Hitzfeld-Bilanz über Guardiola

München – Erfolgreich, herzlich, medienaffin: Ottmar Hitzfeld lieferte wohl in der Historie des FC Bayern das beste Gesamtpaket als Trainer der Münchner ab (u.a. Gewinn der Champions League 2001). Nach der Weltmeisterschaft 2014, wo er die Schweiz ins Achtelfinale geführt hatte, hat sich Hitzfeld als Trainer zur Ruhe gesetzt, selbst ein Angebot aus China in Höhe von 25 Millionen Euro lehnte er offenbar ab.

Nun ist Hitzfeld noch als TV-Experte tätig. Beim Pay-TV-Sender Sky macht er dies sehr professionell, in seiner Schweizer Heimat macht er dies für die Zeitung Blick – offen und modern. Per Skype-Video-Interview stellte er sich den Fragen von Redakteur Andreas Böni, antwortete locker im Switzerdütsch und zog nun eine Leistungsbilanz von FC-Bayern-Trainer Pep Guardiola. fussball.news hat die wesentlichen Aussagen von Hitzfeld sinngemäß, aber so nah wie möglich am ursprünglichen Zitat, übersetzt.

Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld sieht die Zukunft von Pep Guardiola auf der Insel. Foto: Clive Rose Getty Images
Ottmar Hitzfeld gewann mit dem FC Bayern u.a. fünf Mal die Deutsche Meisterschaft. Foto: Clive Rose / Getty Images

Guardiola als Taktik-Freak

So hob Hitzfeld im Interview mit der Zeitung Blick zunächst das wohl größte Qualitätsmerkmal von Guardiola hervor: „Pep Guardiola ist ein Taktik-Freak. Er konzentriert sich während seiner Zeit bei Bayern München sehr auf den Bereich Taktik. Er bereitet die Trainingseinheiten akribisch vor und beschäftigt sich Tag und Nacht mit möglichen Spielsitautionen.“

Allerdings, so Hitzfeld, habe Guardiola den zwischenmenschlichen Bereich mit den Spielern hintenangestellt. „Er hat fast gar keine Einzelgespräche mit den Spielern geführt“, sagte Hitzfeld, der jedoch einschränkte: „Für die Spieler spielt es keine große Rolle, ob der Trainer mit ihnen redet oder nicht. Die Spieler sind so ehrgeizig, dass sie sich von sich aus auf das Training und das Spiel konzentrieren, um eine Top-Leistung abzurufen.“

Kritik am Verhalten Guardiolas in der Öffentlichkeit

Kritischer sah Hitzfeld hingegen das öffentliche Wirken des Spaniers. „Auch bei den Medien hat er sich sehr, sehr zurückgehalten. Er hat zum Beispiel keine Einzelinterviews gegeben. Er hat sich ein bisschen abgeschottet. Das ist für einen Trainer nicht optimal, wenn es darum geht, auch als Repräsentant des Vereins in der Öffentlichkeit aufzutreten.“

Den Weggang von Guardiola im Sommer 2016 aus München bewertete Hitzfeld unaufgeregt: „Für den FC Bayern stellt der Weggang von Pep Guardiola kein Problem dar. Bayern München ist ein großer Klub und kann jeden Trainer der Welt bekommen. So hat es auch Karl-Heinz Rummenigge formuliert: Die Welt geht nicht unter, wenn ein Trainer den FC Bayern verlässt.“

Trainer-Wechsel 2016 habe kaum Auswirkung auf die Spieler

Ebensowenig, so war der 66-Jährige überzeugt, habe der Trainerwechsel große Auswirkungen auf die Spieler: „Wer der Trainer ist, ist für die Spieler zweitrangig. So ähnlich hat es ja auch Thomas Müller zuletzt zum Ausdruck gebracht.“

FC-Bayern-Angreifer Müller hatte vergangene Woche sinngemäß erklärt, es spiele keine große Rolle, wer im kommenden Jahr Trainer des FC Bayern sei. Als Spieler wolle man immer gewinnen und Titel holen. Müller sagte zudem: „Der Vertrag von Jupp Heynckes ist damals auch ausgelaufen, und wir haben das Triple gewonnen.“

Hitzfeld: „Guardiola kann noch alles korrigieren“

Den Vergleich zwischen Pep Guardiola und Vorgänger Jupp Heynckes nahm Hitzfeld nun auch auf und bilanzierte. „Bis jetzt ist Jupp Heynckes erfolgreicher als Pep Guardiola. Guardiola kann aber noch alles korrigieren, wenn er in dieser Saison alle drei Titel gewinnt – so wie es Heynckes 2013 geglückt ist.“

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