Bruchhagen will Umverteilung

München – Sein Herz hängt an Eintracht Frankfurt. Dennoch wird sich Heribert Bruchhagen im Sommer aus seinem Amt als Vorstandsvorsitzender bei den Hessen zurückziehen.

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Heribert Bruchhagen sorgt sich um die Traditionsvereine der Bundesliga. Foto: TORSTEN SILZ / AFP / Getty Images

„Veh musste die Mannschaft oft verändern“

„Ich werde sicherlich dem Fußball verbunden bleiben, aber nicht in einer Funktion als Vorstandsvorsitzender oder als Manager“, sagte er in einem Interview mit dem kicker. Zum Abschied wünscht er sich den Klassenerhalt für seinen Club. „Eintracht Frankfurt ist so gefestigt, dass der Klub auch ein Worst-Case-Szenario überleben würde. Aber dieses werden wir verhindern“, verkündete der 67-Jährige. Trainer Armin Veh nimmt er in Schutz. „Die aktuelle Zwischenbilanz liegt auch in Verletzungen und Formschwäche begründet. Veh musste die Mannschaft oft verändern“, stellte Bruchhagen fest. Frankfurt liegt mit 17 Punkten auf Platz 14 in der Tabelle, nur zwei Zähler Vorsprung sind es auf Relegationsplatz 16.

Situation immer aussichtsloser

Sorgen macht sich Bruchhagen um die Traditionsvereine der Bundesliga. „Ich prognostiziere, dass sich in fünf bis acht Jahren viele Traditionsvereine im Abstiegskampf befinden. Klubs, die ähnliche Voraussetzungen haben wie die Eintracht, zum Beispiel Köln, Berlin, Bremen, Hamburg, Stuttgart und Hannover“, sagte Bruchhagen. Die Ursache hier für sieht er besonders in der finanziellen Problematik. „Durch den neuen TV-Vertrag werden die Vereine inklusive Vermarktung künftig pro Jahr in der Champions League 2,38 Milliarden kassieren, also sieben Milliarden in drei Jahren. Das ist eine Steigerung von 40 Prozent. Diese unglaubliche Summe macht es für einen Verein wie die Eintracht immer aussichtsloser, in diese Regionen vorzudringen“, schwante ihm Übles.

Besserung könnte eine veränderte Verteilung der Fernseheinnahmnen bringen. „Die Eintracht bevorzugt ein Modell wie in England, wo die TV-Gelder nach Reichweite, Zuschauerzahlen und ein paar weicheren Faktoren vergeben werden“, teilte Bruchhagen mit.

50+1 soll bleiben

An der Investorenregel „50+1“ will er aber nicht rütteln. Diese besagt, dass die Mehrheit der Vereinsanteile beim betroffenen Club liegen müsse. „Ich halte diese Regelung für klar und nachvollziehbar. Aber man spürt förmlich, dass die Regel in den kommenden Jahren stark Gegenstand der Diskussion sein wird“, so Bruchhagen.

Niersbach soll zurückkehren

Den Rücktritt von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident bedauerte und bewunderte der Vorstandsvorsitzende der Eintracht zugleich. „Ich hätte mir gewünscht, er wäre nicht zurückgetreten. Schon allein deshalb, weil er es gut gemacht hat. Es spricht für ihn und seinen Charakter, dass er die politische Verantwortung übernommen hat“, lobte Bruchhagen. Eine Rückkehr Niersbachs könne er sich gut vorstellen: „Gerhard Mayer-Vorfelder erzählte mir einmal: Wenn eine Lawine kommt, musst du zur Seite treten, und wenn die Lawine im Tal ist, sofort an die alte Position zurückkehren.“

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