Champions League

FC Bayern gibt in Turin 2:0-Führung aus der Hand

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München – Der FC Bayern hat im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Juventus Turin eine 2:0-Führung noch aus der Hand gegeben und musste sich mit einem Remis begnügen (2:2).

Juve-Trainer Massimiliano Allegri startete mit zwei Stürmern, neben Dybala war der Ex-Bayer Mario Mandzukic in den vergangenen Wochen rechtzeitig fit geworden. Im Mittelfeld kehrte der in der Liga beim 0:0 in Bologna pausierende Sami Khedira ins Team zurück. Der bedeutendste Spieler, der bei Turin fehlte, war der verletzte Abwehrspieler Giorgio Chiellini (Wadenverletzung).

Einzige Überraschung in der Aufstellung des FC Bayern: Arturo Vidal spielte im defensiven Mittelfeld anstelle von Xabi Alonso. FC-Bayern-Kapitän Philipp Lahm bestritt sein 100. Spiel in der Königsklasse.  In der Innenverteidigung waren bei den ersatzgeschwächten Münchnern David Alaba und Joshua Kimmich gesetzt.

Die Münchner gingen offensiv ans Werk, doch bereits nach 28 Sekunden startete Juve den ersten Konter. Mario Mandzukic, gerade noch verfolgt von David Alaba als letzter Mann der Münchner Abwehr, zog aus 20 Metern ab, traf aber den Ball nicht richtig. Bayern setzte sofort auf Ballbesitz, Juventus zog sich zunächst in die eigene Hälfte zurück.

Vidal nahm in der 4. Minute aus 20 Metern einen von der Juve-Abwehr geblockten Ball direkt, Buffon parierte den mittig platzierten Schuss zur Seite. Die Münchner versuchten weiterhin das Spiel zu bestimmen, Turin ging die Bayern-Spieler jedoch in der eigenen Hälfte scharf an und führte intensive Zweikämpfe. Dennoch sah das Spielgeschehen etwas ungewöhnlich aus: Gäste, die den italienischen Rekordmeister 25 Meter vor dem eigenen Tor einschnürrten, hatte es lange nicht mehr in Turin gegeben.

Doch ein Fehler im Spielaufbau – und es wurde gefährlich für den FC Bayern. Über links erhielt Mandzukic eine Flanke von Dybala, die er in der 12. Minute aus sieben Metern frei abnehmen konnte, allerdings kam er aus dem Gleichgewicht und verzog den Schuss weit nach oben.

Bayern regaierte sofort, Costa mit einem Flachschuss zielte knapp am rechten Pfosten vorbei. Dann folgte eine Kombination über rechts, die zur 1. großen Chance der Münchner führte: Eingeleitet von Lahm, der auf Lewandowski durchsteckte, bekam Müller im Fünf-Meter-Raum den Ball. Doch Lewandowski hatte etwas zu stark zurückgespielt, Müller wra zu weit in der Vorwärtsbewegung, um den Ball beim Abschluss noch richtig zu kontrollieren. Barzagli wehrte den Versuch von Müller vor der Linie ab (14.).

Danach konnte Turin sich einige Minuten überwiegend in der Hälfte der Münchner behaupten. In dieser Phase zog Pogba aus 17 Metern ab, er traf Vidal aus relativ kurzer Distanz am rechten Arm, die Italiener forderten einen wohl durchaus vertretbaren Strafstoß. Schiedsrichter Atkinson entschied jedoch auf Weiterspielen. Die Münchner antworteten jedoch erneut mit einem guten Angriff, den Robben aus neun Metern halbrechter Position zum Abschluss brachte, allerdings schoss er knapp über das Tor.

Die Partie war geprägt von intensiven Zweikämpfen, von spielerischer Dominanz der Münchner und von auf gefährliche Konter lauernde Turiner, es war eine erste halbe Stunde auf besonders hohem Niveau. Die nächste Gelegenheit für den FC Bayern erhielt Bernat, der in den Strafraum mitgelaufen war und aus 14 Metern den zurückprallenden Ball abfing und sofort zum Torschuss nutzte. Buffon im Tor der Turiner reagierte stark, war der Richtung linkes Eck platzierte Schuss doch kurz vor ihm noch aufgesprungen.

Nach 38 Minuten wiesen die Bayern unfassbar starke 71 Prozent Ballbesitz auf. Neben dem hohen Tempo und den intensiven Zweikämpfen zeigten die Spieler in zahlreichen Einzelaktionen ihre hohe Qualität. Paul Pogba etwa behauptete den Ball in der Defensive, obwohl ihn zwei Münchner massiv attackiert hatten. Joshua Kimmich wiederum ließ mit einer kurzen Körpertäuschung später Pogba aussteigen.

Costa prüfte in der 40. Minute mit einer scharfen Flanke von links, Robbens setzte nach, kam aber im Strafraum gegen vier Juve-Verteidiger nicht mehr zum Abschluss. Doch kaum wirkte es so, als habe der FC Bayern die Gastgeber im Griff, tauchte Juve mit einem Konter wieder im Strafraum des FC Bayern auf. Alaba jedoch blockte die Hereingabe von Dybala zur Ecke.

In der 43. Minute leitete Vidal nach einem Ballverlust von Khedira das Führungstor der Münchner ein. Müller spielte von halbrechts Robben am rechten Flügel an. Der Niederländer nahm mit dem Ball Fahrt auf, flankte Richtung zweiter Pfosten, wo Douglas Costa aus der Luft mit links bewusst den Ball Richtung Mitte und in den Rücken der Juve-Abwehr spielte. Dort stand der mitgelaufene Müller am Strafstoßpunkt frei und schob mit der rechten Innenseite den Ball flach ins freie, rechte Eck. Es war die verdiente Führung für die Münchner, auch wenn Turin mit blitzschnellen Kontern durchaus ein Tor hätte erzielen können in einer packenden 1. Halbzeit.

Juve wechselte zum Start der 2. Halbzeit. Hernanes ersetzte Marchisio, doch der FC Bayern blieb am Drücker. Alaba setzte einen Schuss aus 18 Metern noch etwas zu hoch an (51.). Dann kam der FCB zum Konter und dem 2:0. Nach schnellem Umschaltspiel führte Lewandowski den Ball im Mittelfeld bis zur Strafraumgrenze, dort spielte er auf die rechte Seite zu Robben. Der Niederländer in seiner unnachahmlichen Manier zog von rechts nach innen und schoss aus 14 Metern im Strafraum mit links den Ball unhaltbar hoch ins linke Eck.

Juventus schien deutlich unterlegen, doch in der 63. Minute machte es sich der FC Bayern selbst nochmal schwer. Cuadrado fing auf rechts einen Ball ab und passte Richtung Strafraum der Münchner. Kimmich hätte den Ball abfangen können, doch durch eine technische Unfeinheit versprang ihm der Ball nach vorne, direkt zu Gegenspieler Mandzukic. Der Kroate schaltete schnell, spielte einen kurzen Pass in den Lauf von Dybala, der aus acht Metern frei vor Torwart Neuer einnetzte.

Nun spielte sich Juve in einen Offensivrausch. Zunächst kam es aber noch zu einem Kopf-an-Kopf-Duell zwischen Mandzukic und Lewandowski, der Kroate setzte fast zur Kopfnuss an. In der 67. trieb Mandzukic über rechts den nächsten gefährlichen Konter voran, ein Gewaltlauf über das halbe Feld schloss er mit einem Pass auf rechts zum mitgelaufenen Cuadrado ab. Der Kolumbianer hatte viel Zeit, entschloss sich dann zu einem wuchtigen Schuss aus neun Metern, den der abwartende Neuer wegfaustete. Eine Minute später kam Pogba gefährlich zum Schuss. Er zog aus 14 Metern nur knapp über das rechte Eck.

Die Münchner hatten durch eine Unachtsamkeit die Spielkontrolle verloren, Juve wiederum legte taktische Zwänge ab und suchte mit dem Mute der Verzweiflung aus den ersten 60 Minuten das Spiel noch zum Guten zu wenden.

Und tatsächlich wendete Turin die Partie noch. Erneut durch schnelles Umschaltspiel mit Mandzukic gelangte Turin von links in den Strafraum der Münchner. Einen langen Ball köpfte Morata in die Mitte, wo der eingewechselte Sturaro an Kimmich vorbeizog und aus vier Metern den 2:2-Ausgleich erzielte.

Und weiter ging es mit dem Offensivrausch der Turiner: Pogba köpfte in der 83. aus acht Metern nur knapp über das Tor. Die letzte halbe Stunde des Spiels wirkte erschreckend schwach vom FC Bayern. Offenbar hatten sich die Münchner mit ihrem Tempo-Fußball und aggressivem Pressing nach 60 Minuten ausgepowert.


Spielerwechsel:

Turin:

46. Hernanes für Marchisio
69. Sturaro für Khedira
75. Morata für Dybala

München:

74. Benatia für Juan Bernat
84. Ribery für Douglas Costa


Schiedsrichter: Martin Atkinson


Gelbe Karte: Costa (19., FC Bayern), Lewandowski (70., FC Bayern), Morata (79., Juventus), Vidal (90., FC Bayern)


Zuschauer: 41.475

Über Daniel Michel

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