Darum gewinnt Ancelotti mit dem FC Bayern die Champions League

München – Carlo Ancelotti hat bei seiner Präsentation als neuer Trainer des FC Bayern betont, mit dem Klub die Champions League gewinnen zu wollen. Die Euphorie um den Italiener ist groß – und viele Experten sehen in dem 57-Jährigen das Gegenstück zu Vorgänger Guardiola. fussball.news hat sieben Gründe gefunden, warum die Münchner in dieser Saison in der Königsklasse triumphieren.

MUNICH, GERMANY - JULY 11: Carlo Ancelotti, head coach of FC Bayern Munich reacts during a training session of FC Bayern Muenchen at Saebener Strasse training ground on July 11, 2016 in Munich, Germany. (Photo by Lennart Preiss/Bongarts/Getty Images)
Carlo Ancelotti gibt die Ziele in München vor. Foto: Lennart Preiss/Bongarts/Getty Images

Emotion statt Taktik

Carlo Ancelotti ist natürlich auch ein Taktikfuchs. Aber Ancelotti hat in zahlreichen Interviews und Büchern sinngemäß betont, dass ihn der Taktik-Hype störe. Denn: Auf internationalem Parkett, wenn zwei Teams annähernd auf Augenhöhe antreten, entscheide aus seiner Sicht sehr selten die bessere Taktik über den Sieg. Vielemehr gehe es darum, über Monate Vertrauen in Spieler aufzubauen, damit sie im entscheidenden Moment Stärke verspüren, ein wichtiges Spiel zu entscheiden.

Vorgänger Guardiola wird nachgesagt, dass er besonders in den drei Halbfinals der Champions League 2014, 2015 und 2016 gegen jeweils spanische Teams „übertaktiert“ habe, also mit taktischen Spirenzchen eher Verwirrung im eigenen Team geschaffen hatte. Ein Beispiel für Vertrauen wohl: Thomas Müller wurde im Halbfinal-Hinspiel 2016 gegen Atletico Madrid auf der Bank belassen, im Rückspiel verschoss er einen Elfmeter. Ancelotti, nimmt man seine Philosophie ernst, hätte Müller nie auf die Bank gesetzt in so einem Spiel – und wenn, dann hätte ein anderer Spieler mit mehr Vertrauen den Strafstoß geschossen.

Gutes Verhältnis zu Ärzte-Team

Pep Guardiola hatte in der Endphase der Saison jeweils mit großem Verletzungspech zu kämpfen. Macnhe glauben, dass habe zum Teil an seinen Trainingsmethoden und der Missstimmung mit den Ärzten gelegen. Ancelotti wird hier eine große Vertrauensbasis schaffen und lässt ohnehin anders trainieren – und wenn Stars wie Arjen Robben oder Jerome Boateng in der Endphase der Saison alles abrufen können, dann wird auch ein Abwehr-Riegel wie der von Atletico Madrid geknackt.

Italienische Defensiv-Arbeit

Der FC Bayern wieß auch unter Guardiola Schwächen in der Defensive auf. Vor allem in der K.o.-Phase der Champions League konnten die Münchner im Regelfall nicht die Null halten. Ancelotti bringt die italienische Kunst der Defensivarbeit mit, die vor allem im individualtaktischen Bereich die Bayern-Spieler fordern wird. Dann klappt es auch gegen Teams wie Juve, Barca und Atletico mal wieder mit der Null.

Parallele zu Real Madrid

Bevor Carlo Ancelotti Real Madrid übernommen hatte, war Star-Trainer Jose Mourinho Coach der Königlichen. Er scheiterte ähnlich wie Guardiola in München mehrfach im Champions-League-Halbfinale. Ancelotti stellte ein wenig die Taktik um, setzte auf Vertrauen und Führungsspieler wie Sergio Ramos – und schon war der Triumph in der Königsklasse bereitet.

Star-Transfers werten Bayern auf

Mit den Verpflichtungen von Mats Hummels (Dortmund, Abwehr) und Renato Sanches (Lissabon, Mittelfeld) hat der Klub auch auf Wunsch von Ancelotti Verstärkung für die Defensive gefunden. Die Münchner, die sonst keinen Top-Star gehen lassen, sind stärker aufgestellt als in der vergangenen Saison. Und noch ist das Transferfenster nicht geschlossen.

Die Konkurrenz schwächelt

Der FC Barcelona verpasst es, sich zu modernisieren. Die Routiniers von Real Madrid, darunter Ramos, Pepe, Ronaldo und Modric, haben ihren Zenit erreicht. Die englischen Teams stehen vor dem Umbruch, Paris Saint-Germain wird national zu wenig gefordert. Der Weg für den FC Bayern auf den europäischen Thron ist frei.

Gelassenheit vor dem Drang, sich beweisen zu wollen

Pep Guardiola hat oft betont, er wolle auch außerhalb von Stammklub FC Barcelona Erfolg haben. Er erweckte den Eindruck, als setze er sich selber sehr unter Druck, auch wenn er klare Titel-Ziele meist nicht in den Mund nahm. Ancelotti ist da anders: Der Sieg in der Champions League ist das ausgesprochene Ziel, aber er bleibt dabei gelassen und er wird sich nicht so viel Druck machen. Immerhin hat er schon mit zwei Klubs insgesamt drei Mal die Champions League gewonnen.

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