Interview am Morgen

Pfaff: „Rummenigge muss mich nur anrufen“

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München – Jean-Marie Pfaff war in Deutschland ein Nobody, als er als Torwart 1982 vom kleinen belgischen Verein SK Beveren zum FC Bayern München wechselte. Doch sechs Jahre später ging er als Publikumsliebling. Dabei hatte er am Anfang keinen leichten Stand beim Rekordmeister. Sein Vorgänger war immerhin Bayerns Ikone zwischen den Pfosten, Sepp Maier, der Weltmeister von 1974.

fussball.news: Glauben Sie, dass mit Ancelotti etwas mehr Menschlichkeit in München Einzug hält? Guardiola gilt als eiskalter Profi.

Pfaff: Jeder Mensch ist anders und hat seine eigenen Qualitäten. Guardiola und Ancelotti sind eigene und große Persönlichkeiten. In dem Job wird als Trainer sehr viel verlangt. Beide haben Erfahrungen gesammelt, Guardiola in Barcelona und Ancelotti bei Real. Jeder hat seine eigene Art und Weise ein Team zu trainieren, am Ende zählt jedoch nur Titel, so einfach das auch klingt. Ich hoffe einfach, dass Ancelotti so erfolgreich sein wird wie seine Vorgänger. Natürlich muss auch das gesamte Team hinter ihm stehen, aber da mache ich mir keine Sorgen.

fussball.news: Träumen Sie eigentlich davon, einmal zum FC Bayern in einer anderen Funktion zurückzukehren?

Pfaff: Das kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass Bayern meine zweite Heimat ist und mein Herz für den Klub schlägt. Wenn sich mir eine Möglichkeit bieten würde, dann wäre ich sofort bereit zurückzukommen. Kalle Rummenigge muss mich nur anrufen. (lacht) Das Leben geht für mich aber auch ohne einen Job beim FC Bayern weiter. Ich bleibe nie stehen, bin immer aktiv und habe genug zu tun.

fussball.news: Uli Hoeneß wird demnächst ein freier Mann sein. Glauben Sie, dass er dann wieder Präsident im Verein werden wird?

Pfaff: Ich freue mich sehr für den Uli, vor allem kann er dann wieder ganz bei seiner Familie sein kann. Sie ist das Wichtigste im Leben für ihn. Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute und hoffe, dass ich ihn bald treffen werde, wenn ich in München bin. Ob er wieder das Amt des Präsidenten übernehmen wird, kann ich nicht sagen. Das ist die Entscheidung des Klubs. Und der Uli muss das auch wollen. Auf jeden Fall wird er jede neue Aufgabe mit vollem Einsatz und Engagement übernehmen.

fussball.news: Letzte Frage: Sie wurden 2004 von Pele auf die Liste der 125 besten noch lebenden Fußballer gesetzt. Wie stolz macht Sie das?

Pfaff: Wen würde das nicht stolz machen? Wenn ein Weltstar und Kenner des Fußballes dich auf so eine Liste setzt, dann ist das natürlich eine große Ehre. Oft wird das von Journalisten gemacht, die nie Fußball gespielt haben. Pele aber beobachtet die Fußballer über viele Jahre und urteilt erst dann über die Karriere, sieht den Fußballer in seiner Gesamtheit. Er nimmt vor allem die in Augenschein, die immer noch Vorbilder für junge Spieler sind.

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