Hitzfeld: Bayern-Situation besitzt Brisanz

München – Er ist einer der erfolgreichsten Trainer der Bundesliga-Geschichte, wurde mit Bayern und Dortmund insgesamt siebenmal Deutscher Meister. Ottmar Hitzfeld blickt im kicker auf die Situation bei den Münchnern mit Coach Pep Guardiola, den Aufschwung des BVB und den Abstiegskampf.

Ottmar Hitzfeld könnte sich Carlo Ancelotti als neuen Bayern-Trainer sehr gut vorstellen. Foto: Stu Forster/Getty Images
Ottmar Hitzfeld gitb seine Einschätzung zur Lage in der Bundesliga ab. Foto: Stu Forster/Getty Images

Keine Spannung im Titelkampf

An einen spannenden Titelkampf zwischen seinen ehemaligen Klubs FC Bayern und Borussia Dortmund glaubt Ottmar Hitzfeld nicht. „Es braucht ein kleines Wunder, dass Bayern nicht Meister wird. Die Konstanz in der Hinserie sowie die individuellen Möglichkeiten sprechen für München“, sagte er dem kicker. Baumeister des Ganzen sei Pep Guardiola. „Er lässt nicht locker, weil er das große Ziel hat, sich erfolgreich zu verabschieden“, meinte Hitzfeld.

Guardiolas frühzeitiger Abschied könne laut Hitzfeld das einzige Risiko für die Bayern sein. „Vieles hängt vom Start ab, weil die Situation schon eine gewisse Brisanz beinhaltet: Wenn ein Trainer im Dezember bekannt gibt, dass er ein halbes Jahr später gehen wird, ist die Aufgabe nicht so einfach.“ Er selbst kenne die Situation, verkündete 2008 im Januar seinen Abschied aus München. „Ein Trainer muss da noch mehr auf Disziplin innerhalb der Mannschaft achten und den Zusammenhalt fördern“, sagte Hitzfeld.

Dafür werde bei Bayern auch Matthias Sammer sorgen. Dazu müsse der Trainer seine Philosophie beibehalten und dürfe nicht von seinem eigenen Weg abweichen. Seine Idee vom Fußball habe Guardiola in München umgesetzt. Negative Auswirkungen auf die Mannschaft sieht Hitzfeld im Abschied des Spaniers nicht, denn „jeder Spieler will seine Aufgabe erfüllen und Titel gewinnen“.

In München peilt man das Triple an. Europaweit sieht der ehemalige Erfolgstrainer den Rekordmeister auf einer Stufe mit den spanischen Tobclubs Real Madrid und FC Barcelona: „Gerade international geht es um die Reputation der Bayern.“ Bayern hätte sich auf einem Toplevel etabliert, daher scheine ein Weiterkommen gegen Juve fast schon Pflicht.

Hitzfeld lobt Tuchel

Die Entwicklung bei seinem anderen Ex-Verein, dem BVB, verfolgt Hitzfeld mit Freude und lobte vor allem den neuen Trainer: „Thomas Tuchel hatte einen super Einstand, er brachte seine Philosophie perfekt ein und lässt die Mannschaft variabler spielen, ökonomischer, mit mehr Ballbesitz.“ In der Offensive habe Dortmund total überzeugt und die meisten Tore geschossen, verbesserungsfähig sei jedoch das Defensivverhalten. Der 67-Jährige wünschte sich, dass die Borussia an die Leistungen aus der Hinrunde anknüpfen kann. „Das würde den Abstand zu Bayern verringern, ein Zweikampf wie zwischen Barcelona und Real ist es noch nicht.“

Erfahrung könne im Abstiegskampf auch hemmen

Hitzfeld blickte auch in den Tabellenkeller der Bundesliga. Dort zittern mit Frankfurt, Stuttgart und Bremen drei Traditionsvereine um den Klassenerhalt. „Das wird spannend bis zum Schluss“, glaubte Hitzfeld, „weil Traditionsklubs erfahrungsgemäß mehr Unruhe haben als andere. Dort wird mehr erwartet, der Druck ist größer und die psychische Belastung immens.“ Einen Vorteil für die erfahrenen Trainer wie Stevens, Veh und Schaaf gegenüber den Neulingen Skripnik und Kramny sieht er im Abstiegskampf nicht. „Erfahrung kann stets helfen, aber auch hemmen, weil man sich dann noch mehr in der Verantwortung sieht. Die Jugend kann mehr Unbekümmertheit zulassen.“

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