Deutsch-Problem in der Bundesliga? Nun haben die Coaches eine Lösung

München – Seit einigen Jahren nimmt das Problem aus der Sicht vieler Bundesliga-Funktionäre und einiger deutscher Spieler zu: Obwohl immer mehr Legionäre in die Liga kommen, zeigen viele von ihnen wenig Integrationswillen – zumindest was das Erlernen der deutschen Sprache betrifft. Die deutschen Funktionäre betonen dagegen fast unisono, wie wichtig es sei, Deutsch in Grundzügen zu beherrschen.

Schalke-Coach Domenico Tedesco überragt in der Bundesliga auch mit seinen Fremdsprachenskills. Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Hoeneß mit „Deutsch-Befehl“ in der Kritik

In der vergangenen Saison wurde FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß für seinen „Deutsch-Befehl“ teilweise schon in die rechtsradikale Ecke gestellt. Dabei sagte er sinngemäß nur das, was zuvor schon etliche andere Vereinsbosse und Trainer geäußert hatten. „Es muss wieder Deutsch in der Kabine gesprochen werden, die Sprache ist ein Bindeglied. Ansonsten gibt es Grüppchen”, so Hoeneß in Sport-Bild.

Tedesco verdrängt die Dolmetscher

Seit der Forderung von Hoeneß hat sich dennoch weder beim FC Bayern noch in anderen Klubs bei den Legionären viel verändert – zumindest auf Spielerebene. Doch nun nehmen einige Bundesliga-Coaches die Sprachförderung selbst in die Hand und drehen quasi den Spieß um. Bestes Beispiel ist Schalkes neuer Coach Domenico Tedesco. Italienisch, Spanisch und Englisch lässt Tedesco in seine Spieleransprachen einfließen, dafür wurde die Stundenzahl der Dolmetscher verringert.

Goretzka ist begeistert

Leon Goretzka lobte via Bild: „Ich finde das hervorragend!“ Er ergänzte: „Für den Moment ist es ein Riesenvorteil, dass wir taktische Inhalte unseren ausländischen Profis in ihrer Sprache vermitteln können.“ Goretzka schob aber quasi fast in Hoeneß-Manier nach: „Deutsch zu lernen, ist natürlich Pflicht. Ich habe in der vergangenen Saison das Problem gesehen, dass einige Spieler nicht ausreichend Deutsch verstanden haben. Anfangs haben wir sie zum Sprachunterricht geschickt, doch da hat sich der ein oder andere nicht so motiviert gezeigt.“

Nouri setzt auf Kommandos in englischer Sprache

In Bremen setzt der Deutsch-Iraner Alexander Nouri vermehrt die englische Sprache ein. Der Bild sagte Nouri: „Bei uns ist Englisch sehr präsent. Auch ich benutze oft englische Ausführungen in meinen Besprechungen. Ob Thomas (Delaney; Anm. d. Red.), Milos (Veljkovic; Anm. d. Red.), Luca (Caldirola; Anm. d. Red.) – alle sprechen es gut. Und es sind meistens ‚Key-Words‘ (Schlüsselwörter; Anm. d. Red.), die benutzt werden. Es ist alles ganz unproblematisch.“

Salihamidzic ist auch ein Sprachen-Talent

Und seit gestern hat auch Bayern München ein Sprachentalent auf Funktionärsebene: Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Der Bosnier spricht Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Bosnisch und Serbokroatisch. Vor allem zu Trainer Carlo Ancelotti und dem italienischen Staff könnte Salihamidzic die Beziehung nun intensivieren. Man kann also die Forderung an die Legionäre stellen, besser die deutsche Sprache zu erlernen. Es geht aber auch umgekehrt: Die Klubs bauen auf Funktionärs- und Trainerebene immer mehr auf mehrsprachige Führungspersonen. Und wenn beide Seiten ihr Engagement ausdehnen würden, gäbe es womöglich keine unsägliche „Deutsch-Debatte“ in der Bundesliga mehr.

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