England

Boateng war in Kurzzeit-Therapie

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München – Kevin-Prince Boateng bringt seine Biografie – „Ich, Prince Boateng: Mein Leben. Mein Spiel. Meine Abrechnung“, geschrieben von Christian Schommers, ab Donnerstag im Plassen Verlag, 352 Seiten, 22.99.- Euro – heraus. Die Bild-Zeitung druckt vorab Auszüge, heute der 3. Teil, der sich um England, Shopping-Touren, Alkohol und Affären dreht.

Schlimme Zeit in London

Seine Zeit bei Tottenham Hotspur (2007 – 2009) war laut Boateng eine dunkle Periode. Er habe gelegentlich zu tief ins Glas geschaut. Das hatte auch einen Grund: „Das Verhältnis zu Chefcoach Martin Jol stand unter keinem glücklichen Stern. Einen Monat nach meiner Ankunft eröffnete er mir in einem Gespräch, dass er mich nicht braucht.“ Wie schon zuvor reagierte Boateng auch hier emotional: „Ich war den Tränen nahe. Habe zu Hause angerufen und geweint. Von wegen der ‚harte Boateng‘! Ich hockte in der Falle und war am Boden zerstört. Und was mache ich in solchen Situationen? Ich werde trotzig, habe das Training schleifen lassen, war nicht mehr engagiert und ständig unterwegs. Ich stand fußballerisch auf dem Abstellgleis, war allein in London – und es gibt keine bessere Stadt, wenn man Frust abbauen will.“

Frustabbau durch Shopping-Touren

Wie beim Fußball so auch beim Einkaufen. Shopping-Extrem: „Der Lamborghini hat 200.000 Pfund gekostet, circa 300.000 Euro. Der Hummer kostete 50.000, der Cadillac 25.000 Pfund. In den Oldtimer habe ich dann noch einmal 15.000 Pfund für Umbauten gesteckt“, so Kevin-Prince Boateng in seiner Biografie. Doch das war nur die eine Seite. „Die Zeit in England war auch die mit der größten Promidichte. Ich habe zum Beispiel Didier Drogba kennengelernt. Er hat mich behandelt, als wäre ich sein kleiner Bruder. Er hat versucht, mit mir zu reden, aber damals war ich für gute Ratschläge, selbst für die aus dem Munde eines Didier Drogba, nicht empfänglich“, so Boateng, der ausführte: „Er hat auf mich eingewirkt und gesagt: ‚Konzentrier dich auf den Fußball! Es gibt 1000 Trainer und 999 davon mögen dich nicht. Ich musste, als ich aus Frankreich hierher kam, auch um meinen Platz kämpfen.'“ Aber Boateng wollte diesen Ratschlag nicht annehmen.

Party, Alkohol und Affären

Er habe manchmal zu viel getrunken, habe Jenny (beide haben einen Tag vor seinem Dienstantritt bei Tottenham geheiratet, die Red.) verloren. „Ich war halt nur unterwegs, auch mit anderen Frauen. Mein Sohn wurde am 23. April 2008 geboren. Jenny ist im siebten Monat schwanger aus London geflüchtet. Ich lebte damals wie in einem Paralleluniversum. Bin dauernd ohne sie ausgegangen, kam erst frühmorgens nach Hause, hatte Affären – ich habe ihr sehr wehgetan und große Fehler gemacht. Es gab keinen Abend, an dem ich zu Hause geblieben bin.“ Doch irgendwann dann die Umkehr: seine Frau habe ihm eingeredet, er sei krank und er müsse sich behandeln lassen. „Also ging ich für zehn Tage in so eine Einrichtung, wo ich endlich Hilfe bekam“.

Therapie ohne große Wirkung

Jedoch war es offenbar eine Hilfe für ein anderes Problem: denn dort bekam er die „Schwierigkeiten im Umgang mit Homosexuellen in den Griff“. „Da, wo ich aufgewachsen bin, war Homosexualität ein Tabuthema und Homophobie die Regel. Was meine Probleme anging, haben die zehn Tage nichts gebracht.“ Wenn man wirklich krank ist, hilft eine solche Therapie vielleicht. Doch Boateng war nach seiner Auffassung ja nicht krank und schon gar nicht verrückt.


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