Bundesliga

Freiburg-Präsident Fritz Keller: „Es geht darum, den Menschen die Angst zu nehmen“

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Von Derk Hoberg

Fritz Keller ist einer der angesehensten Winzer Deutschlands. Seit 1990 führt er das Familiengut Franz Keller am Kaiserstuhl. Darüber hinaus führt er mit dem „Schwarzen Adler“ und dem zugehörigen Luxushotel das Restaurant in Deutschland, das am längsten mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet ist (seit 1969). In der Fußballwelt ist Fritz Keller, dessen Patenonkel die Fußballlegende Fritz Walter ist, auch sehr erfolgreich tätig – seit 2010 amtiert er als 1. Vorsitzender des SC Freiburg, seit 2014 ist er Präsident.

Mit dem SC Freiburg, der einer Studie nach als der zweitsympathischste Fußballclub Deutschlands gilt, hat Fritz Keller derzeit besonders viel Freude. Es winkt nach 2013 die erneute Qualifikation für die Europa League – und das als Aufsteiger im Oberhaus. Im Interview am Morgen mit fussball.news spricht Keller nun über die besonderen Vorzüge des SC Freiburg, das nächste mögliche Europacup-Abenteuer und Abwerbe-Versuche der Konkurrenz. Zudem lobt Keller Trainer Christian Streich dafür, dass er auch politisch Stellung bezieht.

fussball.news: Sie sprechen die stabile finanzielle Situation des SC an. Wird es für Freiburg aufgrund der größer werdenden finanziellen Kluft zwischen den Vereinen auf Dauer nicht unmöglich, im Geschäft Bundesliga Schritt zu halten?

Fritz Keller: Für uns wird es nicht einfacher, das ist klar. Aber deswegen dürfen wir nicht jammern. Natürlich sind die heutigen Transfersummen irrsinnig. Aber die Nachfrage regelt den Preis und offenbar sind die Begehrlichkeiten so groß, dass immer noch mehr Geld in den Fußball fließt. Wir müssen folglich den Markt beobachten, uns weiterentwickeln und Möglichkeiten suchen, wie wir zukünftig bestehen können. Bisher haben wir unsere Nische aber immer gefunden.

fussball.news: Welche ist Ihre Nische?

Fritz Keller: Wir werden weiterhin auf den Nachwuchs setzen, auf unsere gute Jugendarbeit. Auf vernünftige Entscheidungen, die zwar überlegt, dennoch aber schnell getroffen werden können. Schnelle Entscheidungen sind oft preiswerte Entscheidungen. Ein weiterer Baustein ist auch der Stadionneubau. Ich bin sehr froh, dass wir es bauen können, denn die gesamtgesellschaftliche Lage ist in Deutschland inzwischen so, dass wir Veränderungen und Großinvestitionen viel zu kritisch gegenüberstehen. Wir sind veränderungsfeindlich geworden und müssen aufpassen, unserer Jugend damit nicht die Zukunft zu verbauen.

fussball.news: Passt ein neues Stadion denn überhaupt zum Modell SC Freiburg? Geht in den neuen Arenen mit ihren Logen und VIP-Bereichen nicht auch Stück für Stück die Fußballromantik verloren?

Fritz Keller: VIP-Bereiche muss es heute geben, das ist durchaus im Interesse aller Fußballfans. Diejenigen, die mehr haben, sollen auch mehr geben. Im Gegenzug bekommen sie dafür natürlich auch mehr geboten. Letztlich ermöglichen sie aber, dass andere, vor allem die Zuschauer auf den Stehplätzen, nicht so viel für ihre Tickets zahlen müssen.

fussball.news: Das große Geld landet dennoch bei denen, die ohnehin schon viel davon haben. Die Folge ist, dass es ganz oben in der Liga seit Jahren an Spannung mangelt. Müsste das Geld Ihrer Meinung nach gerechter verteilt werden?

Fritz Keller: Wir haben nach wie vor eine der attraktivsten Ligen der Welt. Auch ganz oben, denn da wackelte es in dieser Saison auch schon ein bisschen. Für Bayern München, deren Arbeit ich sehr respektiere, wird es also auch wieder enger. Ich betone es noch einmal: Wichtig wird für uns sein, dass wir weiter auf die Jugend setzen. Wer bei der Jugend spart, spart am falschen Ende. Daher kann ich den Bundesliganeulingen wie Leipzig und im weitesten Sinne auch noch Hoffenheim nicht einmal böse sein. Dort wird ähnlich viel für die Jugendarbeit getan wie bei uns. Nur eben mit wesentlich mehr finanziellen Möglichkeiten. Da müssen wir mit kreativen Konzepten dagegenhalten. Ein Pfund dabei kann unsere Tradition sein, ein anderes die Werte, die wir seit langem vermitteln.

fussball.news: Welche Werte sind das?

Fritz Keller: Wir sind in erster Linie ein Verein und kein Unternehmen. Das wollen wir im Sinne unserer Mitglieder auch bleiben und das hat zur Folge, dass wir einer Markenstudie der TU Braunschweig nach der zweitsympathischste Fußballclub Deutschlands sind. In den Bereichen Nachhaltigkeit, Bodenständigkeit und Familienfreundlichkeit sogar die Nummer eins. Das ist Freiburg, das zeichnet unsere Arbeit hier aus. Letztlich beschert uns das einen Gesamtmarkenwert im deutschen Fußball von Platz neun. Und das in unserer Fußballlandschaft, in der viele Mannschaften aus großen Metropolen und finanzstarken Regionen vertreten sind.


YOUTUBE-Video: Fritz Keller stellt sein Weingut und sein Restaurant vor


fussball.news: Abschließend und um den Kreis zu schließen: Wie sind Sie als Winzer denn überhaupt zum Fußball gekommen?

Fritz Keller: Das wurde mir in die Wiege gelegt. Mein Vater war ein Fußballverrückter und er sorgte dafür, dass der große Fritz Walter, der gerne bei uns im „Schwarzen Adler“ feierte, mein Patenonkel wurde. Deshalb lautet mein voller Name auch Fritz Walter Keller. Ende der 1980er Jahre hat mich der Sportclub Freiburg mit tollem Fußball in seinen Bann gezogen. Irgendwann las ich ein Interview mit meinem Vorgänger Achim Stocker (ehem. Präsident SC Freiburg, d. Red.), in dem er sich über mangelnde Sponsoren in Freiburg beklagte. Ich war anderer Meinung und schrieb ihm einen Brief, dass es diese durchaus gäbe, man jedoch proaktiv das Geld bei ihnen einsammeln müsse. Er bat mich, das zu übernehmen. Ich machte mich ganz ordentlich und ein Jahr später, 1992, saß ich dann im Vorstand dieses Vereins.

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