Khedira rüttelt DFB-Team wach

München – Sami Khedira hat den WM-Titel und die Champions League gewonnen, nun peilt er mit der Nationalmannschaft den EM-Titel an. Dazu mahnte er jedoch nun in einem Interview mit der Welt am Sonntag, das DFB-Team müsse sich steigern. Khedira sprach auch über den Teamgeist in der Nationalmannschaft, über seinen ehemaligen Coach und neuen FC-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti und wie es ihm bei seinem neuen Verein Juventus Turin ergeht.

RIO DE JANEIRO, BRAZIL - JULY 13: Sami Khedira of Germany kisses the World Cup trophy after defeating Argentina 1-0 in extra time during the 2014 FIFA World Cup Brazil Final match between Germany and Argentina at Maracana on July 13, 2014 in Rio de Janeiro, Brazil. (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)
Sami Khedira gewann mit Deutschland den WM-Titel 2014.  Foto: Matthias Hangst / Getty Images

 „Deutschland ist immer Favorit“

„Deutschland zählt immer zu den Favoriten“, sagte Khedira mit Blick auf die EM 2016 in Frankreich und ergänzte: „Das Einzige, was sich mal wieder verändert hat, ist, dass wir als amtierender Weltmeister in das Turnier gehen. Die Aufmerksamkeit und der Druck werden noch größer sein. Aber wir haben gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können.“

Stand jetzt hält Khedira die Nationalmannschaft jedoch noch nicht für titelreif. „Wenn wir ehrlich sind, hätten wir in unserer aktuellen Verfassung keine Chance. Dafür waren die Leistungen in den vergangenen Monaten nicht gut genug“, mahnte Khedira im Gespräch mit der WamS.

Jeder Spieler müsse noch eine Schippe drauflegen, um das Finale zu erreichen. Zudem „müssen wir auf und neben dem Platz wieder eine geschlossene Einheit sein. Wenn uns das gelingt, wovon ich total überzeugt bin, sind wir nur schwer zu schlagen. Dann sind wir im Rennen um den Titel definitiv dabei“, führte Khedira fort.

Juventus' midfielder Sami Khedira from Germany celebrates after scoring during the Italian Serie A football match Juventus Vs Bologna on October 4, 2015 at the "Juventus Stadium" in Turin. AFP PHOTO / MARCO BERTORELLO (Photo credit should read MARCO BERTORELLO/AFP/Getty Images)
Sami Khedira wechselte im Sommer von Real Madrid zu Juventus Turin. Foto: MARCO BERTORELLO / AFP / Getty Images

Lob für Götze

Teamgeist bedeute für ihn auch, nicht sauer zu sein, wenn der Bundestrainer „taktisch etwas ändert und einen Spieler dann dafür mal opfert“. Bei der WM sei Mario Götze das perfekte Beispiel für mannschaftsdienliches Verhalten gewesen.

„Er hätte in Brasilien sicher gern beim Finale in der Startelf gestanden. Joachim Löw hat sich aber anders entschieden. Und was ist passiert? Mario wurde eingewechselt und hat uns mit seinem Tor zum Titel geschossen. Das war großartig“, schwärmte Khedira und führte aus: „Er hat sich nicht hängen lassen, sondern sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und an diesem Abend auf seine Chance gewartet. Das kannst du nicht lernen, so etwas hast du verinnerlicht. Das sind Charakterzüge, die wichtig für den Erfolg sind.“

Bundestrainer Joachim Löw sei der Vater des Erfolgs und ein „Glücksfall für den deutschen Fußball“, so Khedira weiter: „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir alle mit ihm als Bundestrainer zufrieden sind. Er hat einen Plan.“ Löw kommuniziere zudem mit den Spielern auf Augenhöhe, als Trainer sei er offen für die Meinung der Spieler, seine Art sei imponierend.

„Ancelotti trifft den richtigen Ton“

Khedira lobte auch einen weiteren Trainer: Carlos Ancelotti. Der Trainer gewann mit Khedira für Real Madrid 2014 die Champions League, im Sommer coacht Ancelotti den FC Bayern. „Er ist ein ausgezeichneter Fachmann, taktisch unheimlich bewandert. Was mich an ihm am meisten fasziniert, ist seine menschliche Art. Ich finde es bemerkenswert, wie gut er mit Menschen umgeht“, wertschätzte Khedira seinen ehemaligen Trainer und legte nach:

„Er weiß, wie er den richtigen Ton trifft. In jeglicher Hinsicht. Wenn ihm etwas missfällt, sagt er dir das genau so klar, wie er das tut, wenn er dich lobt. Es war wunderbar, unter Ancelotti gearbeitet zu haben. Die Bayern bekommen mit ihm einen sehr guten Trainer.“

Khedira selbst wechselte im Sommer von Real Madrid zu Juventus Turin. „Ich bin durchaus zufrieden und habe mich gut eingelebt“, sagte er über seine ersten Monate in Italien. Obwohl er zunächst verletzt war, sei er gleich gut im Team aufgenommen worden. „Jetzt bin ich wieder fit und genieße den Fußball in vollen Zügen. Ich bin in Italien, in Turin und bei Juve voll angekommen. Ich fühle mich hier sehr wohl!“, erklärte der Mittelfeld-Stratege.

Khedira: Bayern ist der schwerste Gegner

Mit Juventus Turin trifft Khedira im Achtelfinale der Champions League auf den FC Bayern. „Ich denke, wir haben mit den Bayern den schwersten Gegner erwischt“, bewertete er die Gefechtslage und legte nach: „Aber man spielt in diesem Wettbewerb, um ihn zu gewinnen.“ Nach schwachem Saisonstart sei Turin nun in starker Verfassung, „die Bayern“, so Khedira, „werden wissen, dass es nicht einfach wird gegen uns“.

Das Hinspiel zwischen Juve und dem FC Bayern findet am 23. Februar statt.

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