FC Nürnberg tätig. Was nehmen Sie aus dieser Zeit am meisten mit für Ihre jetzige Aufgabe?

Bader: Vor allem die jahrelange intensive und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern.

fussball.news: Was war einer der schönsten Momente beim Club und welcher war so, dass Sie ihn am liebsten streichen würden?

Bader: Das absolute Highlight war sicherlich der DFB-Pokalsieg 2007. Streichen würde ich am liebsten jeden Trainerwechsel.


Stationen und Erfolge von Martin Bader

  • Hertha BSC (1998 – 2003)

Funktionen: Zunächst Assistent der sportlichen Leitung, dann Leiter der Fußballabteilung
Erfolge: stets im Europapokal vertreten, dabei 1999/2000 Start in der Champions League

  • 1. FC Nürnberg (November 2003 – September 2015)

Funktionen: Zunächst Sportdirektor, später Vorstand für den Bereich Sport und Öffentlichkeitsarbeit
Erfolge: 2003/04 Aufstieg in die Bundesliga, danach in neun von elf Saisons mit Nürnberg in der Bundesliga vertreten, Höhepunkt: Gewinn des DFB-Pokals im Jahr 2007 sowie Rang 6 in der Bundesliga

  • Hannover 96 (seit Oktober 2015)

Funktion: Geschäftsführer Sport


fussball.news: Wie hat Sie die jahrelange Drucksituation als Manager eines Profivereins menschlich verändert?

Bader: Jede Lebenssituation verändert einen und sicherlich wird man in so einer Zeit auch mal dünnhäutiger. Und man konzentriert sich bewusster auf wenige als seine Freunde.

fusball.news: Sie haben in guter Hannover-Tradition optional schon die Klosterpforte als Trainingslager gebucht. Sie beschäftigen sich schon mit einem möglichen Abstieg?

Bader: In der Klosterpforte herrschen optimale Bedingungen vor, um sich auf entscheidende Spiele vorzubereiten. Da es im Abstiegskampf manchmal auf Nuancen ankommt, könnte ein Kurztrainingslager immer eine Option werden. Grundsätzlich muss man sich auch mit dem Szenario 2. Liga beschäftigen, wenn man im Oktober zum Tabellen-18. wechselt.

fussball.news: Helfen soll Hugo Almeida. Was versprechen Sie sich von einem Spieler, der noch nie in so einer krassen Situation war wie 96 gerade, schon 31 ist und in den vergangenen vier Jahren für vier Vereine spielte?

Bader: Wintertransfers sind nie leicht. Gerade, wenn man auch noch auf Platz 17 der Tabelle steht. Einen Stürmer zu finden, der seine Erfahrungen in der Bundesliga gemacht und seine Qualität dort unter Beweis gestellt hat, ist eine Herausforderung. Hugo wird keine Eingewöhnungs-Schwierigkeiten haben, da er genau weiß, wie die Bundesliga funktioniert und er Thomas Schaaf bestens einschätzen kann.

fussball.news: Warum stehen ausgerechnet Traditionsklubs wie 96, Werder Bremen und der VfB Stuttgart im Abstiegskampf?

Bader: Die Erwartungshaltung bei vielen Traditionsclubs ist enorm groß. Das führt dazu, dass ein ruhiges und besonnenes Arbeiten oft nicht ganz einfach ist.

fussball.news: Was würde ein Abstieg für 96 bedeuten?

Bader: Zunächst einmal ist ein Abstieg aktuell ein hypothetischer Gedanke. Ganz allgemein bedeutet er vor allem wirtschaftliche Einschnitte. Als Klub hemmt es die Entwicklung. Und eines ist ganz klar: ein Abstieg ist nie eine Chance.

Das nächste Interview am Morgen folgt voraussichtlich am Dienstag. Dann mit Club-Legende Dieter Eckstein.

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Anmerkung der Redaktion: fussball.news veröffentlicht in der Regel von Montag bis Donnerstag jeweils um 6 Uhr das „Interview am Morgen“. Zu den Gesprächspartnern zählen aktuelle Bundesliga-Spieler ebenso wie ehemalige Spieler-Legenden oder Funktionäre und Experten. Bei Bedarf wird das exklusive Gespräch in einen Fließtext mit exklusiven Zitaten umgewandelt.

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