Fink: „Labbadia verleiht dem HSV eine klare Handschrift“

München – Thorsten Fink ist gerade rundum zufrieden. Der 48-Jährige, der von 1997 bis 2004 für den FC Bayern spielte und 2001 mit den Münchnern die Champions League gewann, ist seit Sommer Trainer beim österreichischen Erstligisten Austria Wien. Und dort sehr erfolgreich. Seine „Violetten“, derzeit auf Platz 2 liegend, bieten Red Bull Salzburg die Stirn und sorgen für ein enges Rennen um den Titel.

Seine Trainerkarriere startete Fink 2006 bei den Red Bull Juniors in Österreich. Danach war der gebürtige Dortmunder Co-Trainer bei Red Bull Salzburg. 2008 begann er als Cheftrainer im Profibereich. FC Ingolstadt, FC Basel, Hamburger SV und Apoel Nikosia hießen die Stationen. Im Interview mit fussball.news spricht Fink über den Erfolg mit der Austria und blickt zurück auf seine Zeit beim Hamburger SV und beim FC Bayern München.

FC Basel's German coach Thorsten Fink attends on October 4, 2009 in Basel. AFP PHOTO/Sebastian Derungs (Photo credit should read SEBASTIAN DERUNGS/AFP/Getty Images)
Trainer Thorsten Fink hat 2010 und 2011 die Schweizer Meisterschaft mit dem FC Basel gewonnen. Foto: SEBASTIAN DERUNGS/AFP/Getty Images

fussball.news: Herr Fink, ist in Wien alles so eingetreten, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Thorsten Fink: Absolut. Es ist sogar besser gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Unser Ziel war Platz drei, aber nach der Hälfte der Saison sind wir Herbstmeister geworden. Im Sommer gab es einen großen Umbruch mit mir als Trainer und elf neuen Spielern. Dazu haben wir ein neues Spielsystem einstudiert. Man muss bedenken, dass die Austria im vergangenen Jahr auf Platz sieben landete. Die Mannschaft hat das nun top gemacht. Das war ein großer Kraftakt von allen, die mitgeholfen haben. Mit Teamwork, Willen, Leidenschaft und einem klaren Gesicht hat der Verein das hinbekommen, aber die Saison ist noch lange.

fussball.news: Sehen Sie sich bestätigt? Viele Kritiker haben Ihnen so einen Erfolg nach Ihrem Kurzgastspiel in Nikosia nicht mehr zugetraut.

Fink: Ich sehe mich überhaupt nicht bestätigt. Ich habe einfach Spaß an der Arbeit. Austria Wien ist ein toller Klub und man kann sich als Trainer nicht immer einen Verein aussuchen. Man kann hier wirklich hervorragend arbeiten und ich habe mir keine Gedanken gemacht, ob ich mich bestätigt sehen soll oder nicht. Als Trainer willst du natürlich immer den Erfolg, das ist ganz klar. Im Moment läuft es gut für mich und den Klub, aber ich will nicht zu schnell wieder über Dinge reden, die noch gar nicht fertig sind. Wir werden weiter akribisch arbeiten und dann sehen wir am Ende, was dabei rumkommt.

fussball.news: Warum hat es bei Apoel Nikosia nicht so geklappt?

Fink: Ich hatte einen Vertrag bis Sommer plus eine Option da wieder auszusteigen. Es war nicht der Verein, bei dem ich mir vorstellen konnte drei, vier Jahre zu arbeiten. Es war eine Geschichte, die ich zwischendurch gebraucht habe, aber es war trotzdem eine gute Erfahrung und eine schöne und erfolgreiche Zeit wie eigentlich bei jeder meiner Stationen. Man muss sich nur mal den Punkteschnitt in jedem Verein anschauen.

fussball.news: Die Gegenwart heißt Österreich. Wo liegen die größten Unterschiede zwischen der Bundesliga und der österreichischen Liga.

Fink: An der Bundesliga führt kein Weg vorbei. Österreich ist ein Ausbildungsland, da müssen wir uns nichts vormachen. Die besten Spieler gehen irgendwann nach Deutschland, England oder in eine andere starke Liga. In der Schweiz ist es doch genauso. Es kommen schon viele gute Spieler aus Österreich, wenn man nur an Bayerns David Alaba denkt, der aus der Austria-Akademie stammt. Es gibt zudem noch Marko Arnautovic, Zlatko Jonuzovic, Sebastian Prödl oder Julian Baumgartlinger. Das sind alles Spieler, die den Sprung über Österreich geschafft haben. Hier wird gut gearbeitet. In diesem Jahr ist Rapid Wien auch in der Europa League dabei und in der Saison 2013/2014 spielte Austria in der Champions League. Österreich hat sich zudem für die Europameisterschaft 2016 qualifiziert. Es gibt also einen Aufbruch und es ist eine Stimmung zu spüren, die sehr positiv ist.

Amtsantritt: Thorsten Fink stellt sich im Vereins-TV den Fans von Austria Wien vor

fussball.news: Austria zeigt Red Bull Salzburg in dieser Saison oftmals die lange Nase. Ist das die erhoffte Wachablösung?

Fink: Immer langsam. Jetzt, wo wir um Platz eins mitspielen, sind natürlich alle Austria-Fans sehr euphorisch. Es ist aber auch immer wieder eine Gefahr, denn man muss aufpassen und die richtigen Schritte gehen, um langfristig erfolgreich zu sein. Da wollen wir den Hebel ansetzen. Man hat sicherlich das eine oder andere noch zu verbessern, das ist bei jedem Klub so, aber der Anfang ist gemacht. Jeder zieht gerade mit und man lässt mich gut arbeiten. Es werden Dinge angenommen und wir besprechen viel zusammen. Keiner entscheidet alleine, das ist das Erfolgsgeheimnis. Es wird eng mit den Jugendabteilungen zusammengearbeitet, dass man hier auch langfristig arbeiten kann. Und nachhaltig. Das ist das Ziel.

fussball.news: Bei Ihrem Ex-Klub HSV können wieder neue Ziele formuliert werden. Nach einem Chaos-Jahr geben die Rothosen unter Trainer Bruno Labbadia inzwischen wieder ein positiveres Gesamtbild ab. Glauben Sie, dass Labbadia der richtige Mann für langfristigen Erfolg in Hamburg ist?

Fink: Ich beobachte die ganze Bundesliga, aber natürlich auch den HSV. Ich sehe die Entwicklung in dieser Saison in Hamburg sehr positiv. Das freut mich. Bruno macht da wirklich gute Arbeit und verleiht der Mannschaft wieder eine ordentliche und klare Handschrift. Das ist sehr wichtig und das sieht man am gesamten Auftreten. Alles andere, was in Hamburg passiert, hat mich nicht zu interessieren.

fussball.news: Was sagen Sie zum FC Ingolstadt? Hätten Sie diese Entwicklung für möglich gehalten?

Fink: Es ist sehr erfreulich, aber es ging auch damals schon schnell voran. Nur die Trainingsbedingungen waren damals nicht bundesligareif und auch die Infrastruktur hat zu meiner Zeit noch nicht gestimmt. Aber wir haben das Beste daraus gemacht. Der Verein ist schnell gewachsen, von der dritten in die zweite Liga aufgestiegen und mit dem tollen Hauptsponsor haben die „Schanzer“ einen guten Background. Mit Thomas Linke (Sportchef, d. Red.), Trainer Ralph Hasenhüttl und seinem Assistenten Michael Henke sind die richtigen Leute am richtigen Ort. Ob das jetzt so schnell ging oder nicht, kann ich gar nicht sagen. Es ist doch so: Wenn man gut arbeitet, kann es schon mal schneller gehen.

fussball.news: Immer schneller eilen die Bayern voraus. Sind die Münchner auf Jahre hinaus nicht von Platz eins zu verdrängen?

Fink: Im Moment sieht es in der Bundesliga so aus. Es kommt immer auf wichtige Punkte an. Wenn Pep Guardiola gehen sollte, gibt es wieder eine komplett neue Situation. Im Augenblick passt das alles ideal zusammen. Die Bayern spielen in der Liga einen klasse Fußball, aber auch bei Borussia Dortmund wird unter Trainer Thomas Tuchel richtig gut gearbeitet. Es wird auf jeden Fall schwierig, die Bayern in den nächsten Jahren einzuholen.

fussball.news: Ihr alter Bayern-Spezi Carsten Jancker ist bei Rapid Wien Co-Trainer. Hat er Ihnen in der ersten Zeit in Wien geholfen?

Fink: Geholfen hat er mir nicht, Rapid ist ja schließlich einer unserer größten Konkurrenten (lacht). Ich freue mich aber immer, wenn ich Carsten sehe. Alle Bayern-Spieler, die 2001 die Champions League gewannen, haben noch bis heute einen sehr guten Kontakt zueinander. Wir lassen nichts auf den anderen kommen. Das ist wirklich schön.

8 Sep 2001: Thorsten Fink of Bayern Munich in action during the German Bundesliga match against Borussia Dortmund played at the Westfalenstadion, in Dortmund, Germany. Bayern Munich won the match 2-0. Mandatory Credit: Stuart Franklin /Allsport
Thorsten Fink hat als Profi im defensiven Mittelfeld gespielt und mit dem FC Bayern vier Deutsche Meisterschaften gewonnen.  Foto: Stuart Franklin /Allsport

fussball.news: Und was unterscheidet die Bayern-Generation aus Ihrer Zeit zur heutigen?

Fink: Das ist schwierig zu sagen. Wir haben damals vieles mit Teamwork und Leidenschaft und Visionen gemacht und hatten mit Ottmar Hitzfeld einen tollen Trainer, der diese Truppe top geführt hat. Und mit Uli Hoeneß einen großen Manager. Wir warten damals individuell auch gut, aber heute besitzen die Spieler schon eine individuell größere Klasse. Die hatten wir damals nicht so. Der Unterschied zwischen uns und den anderen Teams war damals nicht so groß. Damals war es auch ein großer familiärer Umgang mit allen. Es war für mich die beste Mannschaft, weil einfach alles gepasst hat.

fussball.news: In wieweit sehen Sie eigentlich die österreichische Liga als eine Art Sprungbrett, um bei einem internationalen Top-Klub als Trainer arbeiten zu können?

Fink: Soweit denke ich noch nicht. Ich mache doch nicht gleich den nächsten Schritt. Ich will bei der Austria einfach weiter gute Arbeit abliefern, im Klub das Beste geben und nicht gleich an den nächsten Verein denken, nur weil es jetzt gut läuft für mich. Auf lange Sicht ist natürlich die Bundesliga-Rückkehr das Ziel, aber im Moment mache ich mir da keine Gedanken, weil ich noch große Aufgaben vor mir habe. Darauf freue ich mich sehr.

Anmerkung der Redaktion: fussball.news veröffentlicht von Montag bis Donnerstag jeweils um 6 Uhr das „Interview am Morgen“. Zu den Gesprächspartnern zählen aktuelle Bundesliga-Spieler ebenso wie ehemalige Spieler-Legenden oder Funktionäre und Experten. Bei Bedarf wird das in der Regel exklusive Gespräch in einen Fließtext mit exklusiven Zitaten umgewandelt.

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