„Talente-Klau“: Fürth-Präsident ist mächtig sauer auf den FC Bayern

München – Nach dem Abgang von Nachwuchshoffnung Timothy Tillman zum FC Bayern sieht Fürths Präsident Helmut Hack die Zukunft der Ausbildungsvereine in Gefahr.

FUERTH, GERMANY - FEBRUARY 06: Club president Helmut Hack of Fuerth looks on prior to the Second Bundesliga match between Greuther Fuerth and FC Ingolstadt at Trolli Arena on February 6, 2015 in Fuerth, Germany. (Photo by Micha Will/Bongarts/Getty Images)
Helmut Hack legt sich mit dem FC Bayern an. Foto: Micha Will/Bongarts/Getty Images

Tillmann das größte Fürth-Talent seit 30 Jahren

Helmut Hack ist sauer. Grund dafür ist der Wechsel von Timothy Tillman nach München. „Timothy Tillman war bei uns das größte Talent seit 30 Jahren. Sein Weggang ist eine Katastrophe für den Verein“, sagte Hack der Sport-Bild. Aber nicht, dass der Offensivspieler, der vor kurzem 17 Jahre alt geworden ist, wechselt, erregt Hack. Vielmehr stört ihn das Wie. Trotz eines bestehenden Ausbildungsvertrags sei es nicht möglich gewesen, den Spieler zu halten. „Die Familie des Spielers ist Wochen, bevor der Wechsel vollzogen wurde, nach München gezogen. So hatten sie auch die moralischen Argumente auf ihrer Seite. Wenn Bayern kommt, setzt bei vielen der Verstand aus“, sagte der Fürther Präsident.

Extrem schlechte Signalwirkung

Hack sieht in dem Wechsel vor allem eine „extrem schlechte Signalwirkung nach innen. Wir sind ein sehr erfolgreicher Ausbildungsverein. Wir geben für unsere Verhältnisse sehr viel Geld für den Nachwuchs und qualifiziertes Personal aus“, erklärte Hack und fragte rhetorisch: „Wenn uns die Spieler mit 14, 15 oder 16 Jahren verlassen und wir keine Talente mehr im Verein haben – welche Argumente haben wir dann, qualifizierte Mitarbeiter zu halten?“ Das habe auch Auswirkungen auf Sponsoreneinnahmen und somit auf die Zukunft des Vereins.

Sinan Kurt als mahnendes Beispiel

Man wolle in Fürth die Spieler entwickeln und ihnen irgendwann mit 19 oder 20 Jahren den nächsten Schritt zu einem größeren Verein ermöglichen. Mainz sei da beispielsweise eine Adresse. Bei Bayern hingegen schafften es die wenigsten Spieler, sich durchzusetzen. Als mahnendes Beispiel verweist Hack auf Sinan Kurt., der „mit viel Brimborium aus Gladbach kam und jetzt schon wieder weg ist“.

BREMEN, GERMANY - SEPTEMBER 09: Timothy Tillmann of U17 Germany plays the ball during the match between U17 Germany v U17 Italy at Weserstadion "Platz 11" on September 9, 2015 in Bremen, Germany. (Photo by Martin Stoever/Bongarts/Getty Images)
Junioren-Nationalspieler Timothy Tillmann folgte dem Ruf des FC Bayern. Foto: Martin Stoever/Bongarts/Getty Images

Zukunft der kleinen Vereine in Gefahr

Die Auswirkungen immer früherer Wechsel von Talenten zu den Top-Klubs könnten laut Hack für Ausbildungsvereine wie Greuther Fürth fatal sein. „Die 16 kleineren Vereine unter den 36 Erst- und Zweitligisten werden es irgendwann immer schwerer haben, gut funktionierende Nachwuchsleistungszentren zu unterhalten. Weil die Möglichkeit, große Talente zu entwickeln und zu transferieren, immer kleiner wird.“

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