2. Bundesliga

Film-Regisseur Siegmund: „Helden wie Morlock sind ein wichtiger Faktor für den Massenerfolg des Fußballs“

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Nürnberg – Derzeit läuft in Nürnberg ein Crowdfunding (maxgemeinsam.de), damit das Nürnberger Stadion künftig nach der Fußball-Legende Max Morlock umbenannt wird. Der Hintergrund: Seit Anfang des Jahres hat die Consorsbank die Namensrechte für das Stadion von der Stadt erworben. Insgesamt 3,2 Millionen Euro muss die Bank für die kommenden drei Jahre bezahlen. Das Crowdfunding soll nun 800.000 Euro einspielen, um der Bank die Namensrechte abzukaufen. Für die Geldsammel-Aktion drehten die Initiatoren auch einen Werbefilm.

Der Film „Identiät beginnt mit einem Namen“ soll einen entscheidenden Beitrag leisten, damit das Crowdfunding glückt. Gedreht hat den Film Regisseur Andrzej Siegmund, der die Firma „ADOT“ leitet. Im Interview am Morgen mit fussball.news erklärt Siegmund nun, wie es zum Dreh kam, welche Hürden es zu überwinden galt und wie die Nürnberger auf sein Werk reagiert haben.

fussball.news: Herr Siegmund, Sie waren als Regisseur beim Werbefilm für das Crowdfunding tätig. Als langjähriger Clubfan dürfte es Sie gefreut haben, für so eine Aktion den Film erstellen zu dürfen.

Andrzej Siegmund: Es hat mich vor allem deshalb wahnsinnig interessiert und gefreut, weil ich mich sehr für die Bedeutung eines Idols unserer Stadt begeistern kann. Der Club hat eine so einzigartige wie turbulente Geschichte vorzuweisen. Max Morlock ist ein essentieller Teil davon. Dass ich im Rahmen des Drehs Heroen der Vereinsgeschichte wie Heini Müller oder Dieter Eckstein begegnen durfte, hat mich nachhaltig beeindruckt. So sehr, dass ich seit dem Dreh die Atmosphäre des Stadions nicht mehr missen möchte und bei jedem Heimspiel war. Daran tragen aber mit Sicherheit die grandiosen Fans einen wesentlichen Teil. Ihre Ausdauer ist bewundernswert!


Das Video zur Crowdfunding-Aktion:


fussball.news: Zum Dreh im Stadion Nürnberg sind schätzungsweise 80 Fans gekommen. Haben sie sich mehr Fans erwünscht?

Andrzej Siegmund: Bis auf den letzten Platz gefüllt und außer Rand und Band kenne ich das Stadion nur von Fotos aus der Zeit des Pokalsiegs 2007. Das hätte ich mir als Kulisse schon gewünscht. Bleiben wir aber realistisch: Die Anzahl der Leute tritt in den Hintergrund, wenn man erlebt, welche tollen Charaktere dem Aufruf gefolgt sind. Deren Geschichten mit dem Club und ihre Verbindung zu Max Morlock sind spannend und voller Leidenschaft. Bei 45.000 Fans hätten wir niemals die besten Storys herauspicken können. Ich bin glücklich mit dem Ergebnis.


Über Max Morlock:

  • 11. Mai 1925 geboren in Nürnberg
  • Angreifer beim 1. FC Nürnberg von 1940 bis 1964
  • Deutscher Meister 1948 und 1961
  • Weltmeister 1954 mit Deutschland
  • Fußballer des Jahres 1961
  • Besondere Eigenschaft: Lag sein Team in Rückstand, schaltete er nochmal einen Gang höher.
  • Gestorben am 10. September 1994 im Alter von 69 Jahren

fussball.news: Fast vier Minuten läuft der Film, der als Aushängeschild der Werbekampange gilt. Die Produktion kostete viele Tausend Euro. Für den neuen Stadionnamen müssen 800.000 Euro zusammen kommen. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, dass die Consorsbank das Geld eher zusätzlich gespendet hätte?

Andrzej Siegmund: Ich kenne nicht die internen Überlegungen der Consorsbank. Fest steht jedoch, dass ich persönlich das Vorgehen aus zwei Gründen sehr richtig finde: Zum einen ist der Stadionname nicht Sache eines Sponsors, sondern der Fans und der Stadt. Zweitens richtet solch eine Kampagne, solch ein Film den Fokus auf eine der bedeutendsten Sportikonen unseres Landes und eine tolle Stadt, die ihr Licht viel zu oft unter den Scheffel stellt. So bekommt Nürnberg über ein Sportidol mehr Aufmerksamkeit von außen.

fussball.news: Der Film findet viel Zuspruch. Auf Facebook sind es rund 250.000 Aufrufe, bei Youtube sind es rund 700.000. Haben sie diesen großen Zuspruch erwartet?

Andrzej Siegmund: Nein, aber es bestätigt ja, dass das Interesse an Club, Fans und Nürnberg ziemlich groß ist. Dieser Film ist einmal mehr ein Beweis dafür. Zudem nutzt er ganz zeitgemäß die Kraft von Social Media und Internet, um damit hoffentlich zu einem Erfolg des Crowdfundings maxgemeinsam.de führt.

fussball.news: Max Morlock ist einer der bekanntesten Fußballgrößen in Nürnberg. Der Film sollte die Identifikation in den Vordergrund stellen. Welches Feedback haben sie erhalten?

Andrzej Siegmund: Alleine aus dem Filmteam kenne ich Leute, die sich inzwischen Morlock-Retro-Trikots gekauft haben. Aber was ich von vielen Betrachtern des Films gehört habe, ist: Wenn man einem wie Heini Müller zuhört, der aus erster Hand über Max Morlock als Mensch und Spieler berichten kann, dann wirkt das extrem intensiv. Diese Helden sind bis heute ein wichtiger Faktor für den Massenerfolg des Fußballs. Deshalb identifizieren sich die Leute über ihre Namen mit einem Verein, mit einer Stadt. Jeder von uns sucht nach ehrlichen Werten und verlässlichen Vorbildern. Der Film soll die ganze Spanne von Zeitzeugen bis zu Romantikern zu Wort kommen lassen.

fussball.news: Haben sie selber auch schon „gefundet“?

Andrzej Siegmund: Na klar!

Hier geht es zur Crowdfunding-Aktion: https://www.startnext.com/maxgemeinsam

Über Steffen Helmsauer

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