Bundesliga

Badstuber: Glückspilz statt Pechvogel

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München – Holger Badstuber hat ab der Saison 2009/2010 die neue Generation des erfolgreichen FC Bayern geprägt, bis ihn ab Dezember 2012 eine Serie an schweren Verletzungen (u.a. Kreuzbandriss) heimgesucht hat. Nun erwischte es ihn nach nur fünf  Bundesliga-Einsätzen wieder. Im Training am vergangenen Samstag grätschte er ins Leere und brach sich das Sprunggelenk. Er wurde sofort operiert, es droht das Saisonaus. Im Interview mit der FAZ zeigte er sich nun dennoch sehr zuversichtlich.

Aufmunterung für Badstuber

Badstuber erhält zahlreiche Aufmunterungen, zuletzt trugen die Spieler des FC bayern bei der Partie in Augsburg ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Wir sind bei Dir“. Mitleid will man eigentlich mit Badstuber haben, als traurig könnte man seine Profikarriere zumindest in den vergangenen zwei Jahren bewerten – aber der 26-Jährige selbst will das nicht so stehen lassen. Nein, er wirkt drei Tage nach seiner Verletzung sehr positiv, sehr zuversichtlich, was er nun in einem ausführlichen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervorhob.

„Ich bin gut gestimmt. Es ist zwar ärgerlich, dass so was passiert ist. Aber nichts Schwerwiegendes. Eine Alltagsverletzung, die mich nicht umhaut“, sagte Bastuber zu Beginn des Gesprächs und witzelte: „Durch die jetzige Operation sind ein paar Metallteile dazu gekommen. Deshalb werde ich demnächst beim Check-in am Flughafen wohl etwas länger brauchen.“

Es gibt wohl Schlimmeres…

Doch er habe schon „Schlimmeres erlebt“, die Verletzung, so will er gedeutet haben, sei nun nicht so schwerwiegend. „Der Bruch muss halt verheilen, das dauert sechs Wochen. Dann geht es ins Reha-Programm. Keine dramatische Geschichte. Das verheilt, und gut ist. Keine Katastrophe“, betonte Badstuber und ergänzte: „Eine Katastrophe ist das, was letzte Woche in Bad Aibling passiert ist.“ In der bayerischen Gemeinde starben bei einem Zugunglück mehrere Menschen, zahlreiche wurden verletzt.

Badstuber weiß nun was auf ihn persönlich zukommt, er ist quasi Reha-erprobt. „Sobald ich wieder gut zu Fuß bin, ist das Schlimmste überstanden. Dann hat sich der Körper selbst geheilt. Anschließend muss ich die Muskulatur wieder aufbauen, für die Bewegungen, die man als Fußballer macht. Erst Ruhe, dann spezifisches Training. Ich bin das alles schon gewohnt. Ich weiß aus dem Effeff, was auf mich zukommt“, zählte der Verteidiger den Ablauf auf. Er tue alles, um irgendwann wieder beleohnt zu werden, um „irgendwann wieder auf dem Platz zu stehen.“

Kein Grübel-Zwang

Er wolle auch nicht „Grübeln“, sich groß über die Ursachen seiner Verletzung Gedanken machen, er wolle eher sein Schicksal annehmen. „Warum, weshalb, wieso, das bringt nichts. Ich drehe es dann eher um und sage: Wer weiß, wofür es gut ist. Statt zu denken: Warum ich? Es ist eben passiert. Ich kann ganz sicher sagen, dass die Verletzungen bei mir keine Spuren hinterlassen haben“, betonte Badstuber.

Er räumte ein, dass jeder Tiefpunkte im Leben habe: „Bei mir ist es halt, wenn der Körper phasenweise nicht funktioniert.“ Doch wenn „man richtig damit umgeht, gute Gespräche führt, neue Meinungen zulässt, sich hinterfragt, kann man sich als Person immens weiterentwickeln. Das habe ich auch getan, das spüre ich. Ich komme mit breiter Brust heraus aus den Tiefpunkten“, sagte die FC-Bayern-Ikone.

Auch der Bauarbeiter wird nicht vergessen

Badstuber zeigte sich als Spieler, der durchaus weiß, welche Privilegien ihm als Fußball-Star zufliegen: „Ich will nicht bestreiten, dass wir Fußballer ein schönes Leben führen können, ein Leben im Luxus. Dann muss man aber auch, gerade wenn es schwer wird, zeigen, dass man ein Mann ist und nicht gleich in die Knie geht. Im Profifußball braucht man Härte. Man hat etwa 15 Jahre, um erfolgreich zu sein. In dieser Zeit muss man alles aus seinem Körper herausholen.“ Umso wichtiger sei der Blick auf die Realität. Er wolle in seinem Beruf auch „über den Tellerrand“ hinausschauen, das wahre Leben sehen, „die Welt normaler Arbeitnehmer. Wenn man als Fußballprofi die Augen aufmacht, schätzt man sein eigenes Leben, aber schätzt genauso das Leben und die Leistung eines Bauarbeiters, der sich den Allerwertesten aufreißt – genauso wie wir das versuchen.“

Einst habe er Zivildienst in der Bayrischen Landesschule für Körperbehinderte geleistet. „Dieses Engagement war gut mit dem Training vereinbar. Zugleich war es auch eine neue Welt für mich. Und eine sehr wichtige Erfahrung: helfen zu können, aber auch zu sehen, wie gut man es selbst hat“, so Badstuber.

Lesen Sie im 2. Teil der News, warum Badstuber wirklich kein Mitleid braucht und was er über die Fans des FC Bayern sagt. Hier geht es zur News.

Über Daniel Michel

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